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Unflexibel

In einem Rutsch vom ersten Bachelor-Semester bis zum Master-Abschluss: Das ist immer noch die Studiennorm an Deutschlands Universitäten. Schade eigentlich.

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Artikelbild: Unflexibel

Illustration: Mohamed Hassan / Pixabay.

EIGENTLICH WAR ES anders gedacht. Der Bachelor, so lautete einst der Plan der Bologna-Reform, sollte der neue Regelabschluss werden. Drei Jahre Studium, und dann geht es in den Beruf. Ausgestattet mit Grundkenntnissen in wissenschaftlicher Theorie und Methode, dazu mehr Praxisanteile als bei den alten Abschlüssen. Oder, wenn man wissenschaftlich in die Tiefe bohren will, setzt man einen Master drauf. Gern in einem anderen Fach. Gern aber auch erst, nachdem man ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt hat.

Dass das in Deutschland so nichts wird, zeichnete sich früh ab. Das Studienmodell, das sich vor allem an den Universitäten etablierte, läuft so: Nach dem Bachelor folgt sehr oft direkt der Master, meist auch noch an derselben Uni, im selben Fach. Fast so, als hätte der Bachelorabschluss nur die Bedeutung des früheren Vordiploms oder einer Magister-Zwischenprüfung. 66 Prozent der Uni-Studierenden rutschen direkt zum Master durch, in Mathe oder den Naturwissenschaften sogar fast 80 Prozent. So hat es das Statistische Bundesamt gerade für den Bachelor-Absolventenjahrgang 2019 gemeldet – fast exakt die gleichen Werte wie für den Jahrgang davor.

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Kommentare

#1 -

Michael Liebendörfer | Mo., 16.05.2022 - 11:52
Aus der MINT-Ecke gefragt: hatte man denn auch eine Vorstellung, welche Jobs die Leute nach dem Bachelor machen sollen? Wenn ein Elektroingenieur vier Semester Mathe-Grundlagen braucht, dazu Physik, bleibt wenig Zeit für den spezifisch beruflichen Inhalt. Der kann dann nach dem Bachelor, überspitzt gesagt, ein Kabel halten. Das kann man mit Ausbildung aber auch. Und obwohl gerade massiv Ingenieure fehlen, werden fertige Bachelors nicht in Massen der Uni weg geworben.



Mit den G8-Experimenten und der Abschaffung von Leistungskursen hatte man im Studium genug zu kämpfen, um das Niveau zu halten. Bildung, auch vertiefte, ist in den letzten Jahren nicht unwichtiger ...

#2 -

Leander | Mo., 16.05.2022 - 14:10
Ich will mich meinem dem vorherigen Kommentar anschließen. Aus der MINT-Ecke gibt es ein Dilemma, wenn das universitäre Studium zum Akademiker führen soll, dann werden tiefe Grundlagen gebraucht. Diese füllen dann 3/4 des Bachelors, sodass man kaum was anwendbares lernt und somit gezwungen ist einen Master zu machen. Man braucht diese Grundlagen nicht unbedingt immer, aber in einer Universität deren Ziel nicht der Arbeitsmarkt sondern die komplette Beherrschung des Faches ist sind diese unabdingbar. Eine Möglichkeit diese am Anfang des Masters nachzuholen gibt es im allgemeinen nicht, Universitäten designen ihren Master nach ihrem Bachelor. Wenn man also evtl. einen Master ...

#3 -

JW | Di., 17.05.2022 - 15:31
Dem deutschen Bologna-Modell hängt immer noch nach, dass die Hochschulen bei der Einführung vielfach allein gelassen worden sind und es an der für so einen Change-Prozess notwendigen staatlichen Steuerung mangelte. Gerade im MINT-Bereich wurde es den Hochschulen zu einfach gemacht. Da wurden einfach bestehende Diplom-Studiengänge mehr oder weniger umettikettiert. Man hat sich dort bisher nie die Mühe gemacht, Bachelor und Master als eigenständige Studiengänge zu konzipieren. Masterstudiengänge sind vielfach der Wurmfortsatz eines Bachelor. Insoweit kann man es den Studis auch nicht verübeln, wenn sie diese paar Semester eben noch mitnehmen und dann in den Beruf starten. Als Student hätte ich ...

#4 -

FK | Di., 24.05.2022 - 13:33
Ein wichtiger Fakor ist sicherlich auch die Finanzierung - wer Bachelor und Master in Folge studiert, schafft beide Abschlüsse oft vor dem 25. Geburtstag. Wer allerdings nach dem Bachelor erstmal arbeiten geht, gerät oft in Gefahr, dass dies nicht mehr klappt (natürlich ist es bei G8-Jahrgängen einfacher). Dies gilt natürlich auch besonders für Studierende, die nicht nach dem Schulabschluss direkt studieren, sondern ein Gap Year einlegen.



Und um sich 2 Jahre Master ohne Finanzierung aus dem Elternhaus und/oder BAFöG finanziell erlauben zu können, muss ein Kredit aufgenommen werden oder aber in der kurzen Zeit zwischen BA & MA so viel ...

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