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Eine schnelle Aufholjagd? Halte ich für einen Wunschtraum

Christoph Igel war einer der führenden deutschen KI-Forscher. Dann ging er zur Bundeswehr – und ist jetzt erster Direktor der Agentur für Cybersicherheit. Wie seine Professorenkollegen reagiert haben, warum er Deutschlands Digitalisierungs-Rückstand für so gefährlich hält und wie er mit den öffentlichen Erwartungen umgeht.

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Artikelbild: Eine schnelle Aufholjagd? Halte ich für einen Wunschtraum

Soldat, Professor, Agenturdirektor: Christoph Igel. Fotos: privat.

Herr Igel, Sie zählen zu den angesehensten KI-Forschern in Deutschland, Sie waren Sprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Berlin – bis Sie vergangenes Jahr überraschend aufhörten und bei der Bundeswehr anheuerten. Was viele verwunderte, ergibt seit ein paar Wochen Sinn: Sie sind jetzt Forschungsdirektor der Agentur für Innovationen in der Cybersicherheit, getragen von Verteidigungs- und Innenministerium.

Das mag für Sie nach einem lange vorbereiteten Plan aussehen, aber tatsächlich wusste ich, als ich beim DFKI aufhörte, noch nichts davon, dass ich eines Tages Forschungsdirektor und Geschäftsführer der Cyberagentur werden würde. Auf den Posten habe ich nicht einmal geschielt. Ich habe schlicht aus einer gewissen Ernüchterung heraus der Wissenschaft nach über 20 Jahren den Rücken kehren wollen.

Von welcher Ernüchterung sprechen Sie?

Vor allem der permanente Druck zur Akquisition von Drittmitteln hat auf meine Motivation geschlagen. Die wachsenden Aktivitäten in – unternehmerisch gesprochen – Vertrieb und Marketing von Forschung, das ständige Definieren, Messen und Bewerten von Forschungsleistungen unter Innovations- und ökonomischen Gesichtspunkten, aber auch die meiner Meinung nach unverhältnismäßige Zunahme an administrativem Aufwand. Irgendwann dachte ich: Wenn Du in Deiner Karriere nochmal etwas ganz Anderes machen möchtest, dann jetzt.

Aber deshalb gehen die meisten Wissenschaftler noch lange nicht zur Bundeswehr.

Die meisten Wissenschaftler haben wohlmöglich auch nicht wie ich eine Beziehung zu den Streitkräften, die bis zum Ende meiner Schulzeit zurückreicht. Vielen meiner Kolleginnen und Kollegen war das sicherlich nicht bekannt, aber ich habe auch nach meinem Wehrdienst in verschiedener Weise immer den Kontakt zur Truppe gehalten. Als 2017 der militärische Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum aufgestellt wurde, kam ich – im ganz positiven Sinne – ins Grübeln.

Womit die Bundeswehr doch auch nur einem allgemeinen Trend folgte. Den Digital-Hype gibt es an den Unis genauso.

Und wie es den ...

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Kommentare

#1 -

R. Joachim | Do., 06.08.2020 - 10:25
Wie wohltuend liest sich das denn? Hier spricht mal jemand Klartext über den aktuellen Zustand an den deutschen Unis, der ihn aus dem dortigen "Hamsterrad" treibt. Ich lese im Prinzip den gleichen Klartext, den die Professoren Jahn und Kaufmann von der Göttinger Universität an anderer Stelle in diesem Blog gesprochen hatten.

#2 -

Liberaler | Do., 06.08.2020 - 11:30
"Das bedeutet, dass wir zuhören, dass wir fragen, welchen faktischen Erkenntnisbedarf es bei den nachgeordneten Behörden und Bereichen der beiden Ministerien gibt, ..."



Genau so verfährt Rafael Laguna auch, in der Agentur für Sprunginnovationen: Beide machen Marktforschung bei denen, die man für die Adressaten der eigenen Arbeit hält. Das ist aber grundfalsch, wenn man tatsächlich "disruptive Innovationen" erreichen möchte: Denn die können sich spätere Kunden in aller Regel vorab noch nicht einmal vorstellen. Genau deshalb hat Apple auf Marktforschung verzichtet. Marktfoschung ist sinnvoll bei Schrittinnovationen, aber bei Sprunginnovationen gerade nicht.



Beide Agenturen sind von Anfang an ganz falsch aufgegleist worden: ...

#3 -

Liberaler | Do., 06.08.2020 - 12:00
"Ziel der Agentur müsse sein, dass bei der Cybersicherheit "keine technologische Abhängigkeit von Ländern wie den USA, China oder Israel entsteht".



China nicht, einverstanden. Aber warum diese Gleichsetzung mit den USA und Israel? Beides sind eng befreundete, demokratische Staaten. Vor allem sind in beiden Ländern bei Sprunginnovationen Leute am Werk, die kapiert haben worum es geht. Anders als in Deutschland, wie man den Interviews anmerkt, die Wiarda hier im Blog mit Igel und vorher mit Laguna geführt hat. Und das lag gewiss nicht an Wiarda, dem mit Abstand unabhängigsten Kopf im deutschen Wissenschaftsjournalismus. Die USA und Israel haben eben auch ...

#4 -

Wikipedianer | Fr., 14.08.2020 - 20:42
"[E]iner der führenden deutschen KI-Forscher" scheint nicht so recht zu dem zu passen, was man auf Wikipedia findet? https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Igel
Auf Google Scholar finde ich von ihm nichts auf den üblichen AI-Konferenzen. Übersehe ich etwas?

#5 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 15.09.2020 - 13:24
In eigener Sache



Liebe Leserinnen und Leser,



ich finde es sehr schade, dass es einige wenige unter Ihnen gibt, die immer wieder im Schutze von Alias-Namen sehr persönliche Angriffe auf einzelne Personen unternehmen. Deshalb werde ich von jetzt an Kommentare OHNE nachvollziehbare Klarnamen, die persönliche Wertungen und Tatsachenbehauptungen über Dritte enthalten, nicht mehr mit den Autoren "nachverhandeln", sondern grundsätzlich nicht mehr freischalten.



Es ist schade, dass ich zu diesem Schritt greifen muss, weil bisher der Austausch unter meinen Artikeln immer sehr zivilisiert und wertschätzend verlief. Vor allem ist es schade für die große Mehrheit konstruktiver Leserinnen und Leser.



Beste Grüße

#6 -

Sonja Taschke | Fr., 02.04.2021 - 00:05
Ich studiere IT-Sicherheit und Forensik an der Hochschule Wismar. Ich habe mal in der Datenbank nachgeschaut und festgestellt, dass Herr Prof. Igel Sportwissenschaftler ist und keinen Bezug zur IT-Sicherheit hat. Ist das richtig? Das ist eine Frage an Herrn Wiarda. Kommt mir irgendwie politisch vor. AKK ist ja auch Verteidigungsministerin.

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