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Bitte nicht die Kinder!

Teile der Gesellschaft drängen schon wieder Richtung Schulschließungen – und berufen sich dabei auf die jüngsten Corona-Statistiken. Wären wir es den Kindern und Jugendlichen dann nicht zumindest schuldig, uns die Zahlen genauer anzuschauen? Ein Text über Infektionszahlen, Testhäufigkeiten und Positivquoten – und über drängende Fragen statt schneller Antworten.

ZUERST DIE DATEN. Und anschließend ein paar Schlussfolgerungen und Fragen, die sich für mich stellen.

Also: In der vergangenen Kalenderwoche (sie trug die Nummer 10) erreichten die gemeldeten Corona-Neuinfektionen bei den 0- bis 4-Jährigen mit 2.957 den zweithöchsten Stand seit Beginn der Pandemie. Allein seit Mitte Februar (Kalenderwoche 7) verdoppelten sich die Fälle (+115 Prozent).

Bei den 5- bis 14-Jährigen ist mit 6.481 Neuinfektionen der Höchststand von Mitte Dezember (Kalenderwoche 50) noch weit entfernt. Aber auch in dieser Altersgruppe waren die Zuwächse der vergangenen drei Wochen enorm hoch: +107 Prozent. Womit ihre Inzidenz erst zum zweiten Mal überhaupt über der wöchentlichen Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt.

So weit, so vermeintlich eindeutig. Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), bezeichnete den Anstieg bei den Kindern und Jugendlichen seit Mitte Februar in einer Pressekonferenz vergangene Woche folglich als "sehr rasant". Beobachtet würden wieder mehr Ausbrüche in Kitas, sogar mehr als vor Weihnachten.

Parallel zu dem drastischen Fallwachstum stieg allerdings auch die Zahl der getesteten Kinder und Jugendlichen innerhalb der drei Wochen rapide: Bei den 0- bis 4-Jährigen laut RKI-Stichprobe um rund 115 Prozent. Bei den 5- bis 14-Jährigen um 111 Prozent. Und der Anteil der positiv getesteten Kitakinder ging um 0,7 Prozentpunkte auf 5,0 zurück. Der zweitniedrigste Stand aller Altersgruppen. Bei den 5- bis 14-Jährigen betrug der Rückgang der Positivquote seit Mitte Februar sogar 2,1 Prozentpunkte. Mit 7,9 Prozent liegen sie allerdings unter allen Altersgruppen an der Spitze. >>


Wie sich Testzahlen und Neuinfektionen entwickeln

Bild
Artikelbild: Bitte nicht die Kinder!

Quellen: RKI. Gemeldete Neuinfektionen SurvStat@RKI 2.0 (Datenbankabfrage) und Laborbasierte Surveillance von SARS-CoV-2, Wochenbericht vom 16. März 2021 . Zahlen aus den Grafiken extrahiert.


Frappierend: In der vergangenen Woche gab es – mit Ausnahme der zunehmend geimpften Über-80-Jährigen – erneut nur bei den Kindern und Jugendlichen Rückgänge bei den Positivquoten – während diese gesamtgesellschaftlich zuletzt deutlich ...

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Kommentare

#1 -

Th. Klein | Mi., 17.03.2021 - 17:59
Zu recht wird kritisiert, dass die letzten Lockdown-Versuche mangelhaft waren und die derzeitigen Öffnungen vor dem Hintergrund der diskutierten Schließungen auf der anderen Seite unverständlich.



Jetzt mal als Elternteil eines Kleinkindes (im Kindergarten): Man steht derzeit vor der Wahl, eine geschlossene KiTa in Kauf zu nehmen oder sich der Gefahr der Quarantäne des Kindes (als KP1) auszusetzen (mal von der Infektion abgesehen, die auch anders geschehen kann). In beiden Fällen muss ich die Betreuung privat sicherstellen. Aber in zweiten Fall ist die Bewegungsfreiheit sehr stark eingeschränkt, denn wenn das Kind zuhause bleiben muss, ist man ja selbst nicht mehr so ...

#2 -

Andreas Weber | Mi., 17.03.2021 - 18:07
Diese Ausführungen sind nur zu unterstützen. Leider sind alle statistischen Informationen über die Pandemie auch nach einem Jahr noch mangelhaft - wo stecken sich die Leute denn tatsächlich an, wie ist das sozialstrukturell verteilt etc. - und die Kenntnis über statistische Zusammenhänge, wie die Funktion der Inzidenzzahlen von den durchgeführten Tests und was das gemeldet wird (PCR) oder nicht (Schnell/Selbsttests), ist ebenfalls mangelhaft bzw. wird nicht kommuniziert. Das entzieht letztlich allen Diskussionen die Grundlage. Das Instrumentarium ist da - wird aber nicht - oder zu wenig - genutzt. Wie hieß es so schön: "wir hören auf die Wissenschaft".

#3 -

Dr. Oliver Loc… | Mi., 17.03.2021 - 18:20
Absolute Zustimmung, dass wir endlich etwas für die Kinder und Jugendlichen tun müssen - aber in einem derartigen Schnellschuss vor den Osterferien? Welche inhaltlichen oder psychosomatischen Lücken sollen denn geschlossen werden in der kurzen Zeit - absurd.



Stattdessen prognostiziere ich folgendes: Man sehe sich einmal die Meldungen über Quarantänen in Schulen und Kitas in einigen Städten (z.B. des Ruhrgebiets) an und stelle fest, dass zunehmend mehr Schüler*innen aufgrund von Quarantäneanordnungen zuhause bleiben müssen.

Wir brauchen demnach die Schulen gar nicht mehr zu schließen, sie sind bald ohnehin leer nur mit dem Unterschied, tausende Kinder und Jugendliche nunmehr in Quarantäne halten ...

#4 -

Golda | Do., 18.03.2021 - 22:24
NRW, weiterführende Schule im Ruhrgebiet, Schülerschaft sogenannte „sozial Benachteiligte“; also Geringverdiener, Transferleistungsempfänger, viele Geflüchtete oder Menschen, in deren Elternhäusern nicht Deutsch gesprochen wird.

Der Shutdown war für die meisten SuS belastend, viele wohnen beengt, das Wetter war schlecht und Fernunterricht lief zwar recht gut, aber natürlich fehlen ihnen einfach die sozialen Alltagskontakte.

Dennoch beschwerten sich altersübergreifend alle SuS, warum sie gezwungen werden, zur Schule zu kommen. Fernunterricht lief - Gruppenteilung klappt viel schlechter, denn die Lehrkräfte können nicht gleichzeitig Präsenz- und Fernunterricht machen; das gibt das WLAN nicht her.

Die angebliche Sicherheit, die Frau Gebauer postuliert, besteht bloß auf dem ...

#5 -

Working Mum | Fr., 19.03.2021 - 10:29
Volle Zustimmung zur Argumentation im Artikel. Die Lasten der Pandemiebewältigung sind zwischen den Generationen extrem ungleich verteilt. Und wenn nun - was nach den Lockerungen wenig überraschend kommt - die Zahlen steigen, findet sich bei vielen die reflexhafte Forderung, die Bildungseinrichtungen zu schließen. Es gibt ein Recht auf Bildung. Wir müssen uns als Gesellschaft daran messen lassen, ob wir dieses zur Geltung bringen können und wollen.

#6 -

Sarah de Sousa | So., 09.05.2021 - 03:10
Es würde mich sehr interessieren, wie sich die Zahlen, die Sie in diesem Artikel zitieren, weiter entwickelt haben, seit März.

Gibt es die Möglichkeit, dass Sie die Übersicht “Wie sich Testzahlen und Neuinfektionen entwickeln”erweitern?

Über die Quellen des RKI finde ich (bei begrenztem Zeiteinsatz) immer nur die allgemeine Positivrate der Bevölkerung oder die Inzidenzen nach Alter, nicht aber beispielsweise die Postivrate unter Grundschulkindern.

Mit freundlichen Grüßen Sarah de Sousa

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