Worüber Professoren sich Gedanken machen
Wie steht es um die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland? Eine Umfrage unter Hochschullehrern fördert spannende Ergebnisse zu Tage. Manche Antworten sind überraschend, andere einfach nur verwirrend.
ALSO WAS DENN NUN? Sollten uns die Ergebnisse der Umfrage, die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und Deutscher Hochschulverband (DHV) da in Auftrag gegeben haben, nun sorgen oder nicht? Und wenn schon sorgen, inwiefern eigentlich? Weil es überhaupt Wissenschaftler gibt, die sich in ihrer Wissenschaftsfreiheit eingeschränkt fühlen? Oder weil einige dieser Wissenschaftler bemerkenswerte Vorstellungen von dem haben, was alles auf dem Campus erlaubt sein sollte – und was nicht?
Zunächst ein paar Daten. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat rund 6000 Hochschullehrer angeschrieben, die meisten davon Professoren, letztere zufällig ausgewählt und damit für die Gesamtheit der Professoren in Deutschland repräsentativ. Gut 1100 der 6000 haben sich befragen lassen: zur von ihnen wahrgenommenen Forschungsfreiheit an deutschen Universitäten, auch im internationalen Vergleich, zum Meinungsklima und zu "Faktoren, die die Forschung erschweren". Bislang liegt nicht die Studie als Ganzes vor, sondern nur eine Präsentation mit ausgewählten Ergebnissen – was die Einordnung erschwert.
Den Wissenschaftlern fehlt die schöpferische Muße
93 Prozent der Befragten sagten demzufolge, nach ihrer Einschätzung herrsche in Deutschland "viel" oder "sehr viel" Wissenschaftsfreiheit. Lediglich vier Ländern – der Schweiz, Dänemark, Norwegen ...
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Kommentare
#1 - Wie passt das damit zusammen, dass Hochschullehrende stets…
und eine Rückfrage: Bezieht sich die Studie nur auf Unis? Denn Profs an HAWs machen ja wesentlich mehr Lehre selbst.
#2 - @bregalnica: Gute Frage. Zur Rückfrage: Nur Uniprofs und…
Viele Grüße!
Ihr J-M Wiarda
#3 - Wenn von 6000 zufällig ausgewählten nur noch 1100…
Bin gespannt auf eine hoffentlich stattfindende Veröffentlichung der Daten.
#4 - Gibt es zu dieser Studie auch eine Aufschlüsselung nach…
#5 - Da gäbe es sicher einige Ergebnisse der Umfrage zu…
"Was in den Keller ging, war das Engagement für die Lehre: von 42 auf 27 Prozent, während parallel das formale Lehrdeputat stieg und die Zahl der Studenten nach oben schoss. Unter Druck scheint sich nochmal deutlicher zu zeigen, wo die wahren Prioritäten der meisten Hochschullehrer liegen."
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, auch wenn mich die Aussage an sich nicht überrascht. Dabei möchte ich feststellen, dass Profs primär für die Lehre aus Steuergeldern alimentiert werden. Immerhin ...
#6 - Die spekulative Schlussfolgerung "Offenbar sind viele…
Die grundgesetzliche Meinungsfreiheit ist eine positive Freiheit, jede Person darf (fast) alles öffentlich sagen, was sie "meint". Aber im akademischen Umfeld sollten Erkenntnisse verbreitet werden, und dafür ist die grundgesetzliche Wissenschaftsfreiheit zuständig. Diese ist aber eine "einschränkende" Freiheit: Als Erkenntnis sollte nur gelten, was bestimmten (wissenschaftlichen) Kriterien genügt. Wenn Forschende dann meinen, dass z.B. Klimawandel "auf dem Campus" nichts zu suchen haben, machen sie damit stark, ...
#7 - Ist in der Befragung tatsächlich von "Klimaleugnern" die…
Dies soll keine Wortklauberei oder Rechthaberei darstellen, es macht tatsächlich einen Unterscheid, auch und gerade in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung.
Wenn jemand tatsächlich ernsthaft die Existenz des Klimas bzw. mehrerer, vieler verschiedener Klimata (oder doch Klimas? zu Deutschkenntnissen vgl. letzter Blog-Beitrag) leugnen wollte , bräuchte und sollte man ihm den Mund auch nicht (zu) verbieten, das erledigt sich von selbst.
Gerade ...
#8 - @Dr. med. Wurst: Das mit dem "wiarda-typisch" nehme ich mal…
#9 - @Klaus Diepold: Das, was man sich auf der Zunge zergehen…
#10 - Vielen Dank für die Darstellung der Ergebnisse und die…
Zwei Anmerkungen:
1.) Die quantitative Sozialforschung/Umfrageforschung leidet m.E. immer darunter, dass die Ergebnisse sehr von der Art der Fragestellung und - wie hier gut gezeigt ('Political Correctness') - Wortwahl abhängen. Es gibt einfach Begriffe, die sehr positiv oder sehr negativ besetzt sind und gegen die man kaum argumentieren kann.
2.) Erstaunlich ist immer, dass Bürokratie und Verwaltung so hoch anteilig und negativ gewertet wird, nur als etwas, was eine Professorin/einen Professor vom Eigentlichen (= Forschung, manchmal auch Lehre) abhält. Denn gleichzeitig steigt das Prestige mit jedem Mitarbeiter, mit der ...
#11 - JW schrieb: "Nicht irgendwelche Aktivisten von außen.…
Da nur aktive Professoren und Profesorinnen befragt wurden, sind diese Ergebnisse erwartbar. Diese Menschen sind seit langer Zeit in der öffentlich finanzierten Wissenschaft tätig und haben diese zum einen mitgestaltet und somit dazu beigetragen, dass sie so ist, wie sie jetzt ist. Und zum anderen sind sie diejenigen, die sich mit den dort vorherrschenden Denkweisen arrangieren können - Andersdenkende würden sich eher nach anderen Tätigkeiten umschauen. Mehr Aufschluss bringen würde daher eine Befragung derjeningen, die die Wissenschaft verlassen haben, ...
#12 - Interessant. Aber würde man die FH-Profs fragen, sähe das…
#13 - 41 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen die befragten…
Der Mehraufwand für Bürokratie (u.a. Drittmittelanträge, Gutachten) wird also dadurch kompensiert, dass im entsprechenden Ausmaß in der Lehre "gekürzt" wird.
Überrascht dies irgendjemanden beim gegenwärtigen Incentivesystem des Wissenschaftsbetriebes?
#14 - Die von David J. Green und JTK angesprochene Schieflage bei…
#15 - @ Klaus Diepold: Gute Frage. Ich halte diese neue…
#16 - @LiberalerMag sein, dass die Voldemort-Organisation nicht…
Mag sein, dass die Voldemort-Organisation nicht die erhofften Ergebnisse zeitigen wird. Time will tell. Allerdings können die Ergebnisse, die der Stifterverband mit seinem Förderprogramm erzielt hat schon als Fingerzeig gelten. Dabei ging es nie um Systemänderungen, weil das nicht im Rahmen der Möglichkeiten des Stfterverbandes oder auch der Toepferstiftung liegt. Aber man kann schon die Wirkung von alternativen Anreizsystemen prüfen, wenn auch nur in kleinem, da privaten Rahmen.
Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass wir an den Hochschulen wieder über Lehre sprechen und diskutieren. Das ist nicht viel, aber schon mal ein Schritt vorwärts.
Das BMBF muss sich bei ...
#17 - @LiberalerNach einem ersten Blick auf die Person Dominic…
Nach einem ersten Blick auf die Person Dominic Cummings und dessen, war dieser Herr so von sich gibt, bin ich nicht der Meinung, dass wir uns mit Blick auf die weitere Entwicklung unseres Bildungssystems in Dtld. an diesem "Boris Johnson"-Berater unbedingt orientieren sollten. Für meinen Geschmack geht das weit über "frisches" Denken hinaus und klingt meist nach übler Pöbelei. Not Like.
#18 - @Klaus Diepold"Aber man kann schon die Wirkung von…
"Aber man kann schon die Wirkung von alternativen Anreizsystemen prüfen, wenn auch nur in kleinem, da privaten Rahmen."
Wirklich? Wissenschaftler wechseln häufig die Universität und sollen das auch tun. Wer sich an "kleine, private" (will sagen: bloß lokale) Änderungen anpasst, riskiert viel.
"Das BMBF muss sich bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für gute Lehre an Hochschulen auch nichts vorwerfen lassen, das ist immerhin Sache der Länder."
Die Anreizsysteme für Forschung, Lehre, Karrieren und vermeintliche "Exzellenz" sind interdependent. Und ist die Toepfer-Aktion etwa kein Bund-Länder-Projekt?
"Für meinen Geschmack geht das weit über "frisches" Denken hinaus und klingt meist nach ...
#19 - @Klaus Diepold"Ein Fehler in diesem Kontext mag sein, dass…
"Ein Fehler in diesem Kontext mag sein, dass Hinz und Kunz glaubt, dass mehr Professoren für ein wichtiges Thema bedeutet, dass die dann dort auch mehr Innovationen (im Sinne von kommerzialisierbarer und wettbewerbsfähiger Technik) erzeugen."
Volle Zustimmung. Forschung wird mit Innovation verwechselt. Input mit Output. Innovationsforscher mit innovativen Forschern. Entrepreneurship-Forscher mit unternehmerischen Forschern. Und so fort. Alles elementare Fehler. Aber leider bezeichnend für das Niveau, auf dem staatliche wie private Innovationsförderer in Deutschland arbeiten.
#20 - @Liberalerdie irrtümliche Assoziation zwischen…
die irrtümliche Assoziation zwischen Wissenschaft und Innovation ist kein typisch deutsches Phänomen. Die ganze EU-Förderung hängt an dieser Vorstellung, inkl. UK und inkl. Sattelberger.
Ich schätze durchaus die Wirkung, die konstruktive Querdenker erzeugen können (siehe Gunter Dueck). Was ich nicht gut heisse sind Querulanten (wie Cummings), die primär viel "Umstürzlerisches" von sich geben, aber weder in der Lage noch Willens sind dafür Verantwortung zu übernehmen. Ich wünsche mir auch mehr Mut bei Veränderungsprozessen, habe aber auch lernen müssen, dass Menschen in der Masse keine (sprunghaften) Veränderungen wollen. Am Ende ist das auch eine Geschmacksfrage.
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