Das ist inakzeptabel
Der Wissenschaftsverlag De Gruyter hat einen Preis ausschließlich für englischsprachige Monografien ausgeschrieben – in den Altertumswissenschaften. Es folgten Proteste und ein Offener Brief von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. Was die Unterzeichnern so auf die Palme bringt, sagt Hermann Dieter.
Herr Dieter, Sie gehören zu den rund 120 Erstunterzeichnern eines offenen Protestbriefs . Der "große Wissenschaftsverlag De Gruyter" diskriminiere "in geradezu entmutigender Weise die große Mehrheit junger Nachwuchswissenschaftler in Europa und darüber hinaus", so lautet Ihr Vorwurf. Was ist da los?
Der Verlag hat einen Buchpreis ausgeschrieben für "die weltweit beste wissenschaftliche Monografie in den Altertumswissenschaften". Mitmachen dürfen frisch Promovierte – allerdings gibt es eine entscheidende Voraussetzung: Es werden nur original in englischer Sprache verfasste Arbeiten akzeptiert. Und das in einem Fach, in dessen Tradition die Vielsprachigkeit verankert ist wie in kaum einem zweiten und bis heute intensiv gepflegt wird. Das geht gar nicht. Wieso soll gerade eine original englischsprachige Arbeit weltweit am besten sein?
Mit Verlaub: Ein bisschen erwartbar wirkt es schon, wenn Sie als Stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Deutsch als Wissenschaftssprache (ADAWIS) sich über so etwas aufregen.
Moment! Verfasser des Offenen Briefs ist der deutsche Althistoriker Alexander Rubel, der Professor am Institut für Archäologie der ...
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Kommentare
#1 - Wie wahr!Was ich in dieser Debatte vermisse:Die…
Was ich in dieser Debatte vermisse:
Die Übersetzungsprogramme überholen derzeit rasant die Qualität der "International language of science: 'broken english'" (I. Prigogine). Es ist absehbar, dass in wenigen Jahren z. B. deutsche, französische oder italienische Forschungsarbeiten von der internationalen Forschung ohne jede Sprachbarriere rezipiert werden können. Die Nationalsprachen werden also gerade auf den letzten Metern vor dem Ziel abgewürgt. Vor 20 Jahren hätte die Idee einer 'lingua franca' der Wissenschaften vielleicht noch rechtfertigen können. Heute wird deutlich: Es dominiert das kommerzielle Interesse, kleine Publikationsmärkte aufzugeben.
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