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Wir müssen aufpassen, nicht überfahren zu werden

Heute Vormittag haben die EFI-Wissenschaftsweisen der Kanzlerin ihr Jahresgutachten überreicht. Der Kommissionsvorsitzende Uwe Cantner sagt, was drinsteht zu Ostdeutschland, China und der Cybersicherheit – und warum den deutschen Kernindustrien nicht mehr viel Zeit bleibt, sich selbst zu reformieren.

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Artikelbild: Wir müssen aufpassen, nicht überfahren zu werden

Der EFI-Vorsitzende und Volkswirt Uwe Cantner. Foto: David Ausserhofer.

Herr Cantner, steht in dem Gutachten, das Sie gerade an Bundeskanzlerin Merkel überreicht haben, auch etwas Positives drin?

Sehr viel sogar. Deutschland gibt so viel Geld für Forschung und Entwicklung aus wie nie zuvor. Die Wissenschaftsorganisationen haben durch den neuen Pakt für Forschung und Innovation ein hohes Maß an Planungssicherheit – bis 2030 – erhalten, und der Bund beteiligt sich dauerhaft an der Finanzierung der Hochschullehre. Auch das begrüßen wir.

Währenddessen ist Apple an der Börse erstmals mehr wert als alle deutschen DAX-Unternehmen zusammen, Deutschlands Automobilkonzerne hinken bei der Batterietechnologie hinterher, und Deutschlands Hochschulen, Unternehmen und Verwaltungen leiden unter massiven Cyberattacken. Haben wir die Zukunft verschlafen?

Das ist mir zu hart. Dass die Vereinigten Staaten mit ihrem IT-Sektor in einer ganz anderen Liga spielen als der Rest der Welt, ist unbestritten. Diese riesengroßen Konzerne von Google/Alphabet bis Facebook, die da entstanden sind mit Geschäftsmodellen, die so gefestigt sind, dass dem höchstens noch die amerikanische Politik beikommt. Die Anfänge dieser Entwicklung liegen Jahrzehnte zurück, doch erst jetzt verstehen wir in der Forschung die Netzwerkeffekte dahinter, wie in Kalifornien eine Firma die andere beflügelt hat und am Ende eine einzigartige Innovationslandschaft entstanden ist. Das war nicht zu überblicken, als es losging, insofern wurde da auch nichts verschlafen. Es ist aber richtig und sehr zu begrüßen, dass Bundesregierung, Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen mit GAIA-X jetzt eine eigene Dateninfrastruktur aufbauen wollen, eigene europäische Cloud-Dienste, um die Technologie selbst zu beherrschen und nicht irgendwann vollends von anderen abhängig zu werden. Viel mehr Sorge macht mir, dass seit kurzem eine Dynamik die andere ablöst.

Was meinen Sie?

In Sachen IT war Deutschland – von einigen wenigen Unternehmen abgesehen – nie an der Weltspitze, hatte dort nie eine Kernkompetenz. Insofern lief die Entwicklung von Apple oder Google ein bisschen neben dem Erfolg unserer ...

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Kommentare

#1 -

Liberaler | Do., 20.02.2020 - 14:37
"Ist es dieses Silodenken, das auch den Start der neuen Agentur für Sprunginnovationen so schwer macht?"



Durchaus. Aber die Sache liegt komplizierter: Die Agentur hat ein Personalproblem an zentraler Stelle: Laguna ist nur in Teilzeit für die Agentur tätig, weil er parallel sein Unternehmen weiter führt. Auch vom Fähigkeitsprofil ist er der falsche Mann für den Job, denn er hat bisher zwar amerikanische Sprunginnovationen adaptiert, aber nie selbst welche geschaffen und durchgesetzt. Drittens hat er die Standortfindung (Leipzig) unprofessionell betrieben. Vorher war schon das Auswahlverfahren, in dem Launa als Mitglied der Auswahlkommission dann selbst zum Agenturleiter berufen wurde, unterirdisch in ...

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