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Die Wissenschaft wird es schwer haben, sich gegen die Logik der Politik zu behaupten

In Frankreich gehört sie zu den führenden Hochschulforschern, in Deutschland saß sie in der Strategiekommission des Wissenschaftsrats zur Exzellenzinitiative. Jetzt übt Christine Musselin heftige Kritik an der Neuausrichtung des Wettbewerbs.

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Artikelbild: Die Wissenschaft wird es schwer haben, sich gegen die Logik der Politik zu behaupten
Christine Musselin, Vizepräsidentin des Sciences Po (Foto: privat)

Frau Musselin, Sie haben 2012 die eingereichten Zukunftskonzepte begutachtet. Was halten Sie von der Neuausrichtung des Wettbewerbs in Form der von Bund und Ländern beschlossenen Exzellenzstrategie?

Zunächst einmal: Die Langfristigkeit des Wettbewerbs ist ein großer Fortschritt, damit wird die eingeschlagene wissenschaftspolitische Richtung beibehalten. Wenn ich mir allerdings die Architektur der neuen Förderlinien anschaue, bin ich weniger überzeugt.



Wie meinen Sie das?



Da ist zum einen die Entscheidung, die Förderlinie zu den Graduiertenschulen nicht fortzusetzen. Mir ist bewusst, dass die Politik da den Empfehlungen der internationalen Expertenkommission folgt. Nur will mir die Logik nicht einleuchten. Sind die Graduiertenschulen gescheitert? Nein. Die strukturierte Promotion ist in Deutschland glücklicherweise auf dem Vormarsch. Sind die Graduiertenschulen so erfolgreich, dass keiner sie mehr braucht? Nein. Die große Mehrheit der deutschen Doktoranden promoviert immer noch individuell. Und die Tatsache, dass es in Deutschland insgesamt viele, womöglich zu viele Doktoranden gibt, kann man nun ...

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Kommentare

#1 -

Klaus Diepold | Mo., 14.11.2016 - 10:40
Ich lese immer wieder, so auch im jetzigen Beitrag hier, dass Graduiertenkollegs die Promotion in Deutschland voranbringen würden. Offenbar ist die "Individualpromotion" so von Problemen beladen und so zum Nachteil der Wissenschaft sowie der DoktorandInnen, dass sie abgelöst werden muss zugunsten einer "strukturierten Promotion". Das impliziert, dass eine Individualpromotion unstrukturiert sei. Ich kann nur einen kleinen Teil der Wissenschaft sehen und deshalb ist mein Blickwinkel stark eingeschränkt, aber ich denke nicht, dass die Individualpromotion im Bereich der Ingenieurdisziplinen einen so radikalen Umbau erfordert. Die Doktoranden werden normalerweise vernünftig mit einer sozialversicherungspflichtigen Anstellung versehen, als junge Wissenschaftler behandelt und nicht im ...

#2 -

Klaus Diepold | Mo., 14.11.2016 - 10:50
Ich sehe die Schaffung von immer größer werdenden Verbünden in Forschung für nicht zielführend. In diesem Punkt gebe ich Frau Musselin Recht.

Die oft gewünschte höhere Vernetzung von Wissenschaftlern über die eigenen Fachgrenzen hinweg erzielt man damit nicht wirklich. Fachübergreifendes Kooperationsvermögen ist das langfristige Resultat von gezielter Personalauswahl und wird nicht durch institutionelle Randbedingungen (Verbünde) erzielt, die lediglich die Vielfalt der Forschung einschränken Das erscheint mir wie der Unterschied zwischen dem Prozess der "Zucht" im Vergleich zur "Evolution".



Vielfalt in der Forschung ist nicht gleichbedeutend mit klein-klein, sondern erlaubt das Denken und Handeln jenseits vom Mainstream. Verbünde führen zur Bürokratisierung, ...

#3 -

eine Wissensso… | Mi., 16.11.2016 - 13:08
"Zumal jeder im Grunde genau weiß, welche Universitäten in Deutschland die wirklich herausragenden sind." Eine sehr französisch geprägte Feststellung und mitnichten richtig. Das hängt von der Disziplin ab, vom Studienprogramm oder vom Forschungsgegenstand. Universitäten sind nicht herausragend. Das was in ihnen getan wird ist herausragend. Dieser Fetisch mit Realabstraktionen hat der Hochschulsoziologie noch nie gut getan.

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