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Ist Corona doch nicht schuld?

Die Schülerleistungen in Deutschland sind abgesackt, zeigten PISA und andere Bildungsstudien. Forscher und Politiker machten die Schulschließungen dafür mitverantwortlich. Aber stimmt das auch? Eine neue Untersuchung weckt laut ihren Machern Zweifel.

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Artikelbild: Ist Corona doch nicht schuld?

Bild: Thomas G. / pixabay.

ES IST EIN ERGEBNIS, das für Debatten sorgen wird. Das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) hat die Folgen der Corona-Schulschließungen auf die Lernentwicklung von Mittelstufenschülern untersucht und berichtet nun : Die Einschränkungen der Pandemie-Jahre hätten "keinen negativen Effekt auf die Entwicklung der Mathematikkompetenzen der untersuchten Jahrgänge" gehabt – entgegen "in diese Richtung gehende(r) Vermutungen der jüngsten PISA-Studie und des IQB-Bildungstrends".

Dabei hatten in den vergangenen Jahren auch Politiker, Bildungsexperten und Journalisten (ich ebenfalls) immer wieder vor den Folgen des monatelangen Distanzunterrichts gewarnt und die Bundesregierung bereits 2021 ein Zwei-Milliarden-Programm für Kinder und Jugendliche zum "Aufholen nach Corona" finanziert. 2022 sagte der damalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, es drohten dauerhafte Bildungsrückstände einer ganzen Generation. "Die Defizite, die sich durch Unterrichtsausfall und Fernunterricht in den Corona-Jahren bei vielen Schülern angestaut haben, sind noch immer erheblich."

Bundesbildungsministerin Bettina-Stark-Watzinger (FDP) wiederum sprach Anfang 2023 von " alarmierenden Befunden ", die Spätfolgen reichten von teils großen Lernrückständen bis zu Vereinsamung, psychischen Problemen ...

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Kommentare

#1 -

Emma L. | Mi., 08.05.2024 - 12:08
Wie schön, dass es nun erste wissenschaftliche Belege dafür gibt, was schon lange als Mutmaßung im Raum steht: nämlich, dass Coronamaßnahmen allein den Leistungsabfall in deutschen Schulen nicht erklären können! Vielleicht führt dies sogar zu ersten Einsichten, dass unser individuelles Digitalverhalten ebenfalls einen beträchtlichen Anteil daran haben könnte und das hier staatliches Handeln (Regulierung, Aufklärung, etc.) gefragt sein könnte.

#2 -

Christine | Mi., 08.05.2024 - 12:14
Dass Corona allein als Erklärung für ungünstige Leistungsentwicklungen nicht ausreicht, ist ja unbestritten. Ich habe mir das Paper grade mal angesehen und wundere mich über die Zusammensetzung der Stichprobe: Darin enthalten sind doppelt so viele Gymnasiast*innen wie in der Gesamtpopulation, sehr viele Akademikerkinder und fast keine mit internationaler Biographie. Das scheint mir als Datengrundlage sehr wackelig zu sein, da ja genau diejenigen, die in der Zeit des AUf-sich-selbst-gestellt-Seins ins Hintertreffen geraten sind, hier nicht repräsentiert sind.

#3 -

Aha | Mi., 08.05.2024 - 13:03
@Christine: Sie schreiben 'und wundere mich über die Zusammensetzung der Stichprobe: Darin enthalten sind ... fast keine mit internationaler Biographie.''

Hmm. Der Anteil von Kindern mit 'migration background' in der Studie ist doch relativ hoch.

#4 -

Christine | Mi., 08.05.2024 - 16:24
@Aha: Im Paper steht dazu (interessanter Weise) nichts, der verlinkte Methodological Companion gibt knapp 17% aus. Das scheint mir schon zu wenig zu sein angesichts der in den anderen großen Studien berichteten >30% in der Altersgruppe (ca. 9. Klasse), zumindest hätte ich mir im Paper einen Kommentar dazu gewünscht, wie die Autor*innen das einordnen.

#5 -

Sebastian Zachrau | Fr., 10.05.2024 - 13:27
Das bestätigt meine Erfahrung: die Schüler*innen und Studierende waren überwiegend schon vor der Pandemie völlig apathisch. Von den Unterrichtsinhalten wird der Großteil völlig ignoriert, und die Lehrenden passen ihre Klausuren (+ Benotung) entsprechend an. Deshalb war der digitale Unterricht auch kein besonderer Verlust: man lässt sich eh nur beschallen, ob man zuhause sitzt oder im Klassenraum/Hörsaal. Der einzige Zweck, den Schulunterricht konsequent verfolgt, ist Kinderbetreuung. Dabei könnte man auf 80% der Unterrichtsstunden verzichten, wenn in den restlichen 20% wirklich aktiv gelernt würde. Aber unsere Bildungspolitik kennt immer nur: mehr vom Gleichen! Deshalb ist man nun auch verwundert, dass massiver Unterrichtsausfall ...

#6 -

Michael Felten | Fr., 10.05.2024 - 19:11
Das eine ist, dass die Artelt-Studie gewisse Schwächen hat.

Das andere ist, dass sie eigentlich überflüssig war.

Denn da die Schulleistungen deutscher Schüler bereits seit 2012 sanken, schieden sowohl Pandemie wie auch Migration als alleinige Ursache für den Abstieg aus.

Auszuloten wäre stattdessen der Einfluss der Smartphonekultur, mit ihrer hohen Absorption von Erziehenden wie Kindern und Jugendlichen.

Zu Pandemie, Migration und Inklusion wäre nur zu sagen: Diese Faktoren haben manche ohnehin durch Personalmangel überlastete Lehrkraft vollends niedergestreckt (vgl. Ausstiegsquote).

#7 -

Sven | Do., 06.06.2024 - 10:58
Vielleicht noch ein Vorschlag für weiteres Nachdenken und Forschen: Statt dem ewigen Medien-Bashing (aktuell: Digitalisierung und co.) mal auf die Fakten schauen: Wie viele Schüler*innen werden inzwischen von letztendlich nicht ausgebildeten, sogenannten 'Vertretungslehrer*innen' unterrichtet, die oft über keine oder kaum didaktische und fachwissenschaftliche Ausbildung verfügen?

Das dabei regelmäßig gegen geltendes Schulrecht verstoßen wird (Klassenleitung durch Vertretungslehrer*innen etc.) zeigt eine Studie der Uni Gießen...

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