Massive Investitionen oder Deindustrialisierung: Noch haben wir die Wahl
Die Strategie war richtig, die Umsetzung eine Katastrophe: Uwe Cantner, der Vorsitzende der EFI-Wissenschaftsweisen, über die Innovationspolitik der Ampel, drei verlorene Jahre – und das wissenschaftspolitische Commitment der neuen Regierung, von dem jetzt alles abhängen wird.

Bild: Gerd Altmann / Pixabay.
Bild: Gerd Altmann / Pixabay.
Herr Cantner, Sie haben gerade das EFI-Jahresgutachten an einen Bundeskanzler übergeben, der definitiv aus dem Amt scheiden wird. Ich gebe zu, die Lektüre der 160 Seiten macht mich vor allem eines: ratlos. Weil Sie, die Expertenkommission für Forschung und Innovation, selbst ratlos sind?
Warum sollten wir ratlos sein?
Seit Jahren liefern Sie im Grunde jedes Mal dieselbe Bestandsaufnahme ab, nur jedes Mal noch ein wenig düsterer: Deutschlands Wirtschaft steckt in einer strukturellen Wachstumskrise, die Investitionen und Exporte gehen zurück, die Unternehmensschließungen auch im forschungs- und wissensintensiven Bereich nehmen zu. Die gesamtstaatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen langsamer als im EU-Schnitt, die Patentanmeldungen entwickeln sich negativ. Und jedes Jahr warnen Sie: Die Bundesrepublik fällt zurück in den internationalen Innovationsrankings, der Technologie-Rückstand in zahlreichen Zukunftstechnologien wird größer und größer.
Das ist die Beschreibung der Lage, ja. Aber ich finde, die Empfehlungen, die wir darauf aufbauen, sind von überzeugter Beharrlichkeit. Wir haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was die Politik tun muss, und wir sagen es ihr. Das ist unser Job.

Foto: David Ausserhofer.
Uwe Cantner , 64, ist seit Mai 2019 Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI). An der Universität Jena, deren Vizepräsident er zehn Jahre lang war, hat er eine Professur für VWL/Mikroökonomie.
Sie sagen es ihr aber jedes Jahr aufs Neue, und offenbar erfolglos. Von der "neuen Missionsorientierung als Politikansatz", über die Schaffung "adäquater Governance-Strukturen" bis hin zu einer stärkeren Wirkungsanalyse der ergriffenen Maßnahmen: Alle bekannten Buzzwords sind auch in diesem Gutachten wieder drin.
Sagen wir so: Die neuralgischen Punkte, die adressiert werden müssen, haben sich nicht geändert. Wir haben der scheidenden Bundesregierung in den vergangenen Jahren bescheinigt, dass sie mit ihrer Forschungsstrategie und der Betonung der Missionsorientierung die richtigen ...
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