Das Tempo der Veränderung ist viel zu gering
Die scheidende Wissenschaftsratsvorsitzende Martina Brockmeier über neue Wertesysteme in der Wissenschaft, ihre persönlichen Erfahrungen in dem Beratungsgremium – und die entscheidende Sitzung in der Exzellenzstrategie.

Martina Brockmeier. Foto: Wissenschaftsrat / Peter Nierhoff.
Frau Brockmeier, Sie waren seit 2014 Mitglied im Wissenschaftsrat und seit 2017 seine Vorsitzende. Die Regeln schreiben vor, dass Sie das Gremium nach sechs Jahren verlassen müssen – und in wenigen Tagen damit auch das Spitzenamt abgeben. Sind Sie wehmütig oder erleichtert?
Der Wissenschaftsrat ist ein einmaliges Gremium. Er lebt von der Vielfalt seiner Mitglieder, und ich bin dankbar, dass ich mit so vielen spannenden Persönlichkeiten zusammenarbeiten und diskutieren durfte. Diese Bandbreite an Perspektiven aus der Wissenschaft, aus der Politik, aus der Gesellschaft ist einzigartig. Auch die Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates trägt mit ihren überaus wachen und fähigen Mitarbeitern zu dieser Offenheit im Denken und Diskutieren bei. Insofern bin ich wehmütig: Es macht unglaublich viel Spaß, in der Sache zu diskutieren, ein Thema von so vielen unterschiedlichen Seiten beleuchten zu können, dabei so viel voneinander zu lernen – und zu beobachten, wie am Ende aus all den Meinungen eine tragfähige gemeinsame Position entsteht. Dennoch bin ich überzeugt, dass nach einigen Jahren ein Wechsel in solchen Positionen für alle Beteiligten sehr gut ist.
Sie sind also auch erleichtert?
Vor allem bin ich erleichtert, dass erstmal dieses ständige Reisen vorbei ist, dieses Sitzen in Zügen, Flugzeugen und Autos. Es sei denn, ich konnte selbst Auto fahren. Andere mögen Autofahren als Belastung empfinden, als Arbeit. Ich genieße es selbst zu fahren, zumal ich dann gezwungen bin, einmal eben nicht zu arbeiten. Ich kann mich dann zurücklehnen und nachdenken. Mal mit Abstand auf die Dinge schauen.
Dann lassen Sie uns genau das doch mal tun: Wenn Sie aus der Vielzahl der Empfehlungen und Entscheidungen, an denen Sie in den vergangenen Jahren beteiligt waren, zwei herausgreifen sollten, welche wären das?
Die Antwort fällt mir leicht. Eines der wichtigsten, vielleicht das wegweisendste Positionspapier, das der Wissenschaftsrat in meiner Amtszeit beschlossen hat, ist das zur Nachfolge des Hochschulpakts. Und die wohl wichtigste wissenschaftspolitische Entscheidung, zu deren Zustandekommen ...
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