Direkt zum Inhalt

Gebetsräume: Lernt von den Kölnern!

Geht es Ihnen auch so: In den vergangenen Wochen war gefühlt mehr von Gebetsräumen an Universitäten die Rede als in den zehn Jahren vorher. Mit ziemlich lauter Medienbegleitung hat die TU Dortmund ihren überkonfessionellen "Raum der Stille" und die Uni Duisburg-Essen ihren Gebetsraum für Muslime geschlossen. In Dortmund, weil einige der dort betenden Muslime offenbar eine Geschlechtertrennung hatten durchsetzen wollen (siehe hierzu den Briefwechsel zwischen Rektorat und Befürwortern des "Raumes der Stille"); in Essen, berichtet die Lokalpresse, sei es ähnlich gewesen, dort sei sogar während des Freitagsgebets regelmäßig ein Aufzug blockiert worden. Die Universität selbst verwahrt sich allerdings gegen solche "Gerüchte" und begründet die Schließung mit einer anstehenden Sanierung. Fest steht: Blättert man die mediale Berichterstattung zu beiden Fällen durch, wird einem schnell schaurig angesichts der Mischung von ehrlicher Empörung und unterschwelliger Pauschalverurteilung.

Wirklich problematisch erscheint mir, dass die TU Berlin ihren ausschließlich für Muslime vorgesehenen Gebetsraum ebenfalls schließt – offenbar ohne dass es einen berichtenswerten Konflikt gab. Auch eine Sanierung steht nicht an. Die Begründung von TU-Präsident Christian Thomsen: Er sei der Meinung, dass Hochschulen und Religion voneinander getrennt sein sollten. Außerdem gebe es mittlerweile ausreichend Gebetshäuser, auf die die Studenten ausweichen könnten. Die ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Josef König | Di., 08.03.2016 - 14:12
Lieber Jan-Martin,

ich habe nachgedacht, ob ich überhaupt mich hierzu kritisch äußere - lohnt es sich? Und doch, ja, es ist wesentlich! Denn ich bin völlig konträr zu der hier geäußerten Meinung. Sie zeigt, dass wir in Deutschland noch nicht oder gar nie die Trennung von Kirche und Staat schaffen werden. Dein Text hier ist wieder ein Beispiel dafür - unter dem Deckmantel des Humanismus und der Völkerverständigung.

Aber schauen wir mal dahinter: Wozu sind Unis da? Sie sind Stätten der Forschung und der Lehre - und seit Mitte der 70er Jahre auch noch des Transfers von Forschung in die ...

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 08.03.2016 - 17:33
Lieber Josef,



vielen Dank für Dein Feedback. Puh - das sind die ganz großen Schlagworte: Theokratie, die säkularisierte Gesellschaft verteidigen etc. Ich verstehe Deine Argumente und glaube, Deine Sorgen nachvollziehen zu können, aber ich teile sie nicht. Nur ein Beispiel: Die Tatsache, dass die Ausbildung evangelischer und katholischer Pfarrer an unseren Universitäten läuft, ist eine große Errungenschaft und ermöglicht eine Theologie, die ganz anders in wissenschaftliche Diskurse eingebunden ist. Genau darum bin ich auch Unterstützer islamischer Theologie-Professuren an deutschen Hochschulen. Wir brauchen Einbindung, wir brauchen die Kommunikation, wir brauchen kein Aufspalten in getrennte Welten. Und diese Position entspricht ganz sicher ...

#3 -

Josef König | Di., 08.03.2016 - 18:26
Lieber Jan-Martin,

inwiefern ist es eine Errungenschaft, wenn für jede Professur in der Katholischen Theologie das nihil obstat vom Papst in Rom ausgesprochen werden muss, oder dass die Besetzung einer Evangelischen Theologie-Professur von der zuständigen Landeskirche genehmigt werden muss - also beide Theologien nicht berufen dürfen, wen sie wollen (ich habe beide Fälle erlebt) - diese Frage wäre zu stellen!. Und wie kommt es, dass der erste islamische Prof in Münster an den islamischen Verbänden gescheitert ist, weil er ihnen nicht genehm war?

Du sprichst von Einbindung und Kommunikation - das verstehe ich sehr gut und bin auch dafür - ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Johanna Wanka, Axel Meyer und die Genderforschung

Heute nur ein kurzer Eintrag. Am Mittwochabend habe ich ein Streitgespräch zwischen Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und dem Konstanzer Evolutionsbiologen Axel Meyer moderiert. Meyer hat ein Buch mit dem plakativen Titel "Adams Apfel und Evas Erbe" geschrieben. Seine These: Frauen und Männer unterscheiden sich in Hinblick auf ihre Begabungen.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Nida-Rümelin und der Akademisierungswahn: Er meint es ja gar nicht so

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet von einem Treffen zweier Philosophen auf der Bildungsmesse didacta vor zwei Wochen. Der eine heißt Julian Nida-Rümelin und hält seit zwei Jahre mit regelmäßigen Wortmeldungen die Debatte vom "Akademisierungswahn" geschickt am Köcheln.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Exzellenzinitiative: Worauf sich die Minister am Dienstagabend verständigt haben

Die Wissenschaftsminister aus Bund und Ländern haben am Dienstagabend eine Teileinigung in Sachen Exzellenzinitiative erzielt. Demnach soll die Zahl der Exzellenzcluster künftig bei 45 bis 50 liegen, die jährliche Förderung pro Cluster soll sich in einer Bandbreite zwischen drei und zehn Millionen Euro bewegen, inklusive Programmpauschale.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Wir haben ein Integrationsproblem. Aber anders, als viele denken

Viel ist in den vergangenen Monaten von Medientabus die Rede gewesen. Berichten wir Journalisten ausreichend über das Fehlverhalten einiger Flüchtlinge und Migranten, über ihre Anpassungsschwierigkeiten und Bildungsdefizite, oder verharmlosen wir aus welchem Motiven auch immer die Situation? Waren es vergangenes...


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

So geht es weiter mit der Exzellenzinitiative

Es war eine Marathonsitzung von über 12 Stunden, doch am Ende haben die Wissenschaftsstaatssekretäre aus Bund und Ländern Dienstagabend die Einigung geschafft – und zwar gleich doppelt: Die Eckpunkte der Exzellenzinitiative stehen, und auch beim Tenure-Track-Programm gab es einen Durchbruch.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Schluss mit der Akkreditiererei?

Haben Sie was gemerkt? Am Freitag hat das Bundesverfassungsgericht (BVG) eine Entscheidung verkündet, die unser Hochschulsystem verändern wird. Ich habe (Stand Sonntagnachmittag 18 Uhr) mal gegoogelt und kaum eine Zeile dazu gefunden. Zumindest in ihren Samstags- und Sonntagsausgaben haben sich die großen Zeitungen nicht an das Thema herangetraut.