Direkt zum Inhalt

Mit dem Modell der 70er Jahre gewinnen wir nicht das 21. Jahrhundert

Deutschland hat sich fast trotzig in eine Innovationskrise hineinmanövriert. Die Frage ist nicht nur, wie wir wieder herauskommen. Sondern vor allem, ob wir es überhaupt wollen. Ein Essay als Jahresausblick.

Bild
Artikelbild: Mit dem Modell der 70er Jahre gewinnen wir nicht das 21. Jahrhundert

Foto: form / PxHere.

NEIN, IN DIESE KRISE ist Deutschland nicht abgestürzt. Nicht unversehens abgeglitten, auch nicht irgendwie hineingerutscht. Corona ist nicht schuld daran, so wenig wie der Ukraine-Krieg und seine Folgen. Auf diese Krise hat die Bundesrepublik entschlossen Kurs gesetzt, mit voller Kraft draufgehalten, und bis heute sind viele am Steuer fast trotzig der Meinung, dass mit ihrer Orientierung alles in Ordnung ist. Dass nur irgendwas mit der Welt da draußen nicht mehr stimmt.

Deutschland befindet sich inmitten tiefgreifender wirtschaftlicher Verwerfungen, seine Bürokratie und Infrastrukturen funktionieren immer schlechter, der Sozialstaat wird von der Substanz finanziert. Und anstatt in der Gesellschaft das Gefühl der Dringlichkeit für den lange überfälligen Neustart zu stärken, verbreiten weite Teile der Politik immer noch den Eindruck, es könne doch irgendwie so weitergehen wie bisher, ein paar kleine Updates vielleicht, aber keine Sorge, wir mildern alles ab, und keiner wird am Ende schlechter da stehen.

Vor drei Jahren klang mein Jahresausblick optimistischer

Das klingt Ihnen zu negativ für den Jahresanfang? Recht haben Sie. Ich habe das schon mal anders formuliert. Vor genau drei Jahren war das, als Teil meines Ausblicks auf das Jahr 2020. "Muss Deutschland (sich) neu erfinden?", lautete meine Schlagzeile damals. Ich zitierte unter anderem den SAP-Vorstandssprecher Christian Klein: "Aus purer Angst verpasst Deutschland enorme Chancen", um dann zu konstatieren: "Nein, es stimmt nicht, dass die Deutschen nur noch Skepsis können, nur noch ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Schweizer | Mi., 04.01.2023 - 12:59
Wer wissen will, wie man es besser macht, sollte sich im Ausland umsehen. Die Schweiz z.B. ist viel weiter als die Deutschland AG: Swissnex, STI, Switzerland Innovation, et al. Dazu kommen private Stiftungen. Neil Ferguson zwitscherte neulich, die Schweiz sei das neue Deutschland. Recht hat er.



Aber die Schuld dafür dem deutschen BMF zu geben, verfehlt das Ziel. BMF wie FDP haben die Aufgabe, eine Verschwendung von Steuergeldern zu verhindern. Mittel müssen strategisch und zielgenau eingesetzt werden. Genau das passiert bei SPRIND aber nicht: Der Gründungsauftrag, high risk/ high reward Forschung zu fördern, wird bis heute nicht umgesetzt. Stattdessen spielt ...

#2 -

Detlef Müller-Böling | Mi., 04.01.2023 - 17:30
Danke für diesen wieder einmal so wichtigen und richtigen Beitrag, Herr Wiarda. Ergänzend bzw. akzentuierend:



Ein ganz entscheidender Hemmnisgrund in Deutschland ist der falsch verstandene Datenschutz, wie er beispielsweise in der Pandemie besonders deutlich wurde. Da stand und steht der Schutz der Daten vor dem Schutz von Menschenleben. Angemessene Forschung wurde verhindert, vorhandene Daten konnten nicht genutzt werden und empirische Erkenntnisse mussten aus Großbritannien oder Israel herangezogen werden. Aber auch die gerechte und schnelle Auszahlung von sozialen Hilfen für Geringverdiener oder Studierende ist nicht möglich, weil vorhandene Daten nicht genutzt werden können.

Und das alles, obwohl des Recht auf Leben ...

#3 -

Norbert Esser | Do., 05.01.2023 - 09:48
Herr Wiarda, ihrer Analyse stimme ich zu, möchte aber auf folgende Punkte hinweisen:

Digitalisierung / Datenblindflug - als föderaler Staat mit 85 Mio. Menschen hat D es schwerer als die baltischen Kleinstaaten oder zentral "gesteuerte" Länder. Mit ist nicht bekannt, dass es z.B. in Frankreich besser aussähe.

Sozialstaat - wurde von Schröder reformiert und braucht weitere Reformen. Die Sozialhilfe stellt aber tatsächlich ein permanentes Konjunkturprogramm dar, denn dieses Geld fließt direkt in die Wirtschaft zurück.

Innovationsmodel - deutsche Innovationsstrukturen sind erstklassig. Es mangelt an der Umsetzung. Das ist aber ein Gesellschafts- bzw. Mentalitätsproblem.

Dati / SPRIND - alter Wein in ...

#4 -

Prof. Dr. Nils… | So., 08.01.2023 - 01:16
Interessant ist der Punkt, dass die Anforderung eines 2%-Verteidigungsetats als konkurrierendes Ziel gesehen wird. In den USA wird großzügiger gerechnet und nicht wenig von dem Geld kommt an den Hochschulen direkt als Fördergelder und indirekt als Stipendien für Veteranen an. Während bei uns Zivilklauseln Spielräume einengen fließen in den USA über die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) erhebliche Budgets in Innovationsprojekte.

#5 -

Laubeiter | Di., 17.01.2023 - 13:51
Der Ministerpräsident des einen Bundeslandes, in dem die Partei Die Grünen ihn stellen, bekommt mehr Aufmerksamkeit als die weiteren von SPD, CDU und der Partei Die Linke. Unterstützt dieser Beitrag die Aussagen, mit denen er hier zitiert wird? Die Partei Die Grünen verantwortet im Bundesland NRW Braunkohle als Energiequelle (Niederaussem, Weisweiler, Frimmersdorf, Neurath, vier von Europas zehn größten Kohlendioxid-Emittenten), die Partei Die Grünen verantwortet in der Bundesregierung das Fehlen eines Tempolimits (damit ist Deutschland allein in Europa). Wenn jemand an der Spitze eines Bundeslandes, statt in seinem Verantwortungsbereich Veränderungen durchzubringen, nach Veränderungen ruft, dann frage ich mich, wer soll denn ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Sachsen muss sich entscheiden

Sachsen muss sich entscheiden

Wissenschaft ohne Weltoffenheit ist unmöglich. International erfolgreiche Forschung wollen und gleichzeitig Menschenfeindlichkeit als "Verkürzung" verharmlosen geht daher nicht zusammen.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Die Frage richtig stellen, die Antwort nicht mehr scheuen

Wissenschaft hat ein Problem mit #MeToo und Machtmissbrauch. Schon die Feststellung ist nicht selbstverständlich. Aber was folgt aus ihr für Hochschulen und Forschungseinrichtungen?


  • Artikelbild: Unsere Sitzungen sind es wert

Unsere Sitzungen sind es wert

Seit einem Jahr leitet Kai Gehring den Bundestagsausschuss für Bildung und Forschung. Im Interview spricht er über die Wirkmächtigkeit des Parlaments, Ministerin Stark-Watzinger, angeschobene und aufgeschobene Ampel-Vorhaben  – und dicke Luft im Ausschuss.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Wenn schon verglichen wird, dann bitte fair

Wenn schon verglichen wird, dann bitte fair

Warum der "Kerndatensatz Forschung" nichts nur für statistische Feinschmecker ist, sondern allen in der Forschung den Arbeitsalltag erleichtert: ein Interview mit Simone Fulda über unnötige Zeitverschwendung, die Qualität von Daten und den Kampf gegen die Kommerzialisierung.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Irgendwann ist das auch Ihr Skandal, Frau Ministerin

Hat die Fraunhofer-Gesellschaft Spesen nicht korrekt abgerechnet? Ein ehemaliger FDP-Staatssekretär drängt jetzt die amtierende FDP-Forschungsministerin zur Veröffentlichung des Prüfberichts – und erhebt neue Vorwürfe.


  • Artikelbild: Pokern um die Zukunft von SPRIND

Pokern um die Zukunft von SPRIND

Wann kommt endlich das versprochene Freiheitsgesetz für die Bundesagentur für Sprunginnovationen? Deren Chef Rafael Laguna sagt: dieses Jahr – oder er will gehen. Steht das Finanzministerium von Christian Lindner auf der Bremse?