Krach im Wald
Wie der Streit um einen neuen forstwissenschaftlichen Studiengang Hochschulen und Waldbesitzer in Wallungen versetzt – und was das mit Gruner & Jahr und dem GEO Magazin zu tun hat.

Foto: lefteye81 / Pixabay.
DIE FORSTWISSENSCHAFT spricht schon von einer historischen Stunde. "Nach meiner Kenntnis hat es einen solchen sichtbaren Schulterschluss aus allen forstlichen Hochschulen und Universitätsfakultäten bisher noch nie gegeben", verkündet Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.
Reichlich Pathos für eine Pressemitteilung, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Unterzeichner kommen aus Dresden, Eberswalde, Erfurt, Freiburg, Göttingen, München, Rottenburg und Freising-Weihenstephan. Auf drei Seiten protestieren sie gegen "Unterstellungen" und "ein falsches und sehr unvollständiges Licht", das da gerade in aller Öffentlichkeit auf die forstakademische Ausbildung geworfen werde. Und dann gehen sie zum Angriff über: Eine externe Einflussnahme "durch die Förderung von Stiftungsprofessuren, die mit der Auflage verbunden ist, einen neuen Studiengang einzurichten und dessen inhaltliche Ausrichtung vorgibt, lehnen wir... grundsätzlich ab."
Was ist da los in einem Fach, das sonst kaum einmal für Schlagzeilen sorgt? Warum geht der Erregungspegel nicht nur an den Hochschulen hoch, sondern auch unter vielen Waldbesitzern? Die Antwort ist zugleich eine Mediengeschichte.
Vor gut zwei Wochen hat Gruner & Jahr mitgeteilt , dass sein Magazin GEO "einen Impuls für nachhaltige Forstwirtschaft setzen" wolle. Dafür solle ein neuer Bachelor-Studiengang für "ökologische Waldwirtschaft" mit zwei bis drei Stiftungsprofessuren ins Leben gerufen werden. "Zur Zeit sprechen wir mit möglichen Förderern, es gibt schon konkrete Interessensbekundungen von mehreren großen Stiftungen, die die Wichtigkeit des Themas ähnlich hoch einschätzen wie wir und sich finanziell und auch mit Fachkompetenz einbringen möchten", wird GEO-Chefredakteur Jens Schröder zitiert. Ein Standort und ein Startpunkt stünden noch nicht fest.
Von der "Waldakademie" zum Hochschul-Studiengang?
Dafür aber die Mission: Die GEO-Redaktion wolle sich mit dem ...
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Kommentare
#1 - Ich kenne die Akteure nicht und bin fortwissenschaftlich…
Dafür ist wahrscheinlich maßgeblich verantwortlich, dass es dem Fach hinsichtlich Ressourcen ganz gut geht. Sieht man dort wahrscheinlich nicht, wenn man die Akteure darauf ansprechen würde. Ansonsten wäre man aber vielleicht gesprächsbereiter. Muss man den staatlichen Hochschulen ...
#2 - Sowohl die Homepage der Waldakademie von Peter Wohlleben…
Das Buch von Peter Wohlleben habe ich vor einigen Jahren mit großer Spannung gelesen. Ab der Hälfte überwog dann aber bei mir deutlich die Skepsis ob der beschriebenen zielgerichteten Handlungen der Bäume, sozialen Verbünde und des geplanten Vorgehens. Wenn ein Sämling auf dem verrottenden Stamm eines Altbaums keimt, dann ist das eben kein aktives sich um den Nachwuchs kümmern. Ich kann die Skepsis der neun Hochschulen - von wem auch immer geäußert - ...
#3 - Meine Ansicht: Wenn ein Unternehmen aus dem…
#4 - Wenn sich doch nur ein Mediator in den Konflikt einklinken…
um die Wogen etwas zu glätten und ein Aufeinanderzugehen zu bewirken.
Das wäre wirklich ein Traum!
Die Hochschulen sind angepisst, weil indirekt folgender Vorwurf verstanden wird:
"Die Hochschulen sind nicht modern und lehren keine echte ökologische Waldwirtschaft."
Mich begeisert der geplante Bachelor auch nicht sonderlich. U.a. wegen des populistischen Beigeschmacks lasse ich mich zu dem Gedanken verleiten: "Och nöö, muss das jetzt sein?"
Aber ich kann der Meldung auch zweierlei abgewinnen:
a) Inspiration!
b) Selbstkritische Frage: Ist meine forstliche Tätigkeit und Beratung zeitgemäß?
Sicherlich kann an vielen Schrauben noch ...
#5 - Peter Wohlleben hat aus seinem esoterisch angehauchten…
Studenten sollten schon eine Ausbildung auf dem Stand der aktuellen Wissenschaft erhalten. Abgesehen davon sind die Vorwürfe Unsinn, weil man z.B. in Göttingen und Freiburg sehr wohl auch naturschutzorientierte Waldbewirtschaftung lernen kann, was die zahlreichen Abgänger, die jetzt im Waldnaturschutz arbeiten belegen. Das Geschäftsmodell Wohlleben (der im Übrigen kein Wissenschaftler ist) taugt nicht für die Hochschullehre.
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