Zwei Wege, ein Ziel
Viele Hochschulen in Deutschland ringen um die "richtige Governance". Hinter den Auseinandersetzungen verbergen sich zwei sehr unterschiedliche Verständnisse wissenschaftlicher Produktion. Beide haben ihre Berechtigung, müssen sich aber auch gegenseitig anerkennen. Ein Gastbeitrag von Carola Jungwirth.

Foto: Gerd Altmann / pixabay - cco.
FÜR DEUTSCHE UNIVERSITÄTEN gilt das Prinzip der Freiheit von Forschung und Lehre eines jeden Professors und einer jeden Professorin. Sie ist grundgesetzlich gesichert und wirtschaftlich mit dem Beamtenstatus für Hochschullehrerinnen und -lehrer verbunden. Beide Faktoren macht die "kreative Erneuerung" möglich, für die die Wissenschaft in Deutschland steht.
Obwohl damit die Eckpfeiler der Führung an Hochschulen feststehen, entsteht Streit: Wie stark darf oder muss eine Hochschulleitung über die strategische Positionierung der Hochschule und damit über die Verteilung von Ressourcen entscheiden können? Grob lassen sich zwei Seiten in diesem Streit unterscheiden. Die einen lehnen Entscheidungsrechte der Hochschulleitung ganz grundsätzlich ab. Instrumente einer optimierten Ressourcenallokation erscheinen ihnen nicht notwendig. Die anderen fordern starke Entscheidungsrechte für die Hochschulleitung. Sie sehen diese Rechte als Voraussetzung für eine leistungsfähige und damit konkurrenzfähige Universität.
Die Produktionssysteme der Wissenschaft
Die Unterschiede in den Perspektiven resultieren ganz wesentlich aus den unterschiedlichen Produktionssystemen, in denen Forschung und Lehre je nach Disziplin betrieben werden. Zwei Merkmale unterscheiden diese Systeme fundamental: Erstens kommt es darauf an, ob die wissenschaftlichen Ergebnisse arbeitsteilig oder individualistisch erzielt werden. Arbeitsteilig ist ein Produktionssystem, wenn Forschung vorrangig im Team beziehungsweise mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betrieben ...
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Kommentare
#1 - "Damit die Hochschulen von inneren Gegensätzen nicht…
Klingt gut, hat aber mit der Realität nichts zu tun: Seit Jahrzehnten zwingen Politik und Hochschulleitungen (sowie die HRK als Lobbyorganisation der Hochschulleitungen) deutschen Geistes- und Sozialwissenschaftlern untaugliche Strukturen auf, nämlich Verbundforschung wie sie allenfalls in den Naturwissenschaften sinnvoll ist (aber auch dort geht Deutschland international betrachtet einen Sonderweg). Die "Exzellenzinitiative" hat alles nur noch schlimmer gemacht.
Das wird auch so bleiben, weil die Anreize natürlich so liegen, dass Hochschulleitungen mitnichten neutral sind, sondern die ...
#2 - Sorry, aber das ist ein typischer Beitrage einer…
Forschung ist in manchen Fächern sehr kostspielig, in anderen weniger kostspielig. Geld brauchen alle Fächer. Auch ein Philosoph brauch Bücher, ein Mathematiker häufig Hochleistungscomputer. Dennoch ist "Forschung" nur bedingt "planbar". Denn ihr Sinn ist eine prinzipielle Offenheit für Neues. Wie viel Forschung schlicht daneben geht - und somit die tatsächliche Zahl der gelungenen oder nicht gelungenen Allokation ermittelbar ist, bleibt deshalb außer Acht - und ...
#3 - Es ist immer wieder schade, wenn Missstände im…
Es wird angesprochen, dass ein Mathematiker und eine Biologin ganz unterschiedliche Voraussetzungen haben, was Mittelverteilung individuell oder im Team angeht, was völlig korrekt ist. Gerade ein Biologe benötigt etwa auch weitaus mehr Sachmittel als ...
#4 - @PNP: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Um ihn…
Beste Grüße Ihr Jan-Martin Wiarda
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