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Warum Hochschulen jetzt eigene Sprachmodelle hosten sollten

ChatGPT und Co sind eine Herausforderung für das Lernen und Lehren. Und eine einmalige Chance für die Hochschulen: Wenn sie jetzt selbst zu Anbietern freier Sprachmodelle werden, stärken sie ihre Lehre, Forschung und digitale Autonomie. Ein Gastbeitrag von Benjamin Paaßen.

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Artikelbild: Warum Hochschulen jetzt eigene Sprachmodelle hosten sollten

Benjamin Paaßen ist Juniorprofessor für Wissensrepräsentation und Maschinelles Lernen an der Universität Bielefeld und Senior Researcher im Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Foto: Studio Monbijou.

SEIT ZEHN JAHREN forsche ich zum Einsatz von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Bildung – bislang ein Nischenthema, denn die Digitalisierung in der Bildung, von Künstlicher Intelligenz ganz zu schweigen, schreitet hierzulande nur langsam voran . Im Jahr 2023 konnte ich mich plötzlich vor Vortrags- und Interviewanfragen kaum retten: ChatGPT war über das deutsche Bildungssystem hereingebrochen, und nun wünschte man sich seitens der KI-Expert*innen Einordnung und Rat.

Mein Eindruck aus all diesen Gesprächen und Begegnungen: Lehrende und Lernende sind sich im Wesentlichen einig, dass es keinen Sinn ergibt, Sprachmodelle wie ChatGPT (englisch: large language models oder LLM) zu verbieten. Zum ersten, weil ein solches Verbot ohnehin nicht durchsetzbar wäre, denn es gibt bis dato keinen verlässlichen Weg, Erzeugnisse von LLM ...

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Kommentare

#1 -

Edith Riedel | Fr., 26.01.2024 - 11:07
BITTE nicht noch eine von den Hochschulen selbstgestrickte Lösung für Aufgaben, die mit den Tools kommerzieller Anbieter problemlos und vor allem professionell gelöst werden können. Ich möchte erinnern an HISinOne, selbstgebastelte Alternativen zu SAP, hochschulstart.de und Konsorten. Das klappt nicht! Auch dann nicht, wenn ein Professor meint, er hätte da mal wieder die ultimative Lösung und sei cleverer als der Rest der Welt...

#2 -

Tobias Denskus | Fr., 26.01.2024 - 11:33
"Ziel sollte es sein, in jedem Bundesland mindestens eine Hochschule zu finden, die frei lizensierte LLM für alle Hochschulen und Schulen im Bundesland bereitstellt." Ach Gottchen, also 16 neue ChatGPTs...genau so ein Quatsch, wie die föderale Entwicklung von Lernplattformen oder Video-Konferenztools...

#3 -

Benjamin Paaßen | Fr., 26.01.2024 - 12:02
Herzlichen Dank für Ihre Rückmeldungen. Ich fürchte, da liegt ein Missverständnis vor. Es geht hier nicht um Software-Entwicklung (auch das ließe sich diskutierten, ist aber hier nicht Kern). Es geht darum, bereits existierende Modelle zu hosten und ggf. im Rahmen von Forschung zu verbessern. Der zutreffende Vergleich mit bisherigen Systemen wären also eher open source-Technologien wie sciebo, big blue button oder moodle einzusetzen statt proprietäre Systeme. Und das wird ja auch an vielen Stellen erfolgreich getan.

#4 -

Marc Mausch | Fr., 26.01.2024 - 12:31
Das Problem ist ja nicht die Auswahl der Software und der Betrieb, sondern der sinnvolle Betrieb. Die Datenbanken und Prozessorleistungen sind atemberaubend hoch. ChatGPT kostet derzeit 700.000 US-$ pro Tag!
Das eigentliche Problem ist also, dass wir hierzu keine ausreichenden Serverfarmen haben. Das ist in der Tat ein grundsätzlicher Mißstand für Europa.

#6 -

Patrick Zauner | Fr., 26.01.2024 - 18:46
@Edith Riedel:

Ich stimme dir insoweit zu, dass die exakte Implementierung nicht immer neu erfolgen sollte. Es braucht gute Frameworks und Tools, um einfach Modelle einzubinden. Nicht jeder muss eine neue Oberfläche erfinden, aber diese selbst hosten zu können und nicht auf OpenAIs Modelle angewiesen zu sein halte ich für essenziell.



Zwar kann es ein Vorteil sein, dass Modelle sich weiterentwickeln und so OpenAI ein leistungsfähigeres Modell bereitstellt, aber darauf ist kein Verlass. Eher wurde die Qualität von ChatGPT-3.5 etwas schlechter - hier hätte man mit selbstgehosteten Modellen einen Vorteil, weil man nicht zum Wechsel gezwungen ist. Ebenfalls sind Ergebnisse ...

#7 -

Marco Winzker | Sa., 27.01.2024 - 12:07
Die Idee ist gut und richtig. Es braucht eine Infrastruktur, ein digitales Ökosystem für Hochschullehre. Frage ist, was gehört dazu und wo kommt es her.



Zum Vergleich, einige andere Tools: Videokonferenz ist Commodity ("Standardware") und mit Teams, Zoom und WebEx sind mehrere gute Anbieter verfügbar. Also nicht nochmal selber entwickeln. Anders bei Learning Analytics und elektronischen kompetenzorientierten Prüfungen. Das ist recht spezifisch für Hochschullehre, sollte gefördert werden und wird es ja auch.



Und wo steht Generative KI? Fakt ist, Hochschulen und Studierende brauchen bezahlbaren Zugriff. Es gibt mehrere Anbieter, was eher dafür spricht, eine Lösung einzukaufen, am besten mit Rahmenvertrag, ...

#9 -

Bodo Steffen | Mo., 29.01.2024 - 12:41
Es ist sicher absolut notwendig, dass im Bildungssektor eigene LLM entstehen. Ein weiteres Argument wäre auch, dass hier dann die Bedingungen und Regeln für die Nutzung festgelegt und das Outcome zumindest grob gesteuert werden könnten. LLM also in diesem Kontext künftig nach den Regeln spielen, die der akademische Betrieb sich selbst auferlegt.



Allerdings halte ich es zum einen für wenig sinnvoll wenn Hochschulen nun anfangen je eigene Modelle zu entwickeln und zu betreiben... Zum anderen sollten hier dringend auch die (Universitäts-)Bibliotheken ins Boot geholt werden.



1) Statt eigener Modelle an einzelnen Hochschulen wäre es sicher sinnvoller, eine Art Bildungs-LLM in ...

#10 -

Titus von der … | Mi., 31.01.2024 - 15:26
Danke für diesen Text. Falls sich LLM wirklich als hilfreich in der Lehre herausstellen sollten, müssten wir tatsächlich Lösungen finden, die uns nicht von OpenAI und Konsorten abhängig machen. Allerdings zweifele ich an der Prämisse, dass LLM unbedingt in die Lehre müssen. Zumindest in den Gebieten, in denen ich lehre, redet ChatGPT zum großen Teil vollkommenen Quatsch, der sich aber leider oft total plausibel anhört. Wollen wir den Studierenden wirklich beibringen, sich auch solche unzuverlässigen Quellen zu stützen? Klar, können LLM in manchen Bereichen auch wirklich hilfreich sein, z.B. beim Verbessern von Texten. Aber auch da muss man fragen: Soll ...

#11 -

Anne-Sophie Waag | Mo., 05.02.2024 - 12:44
Vielen Dank Ihnen für diesen Aufschlag und das Aufzeigen von anderen Möglichkeiten neben der schnellen Anbindung proprietärer LLM-Systeme an die (hoch-)schulischen Lernsysteme, wie es aktuell verstärkt passiert.

In diesem Szenario muss eben nichts neu erfunden werden. Hingegen schließen sich Hochschulen der Open-Community an und tragen ihren Teil zur unabhängigen und ethischen Nutzung digitaler Tools bei.

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