Direkt zum Inhalt

Weil es nicht um Schönheitspreise geht

Die Bildungspolitik ist so agil wie der Rest unserer Gesellschaft: nämlich gar nicht. Wenn wir dies anerkennen, können wir uns endlich über Schlussfolgerungen aus der Corona-Bildungsmisere unterhalten. Ein Kommentar.

ALLES WIE ERWARTET: In vielen Bundesländern endeten bereits heute die Weihnachtsferien, und in mehreren Bundesländern gingen erneut die Online-Plattformen in die Knie. Die Empörung darüber folgte ebenso zuverlässig wie die kopfschüttelnden Kommentare: Wenn man es doch habe kommen sehen, warum sei es dann nicht zu verhindern gewesen?

Ehrlich gesagt langweilen mich diese Debatten inzwischen. Denn die Wahrheit ist ziemlich simpel, ebenfalls keine Überraschung und doch brutal, wenn man sie zu Ende denkt: Unser Bildungssystem ist genau wie viele andere Bereiche unserer Gesellschaft und der öffentlichen Verwaltung (man denke nur an die Corona-Meldemoral der Gesundheitsämter oder die Impfterminvergabe) schlicht nicht agil.

Das hat eher mit kulturelle denn mit finanzielle Gründen zu tun: mit Traditionen, liebgewonnenen Abläufen, dem Widerstand gegen Veränderungen. Die Schulen, die Schulverwaltung und die Bildungspolitik sind da nichts Besonderes, sondern – wie eigentlich fast immer – ziemlich typisch für den Zustand unserer Gesellschaft. Damit ist nichts über die rühmlichen Ausnahmen gesagt, all die Schulen und Lehrkräfte, die Behördenmitarbeiter und, ja, auch die Bildungspolitiker, die ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Steffen Prowe | Mo., 04.01.2021 - 16:05
Danke für die "Agilität". Darin steckt die einzige (?!) Option, dieses Land aus dem Corona-Schlamassel positiv herauszubringen. Unter radikalem Abschneiden alter Zöpfe. Was aber bedeutet, dass wir alle in der Bildung tätige Personen den Mut haben müssen, einfach neu zu denken und zu handeln. Gerade das ist aber die Herausforderung. Und immens schwierig, wenn man neben begrenzten Ressourcen (eigene WoManpower, IT-Infrasturktur, mangelnde Digitalisierung überall) auch noch GEGEN andere eigentlich Mitstreiter arbeiten muss. Gerade dort wäre es aber für die Bildungs-Politiker*innen (positive Ausnahmen die ostdeutschen Wissenschaftsministerinnen Bettina Martin und Manja Schüle --> https://www.jmwiarda.de/2020/11/24/viel-platz-für-neue-ideen/ ) angebracht und gut durchsetzbar, von Lehrplänen/Prüfungsformaten/Vorgaben abweichen ...

#2 -

Scholz-Kluge, Mona | Mo., 04.01.2021 - 16:54
Vielen Dank für Ihre Überlegungen. Ich bin selbst Lehrerin und Mutter von fünf Kindern. Sie sprechen mir aus dem Herzen. Es fehlt an Menschen, die Verantwortung übernehmen. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Das Herauslavieren der Entscheidungsträger ist das Eine, deshalb sollten wir an den Schulen immer wieder sein Selbstverständnis überprüfen. Wie können wir in der Schule unseren Gestaltungsspielraum nutzen? Ich sag immer: soll die Verwaltung erstmal kommen und sagen wie es besser gehen kann! Wir haben unseren eigenen Kopf zum DENKEN.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Bildung und Wissenschaft: Was wird 2021 wichtig?

Bildung und Wissenschaft: Was wird 2021 wichtig?

Seit 2016 starte ich mit einem bildungs- und wissenschaftspolitischen Ausblick ins neue Jahr. Blicke ich auf meine Prognosen zurück, entdecke ich, welchen Vorlauf viele unserer heutigen Probleme hatten. Und wage für 2021 trotzdem keine Vorhersagen. Dafür habe ich einen Haufen Fragen.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

KMK-Schalte: Was die Kultusminister nach dem 10. Januar an den Schulen vorhaben

Am Montagvormittag berät die Kultusministerkonferenz zur Situation der Schulen, wenn der Lockdown weitergeht. Es zeichnen sich erste Linien ab.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Wann machen die Schulen wieder auf?

Je näher die Entscheidung der Regierungschefs zu einer möglichen Lockdown-Verlängerung rückte, desto heftiger wurde in den vergangen Tagen auch über Kitas und Schulen diskutiert. Eine Zusammenstellung wichtiger Äußerungen, Ankündigungen und Vorschläge.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Warum es richtig ist, den Shutdown zu verlängern

Warum es richtig ist, den Shutdown zu verlängern

Was sich derzeit überhaupt über die Entwicklung der Corona-Pandemie sagen lässt. Warum Bund und Länder gut daran tun, anstatt Lockerungen heute weitere Verschärfungen zu beschließen. Und schließlich: Was das alles für Kitas und Schulen bedeuten könnte. Eine Analyse.


  • Artikelbild: In Teilen enttäuschend

In Teilen enttäuschend

Der Shutdown wird verlängert bis Ende Januar. Warum viele der beschlossenen Maßnahmen richtig sind – und warum doch gefährliche Inkonsequenzen bleiben.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Unehrlich und kontraproduktiv

Erst beschließen die Regierungschefs: Die Schulen bleiben den ganzen Januar zu. Kurz darauf sagen die ersten Ministerpräsidenten: vielleicht doch nicht. So beschädigt die Politik sich selbst, den Shutdown und auch das Ziel offener Bildungseinrichtungen.