Das Schließungs-Paradoxon
Während des Lockdowns ist der Anteil infizierter Kinder und Jugendlicher an allen Corona-Fällen immer weiter gestiegen. Zuletzt rasten sogar die absoluten Zahlen nach oben. Was steckt hinter dieser Entwicklung? Eine Analyse vor der Corona-Spitzenrunde am Mittwoch.
DARF ICH MAL eine Prognose abgeben? Angenommen, die steigenden Infektionszahlen wachsen sich tatsächlich zur gefürchteten Dritten Welle aus, werden in ein paar Wochen oder Tagen viele wieder sagen: Die Schulen sind schuld! Obwohl das Wachstum bei den Neuinfektionen seinen Riesensprung um 35 Prozentpunkte (von -25 auf +10) schon machte, bevor die Kitas und Grundschulen wieder in den (teilweisen) Regelbetrieb gestartet waren.
Ich will damit nicht sagen, dass die Kitas und Schulen in der Pandemie keine Rolle spielen. Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Debatte über ihren Beitrag zum Infektionsgeschehen möglichst differenziert geführt wird. Nicht nur, weil alles Andere den Kindern und Jugendlichen nicht gerecht wird, sondern weil andere – möglicherweise viel wichtigere – Fragen sonst in den Hintergrund geraten. Zum Beispiel, wie es sein kann, dass das Auf und Ab der Pandemie offenbar relativ unabhängig von der Entwicklung an den Kitas und Schulen passiert, was das mit Erwachsenen und deren Verhalten und mit offenen Büros, Fabriken oder Grenzen zu Nachbarländern mit ...
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