Das war keine Nacht- und Nebelaktion
Tobias Schulze war einer der Initiatoren der Berliner Postdoc-Regel. Warum die Reform nötig war und trotzdem nachgebessert werden muss, was sie für die Berliner Exzellenz-Chancen bedeutet und warum die Kritik von HU-Vizepräsident Kronthaler für ihn Schwarz-Weiß-Malerei bedeutet: ein Interview.

Tobias Schulze , 46, ist stellvertretender Vorsitzender der Berliner Linken, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Netzpolitik, Wissenschaft und Forschung. Außerdem fungiert er als Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaftspolitik seiner Partei.
Foto: Ben Gross.
Herr Schulze, der Berliner Senat hat die Novelle der Novelle des Hochschulgesetzes beschlossen. Vor allem soll sie reparieren, was die Wissenschaftspolitiker der rot-rot-grünen Abgeordnetenhaus-Fraktionen, unter anderem Sie, auf den letzten Drücker noch hinzugefügt hatten, oder?
Sie muss die Regelung des Paragrafen 110, Absatz 6 präzisieren und verklaren. Mehr ist bisher nicht vorgesehen.
Das ist die umstrittene Passage, derzufolge Postdoktoranden auf haushaltsfinanzierten Qualifikationsstellen in der Regel eine Dauerstelle angeboten bekommen müssen. Was genau soll da denn jetzt geändert werden?
Zum einen wird klargestellt, dass Postdocs auf Drittmittelstellen weiter befristet eingestellt werden können, auch wenn die Drittmittel vom Land Berlin ausgereicht werden. Das gilt für die Berlin University Alliance (BUA). Zum anderen wird eine Übergangsfrist eingebaut. Und zum dritten wird geklärt, dass der Absatz 6 des Paragrafen 110 für alle gilt, die nach der Promotion eine zweite Qualifikationsphase gegebenenfalls mit weiteren Tenure-Kriterien erfolgreich bestehen.
"Wir müssen klären, wie wir mit denjenigen
umgehen, die bereits jetzt auf einer entsprechenden Stelle sind. Sonst verlieren wir eine ganze Kohorte an wichtigen Wissenschaftler:innen."
Und, reicht das? Oder muss da noch mehr kommen?
Die genannten Regelungen sind bereits im Entwurf des Senats enthalten. Wir müssen aus meiner Sicht im Parlament klären, wie wir mit denjenigen umgehen, die bereits jetzt auf einer entsprechenden Stelle sind. Für die müssen entsprechende Regelungen getroffen werden, das wäre sonst nicht nur ungerecht, sondern wir würden eine ganze Kohorte an wichtigen Wissenschaftler:innen verlieren.
Würden Sie heute der Einschätzung zustimmen, dass das ursprüngliche Gesetz und speziell der umstrittene Paragraf 110 gut gemeint, aber handwerklich schlecht gemacht war?
In Details: ja. So etwa bei der Frage, wie die Beschäftigten in Projekten der BUA einzustufen sind.
Warum musste ...
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Kommentare
#1 - Vielen Dank, dass der Blog den Raum dafür geschaffen hat,…
Was deutlich ist, ist, dass eine Neu-Bewertung der Erfolgskriterien der Exzellenzinitiative notwendig ist. An anderer Stelle habe ich mich schon mal darüber lustig gemacht, dass die Exzellenz zumindest in den drei Stadtstaaten zum Totschlag-Argument verkommen ist: Die Universitätsleitungen können jede demokratisch legitimierte Intervention der Politik abwehren, indem sie die Exzellenz als bedroht erklären und sich selbst zu ihren Hüter*innen machen. Gleichzeitig ist eine Neu-Bewertung der tatsächlichen Leistungen der ...
#2 - Ich finde es schade, dass bei diesem Interview die…
- Das Interview gibt endlich mal zu, dass die allermeisten PostDoc Stellen aus Drittmitteln finanziert werden, der 110 an dem Großteil der befristeten Stellen also gar nichts ändert. Wozu dann der viele Ärger?
- Es bleibt wie üblich unerwähnt, dass die wenigen Haushaltsstellen nur einmal unbefristet besetzt werden können. Dann sind sie 40 Jahre besetzt; in dieser Zeit haben Nachwuchswissenschaftler also keine Chance mehr, eine HH-Stelle zu bekommen. Der ...
#3 - - "der promoviert [...], [ist] kein Nachwuchs, der für…
- Eine wesentliche Folge von mehr Dauerstellen ist eine Erhöhung des Lehrdeputats, und womöglich ist das eines der Hauptanliegen des Senats. Befristete Stellen haben 4SWS, Dauerstellen 8SWS (oder auch 14/18). Für gleiches Geld können also mehr Studierende durch die Unis geschleust werden. Das damit auch (viel) weniger Zeit für Forschung bleibt – egal.
Herr Schulze sollte doch bitte mal einige Universitätsinstitute besuchen ...
#4 - Dem Beitrag von ''Aus einer Berliner Uni'' kann man…
zustimmen. In Bayern ist man glücklicherweise weit entfernt von solch einem Unfug, wie in der Berliner Senat hier produziert. Schade um die schöne Zeit, die die Berliner Universitäten investieren müssen, um sich zu wehren.
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