Wir müssen auch radikale Innovationen umsetzen können! – Worin soll denn das große Erweckungserlebnis einer neuen Technologie bestehen?
Sind Deutschlands Ministerien, Projektträger und etablierte Forschungsförderer noch in der Lage, die nötige Modernisierung zu organisieren? Oder braucht es dafür neue Player? Und wer braucht eigentlich Agenturen wie DATI und SPRIND? Ein Streitgespräch.


Klaus Uckel (links)leitet den größten deutschen Projektträger DLR, Dietmar Harhoff ist Max-Planck-Direktor und Innovationsforscher. Fotos: DLR/privat.
Herr Harhoff, Herr Uckel, denken Sie an Deutschlands Innovationsfähigkeit in der Nacht, sind Sie dann um den Schlaf gebracht?
Klaus Uckel: Bin ich nicht. Klar: Ein Land von unserer Größe mit 83, 84 Millionen Einwohnern, mit einer riesigen Industrie und Forschungslandschaft und der entsprechenden Komplexität kann nicht so wendig sein wie die Schweiz oder Skandinavien. Aber es tut sich viel bei uns, deshalb bin ich optimistisch, dass wir als Land die nötigen Reformen schaffen. Trotzdem müssen wir uns zum Beispiel die Frage stellen, wie wir neu gewonnene wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Anwendung bringen.
Dietmar Harhoff: Ich glaube nicht, dass die Größe unseres Landes als Rechtfertigung dafür taugt, dass die Abläufe bei uns oft so langsam sind. Und ja, ich bin sehr wohl um den Schlaf gebracht, wenn ich an Deutschlands Zukunft als Hochtechnologie-Land denke. Wir haben uns auf unser unbestrittenen Fähigkeit ausgeruht, den allmählichen, den inkrementellen Wandel gut zu managen. Jetzt aber sind wir mit radikalen Veränderungen konfrontiert, wissenschaftlich wie technologisch. Und im Umgang damit drohen wir als Gesellschaft zu versagen.
Wir klammern uns an ein altes Erfolgsmodell, das nicht mehr funktioniert?
Harhoff: Deutschland hat es geschafft, über mehr als 100 Jahre hinweg fast ohne Unterbrechung technologisch in wichtigen Sektoren führend zu bleiben: im Automobilbau, im Maschinen- und Anlagenbau und in der Chemieindustrie. Eine solche herausragende Stellung über eine so lange Zeit zu halten, die vorhandenen Technologien immer weiter zu entwickeln und zu verfeinern, das war eine große Leistung. Doch die neuen Herausforderungen, den Übergang zu völlig neuen Technologien, können wir mit dieser Strategie nicht mehr meistern. Wir müssen in unserem Innovationssystem Elemente hinzufügen, mit denen wir auch radikale Innovationen umsetzen können. Daran drohen wir im Moment zu scheitern.
Uckel:
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Kommentare
#1 - Ein zweifellos spannendes Gespräch, aber es lässt meine…
1. wenn schon von großen Herausforderungen und notwendigen Innovationen gesprochen wird, dann frage ich mich, wie es sein kann, dass kein einziges Mal von Sozialen Innovationen gesprochen wird. Vermutlich, weil sie noch viel schwieriger umzusetzen und zu fördern sind, als technische Innovationen.
2. Die DATI als reine Agentur für HAW/Fachhochschulen zu sehen, wäre fatal. Sie würde immer ein Manko tragen, wie dereinst das „Diplom (FH)“.
#2 - Die theoretische Argumentation von D. Harhoff ist…
Mitverantwortung für die zahlreichen Unstimmigkeiten dort trägt. Wo ist die Strategie, wie SPRIND Mehrwert schaffen will? Wie wird "Sprunginnovation" überhaupt definiert? Warum herrscht keine Transparenz bei den Ausgaben von SPRIND? Warum
fördert SPRIND auch inkrementelle Innovationen wie das erhöhte Windrad? Warum springt man auf Züge auf, die längst fahren und sogar kommerziell finanziert werden, wie z.B. Carbon Capture? Warum
verdient Laguna mehr als der Bundeskanzler lt. SPRIND Corporate Governance Bericht 2020? Man ...
#3 - Hinweis zu dem Kommentar von "Innovator": Hier habe ich…
#4 - Lieber "Innovator", vielen Dank für Ihre erneute…
Beste Grüße Ihr J-M Wiarda
#5 - Ich habe jahrlang im Auftrag des BMBF den Projektträger…
#6 - Ich teile eine der Kernthesen von Klaus Uckel ... wir…
#7 - Ein sehr interessanter Artikel, der auch einige…
Ich bin der Meinung, dass Deutschland genauso handlungsfähig ist wie andere europäische Länder, denn Deutschland hat die Mittel dazu, wenn Politik und Gesellschaft es wollen. Die Ministerien sind nicht so träge, wie oft behauptet wird. Zusammen mit ihren Beratungsorganisationen kennen sie die technologischen Trends und Entwicklungen sehr genau. Und sie haben die Mittel, um schnell und effektiv zu handeln, entweder direkt oder über Strukturen wie die Projektträger.
Ich möchte auch auf Folgendes hinweisen:
PT-DLR:
ca. 1500 Mitarbeiter; 2021 verantwortete der DLR Projektträger ein Fördervolumen von mehr als 2 Mrd. Euro.
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