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Worte wie aus einer anderen Welt

Ist das Einwerben von Forschungsfördergeldern wirklich ein "Prostituierungsphänomen der Wissenschaft", wie ein Göttinger Professor gesagt hat? Eine Replik von Daniel Graewe.

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Artikelbild: Worte wie aus einer anderen Welt

University of California at Berkeley (links), Altes Auditoriengebäude der Universität Göttingen. Fotos: "University of California, Berkeley" / Daderot - cco ; "Altes Auditoriengebäude der Uni Göttingen" / Illustratedjc - CC BY-SA 4.0 .

UNTER DER "GEFÜHLTEN Temperatur" versteht man die wahrgenommene Temperatur, die von der tatsächlichen Lufttemperatur abweichen kann, etwa weil es windig ist oder eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Es gibt auch eine "gefühlte Entfernung", die von der tatsächlichen Entfernung abweicht, etwa weil der Weg besonders steil oder man vom bereits zurückgelegten Weg schon erschöpft ist.

Heute beträgt die tatsächliche Lufttemperatur in Berkeley 30 Grad Celsius, die gefühlte Temperatur liegt mit 33 Grad Celsius nur leicht darüber. Die tatsächliche Entfernung nach Göttingen beträgt gut 9.000 Kilometer, die gefühlte Entfernung liegt normalerweise deutlich darüber; nur nicht heute. Heute ist Göttingen noch viel weiter entfernt.

Den Grund dafür bildet ein Artikel, der schon vor ein paar Tagen erschienen ist , aber aufgrund der großen Entfernung erst heute seinen Weg auf den Campus der University of California gefunden hat. Darin wird der Göttinger Theologieprofessor Thomas ...

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Kommentare

#1 -

tmg | Mi., 25.09.2019 - 10:41
Herr Graewe ist sichtlich beeindruckt von der Institution Berkeley mit ihren für Nobelpreisträger reservierten Parkplätzen, in der er sich dank eines Stipendims für ein Weilchen aufhalten darf, und man erfährt so einiges über Temperaturen, das Blau des Himmels und die Gebäudefarbe in Berkeley. Darüberhinaus erfahren wir im Grunde nur noch wie hoch Grundgehälter von Professoren und Schulden von Absolventen an US-amerikanischen Eliteuniversitäten sind, dass diese Professoren Drittemittel einwerben weil sie es können (also nicht müssen?) , dass es aber einen schlechten Eindruck macht, wenn sie keine Drittmittel einwerben, und - zuguterletzt - dass die deutschen Universitäten zwischen einem rebellierenden Kirchenhistoriker ...

#2 -

Frankie | Mi., 25.09.2019 - 11:26
Der erste Kommentar hat meine Gedanken beim Lesen schon exakt auf den Punkt gebracht. Gratulation an Herrn Graewe, dass er in den Zirkeln unterwegs ist, die er als die einzig angemessenen ansieht.
Eine mehr inhaltlich gelagerte Replik auf die Kritik aus Göttingen wäre trotzdem noch interessant.

#3 -

kaum | Mi., 25.09.2019 - 11:42
Man kann ja von dem Beitrag in der Tat halten was man will, aber zentral ist doch das Argument: Interessante, förderungswürdige Forschung. Drittmittel als Anerkennung für Leistungsfähigkeit.



Wichtiger m.E. wäre noch das Argument: Wer will heutzutage ohne Drittmittel überhaupt noch adäquat forschen können? Wer verdient eine von den Bürgern bezahlte Professorenbesolung mit entsprechender Pension wenn er/sie einen Teil seines/ihres Auftrags (Forschung) nicht ordentlich erledigen kann, weil er/sie keine Drittmittel hat. Für einige Fächer, die sich durch geringen materiellen Aufwand und wenig Arbeitsteilung auszeichnen, mag das noch gehen, aber in allen anderen nicht mehr.

#4 -

Mannheimer Studi | Mi., 25.09.2019 - 12:21
Ich kann die Schelte für diesen Artikel nicht nachvollziehen. Ebenso wenig wie ich die verlotternde Sprache der Ewiggestrigen gegenüber unserem modernen Wissenschaftssystem nachvollziehen kann.

Wer argumentativ auf Probleme der Drittmittelkultur für die Unabhängigkeit der Forschung hinweisen möchte soll das tun und ggf. meine Zustimmung ernten. Wer jedoch Drittmittel pauschal als Prostitution abtut hat jegliches Maß verloren.

#5 -

Th. Klein | Mi., 25.09.2019 - 13:22
Sich "prostituieren" zu müssen, um forschen zu können, würde bedeuten, dass man als ProfessorIn ohne Drittmittel gar nicht mehr forschen könnte. Dies ist m.E. schlicht falsch. Insbes. als Kirchenhistoriker kann ich mich in mein Kämmerlein zurückziehen, um mich mit denjenigen Fragen zu beschäftigen, die mich interessieren. Dies ist nicht ressourcenintensiv, auch wenn sich jeder zusätzliches Personal wünscht, um größere Projekte zu machen oder entlastet zu werden. Sowohl die Wissenschaftsfreiheit als auch die Hochschulregeln geben einem Professor/einer Professorin noch immer genug Spielraum dafür (8-9 SWS, Freisemester etc.), auch wenn W3 nicht so großzügig ist wie die Gehälter in Berkeley.

#6 -

R. Joachim | Sa., 28.09.2019 - 19:57
Die Debatte (exemplarisch in Göttingen) ist m.E. ziemlich festgefahren. Man sollte vielleicht mal in Ruhe nachlesen,
was man über viele Themen findet bei George Turner "Hochschulreformen - eine unendliche Geschichte seit den
1950er Jahren" (1988).

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