Wo bleibt die digitale Souveränität?
Deutschlands Wissenschaft spricht von größerer Unabhängigkeit – und setzt weiter auf amerikanische IT.

Foto: Pixnio , CCO.
WENN ES um die Beziehungen zu den USA geht, schwanken die Äußerungen deutscher Spitzenpolitiker zurzeit zwischen resignativer Ergebenheit und kämpferischer Ungeduld. "Wir sind in Sicherheitsfragen auf die USA angewiesen", sagte CDU-Fraktionschef Jens Spahn im Deutschlandfunk. Während SPD-Parteichef Lars Klingbeil Selbstbewusstsein beschwor: "Jeder in Europa sollte jetzt endlich den Schuss gehört haben."
In der Wissenschaftspolitik ist es nicht viel anders. Angesichts der geopolitischen Umwälzungen werden Eckpunkte zur Forschungssicherheit beschlossen, die Notwendigkeit von "Souveränität" und technologischer Unabhängigkeit betont, 30 Millionen Euro in die Sicherung von Forschungsdaten investiert – und gleichzeitig kann sich kaum einer auch nur vorstellen, die basale IT-Infrastruktur deutscher Hochschulen und Forschungseinrichtungen von amerikanischen Tech-Konzernen zu befreien.
Eine große Zahl von Hochschulen nutzt Windows und Office und profitiert dabei von einem bundesweiten Rahmenvertrag, den das Münchner Leibniz-Rechenzentrum federführend mit Microsoft ausgehandelt hat. Eine vermeintlich preisgünstige und stabile Lösung. Und eine mit Aus-Knopf in den USA.
Es gäbe Alternativen. Dänemarks Digitalministerium verabschiedet sich schrittweise von Microsoft. "Wir dürfen uns nie so abhängig von so wenigen machen, dass wir nicht mehr frei handeln können", sagte Digitalministerin Caroline Stage.
Konkrete Signale ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Kommentare
#2 - Zwangsdigitalisierung
"Für alle Sozialleistungen soll ein digitales Portal geschaffen werden und die Zuständigkeit künftig bei zwei statt vier Behörden liegen."
Das verkündete kürzlich eine "Fachkommission der Bundesregierung".
ALSO: Wer Sozialleistungen beantragen will, muss eine digitale Ausrüstung für 500-1000 € haben und damit auch umgehen können. Und immer mehr Unternehmen verlangen, dass man sich bei ihnen ein Konto in einem Portal zulegt und eine E-mail-Adresse angibt, sonst bekommt man nichts. Beispiel: die Deutsche Bahn AG. Natürlich muss man dann auch Cookies zustimmen, persönliche Daten werden weiterverkauft, das ist ja der Sinn der Sache.
Auf der anderen Seite entlassen unsere Schulen immer mehr ...
Neuen Kommentar hinzufügen