Warum nicht lernen?
Viele finden es smart, Identitätspolitik als "übertrieben" abzulehnen – auch und gerade in den Feuilletons. Offenbar haben viele noch nicht richtig verstanden, worum es geht. Ein Gastbeitrag von Martin Fritz.

Foto: Kellerabteil , "All Gender Toiletten" , CC BY-NC 2.0 .
GEFÜHLT EINMAL IN DER WOCHE erscheinen derzeit Beiträge in den verschiedensten Medien, in denen auf die unerwünschten Wirkungen und Nebenwirkungen einer "im Prinzip" nachvollziehbaren Identitätspolitik hingewiesen wird.
Mit Identitätspolitik werden grob gesprochen politische Ansätze bezeichnet, die bei Persönlichkeitsmerkmalen ansetzen, die einerseits identitätsbildend aber auch diskriminierungsrelevant sein können. Der Begriff wird also im populären Diskurs meist als Oberbegriff für vielfältige antirassistische und/oder geschlechterpolitische Auseinandersetzungen verwendet. Man denke nur an die hitzige Debatte über die Berücksichtigung eines "dritten Geschlechts" oder die von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ausgelöste Kurzzeitkontroverse über die Repräsentation verschiedener Bevölkerungsgruppen in Anzeigen der Deutschen Bahn ("Welche Gesellschaft soll das abbilden?") .
Während die politische Rechte Identitätspolitik ablehnt (außer für ihresgleichen natürlich) oder diffamiert, erkennt man die gemäßigten Kritiker/innen daran, dass sie die Ansätze der Identitätspolitik einleitend befürworten, um sie dann als "überbordend", "überzogen" oder "irrregeleitet" zu kritisieren. Ein beliebter linker Vorwurf ist dabei, dass der Fokus auf Identität ausblende, dass sich die "wahren" Konflikte weiterhin als soziale Gegensätze manifestieren.
Die Kritiker folgen dem immer gleichen Muster
Solche Beiträge ...
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Kommentare
#1 - Toll, danke für diesen Text - den ich ab jetzt gern in…
Ich möchte aber trotzdem ganz grundsätzlich konstruktiv hinterfragen: Der Text geht davon aus, dass es eine grundsätzlich "richtige"/"gute" Art im Umgang mit Alltagssituationen gibt, die Identitätspolitik berühren, und eine "falsche"/"nicht gute". Unklar ist aber für mich, wie dies festgelegt wird und von wem.
Mir scheint da am wichtigsten zu sein, was auch sonst in vielen politischen Fragen in einer pluralen Demokratie am wichtigsten ist, nämlich die Maximierung der Freiheitsgrade für alle. Darauf zahlt natürlich zu allererst die Diskriminierungsfreiheit ein und deswegen unterstütze ich die ...
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