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Endlich! Aber...

Auf eine eigene Förderorganisation für die Lehre haben wir lange gewartet. Aber was braucht sie, um ein Erfolg zu werden? Vier Thesen von Frank Linde und Marco Winzker.

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Artikelbild: Endlich! Aber...

Grafik: Gerd Altmann / pixabay - cco.

SIE WÄRE EIN NOVUM in der hochschulischen Bildung, und dieses Novum wird zum ersten Mal greifbar: eine bundesweite Förderorganisation für Innovationen in der Lehre, deren Gründung die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern beschlossen hat. Zehn gemeinsame Jahre bei Lehre hochn , dem Bündnis für Hochschullehre, zusammen 35 Jahre Lehrerfahrung an Hochschulen, die Leitung von Qualitätspakt-Projekten und viele, viele Gespräche bei der Begleitung von Professorinnen und Professoren lassen uns sagen: "ENDLICH! Aber..." Vier Thesen, wie die Förderorganisation erfolgreich werden kann.

1. Lehrinnovation ist mehr als Projektförderung

Unsere gemeinsame Erfahrung lehrt uns zugleich: Wenn die geplante “Organisationseinheit für Innovationen in der Lehre” ein Erfolgskonzept werden soll, wird es nicht ausreichen, einfach irgendeine Organisation zu finden, die Ausschreibungen administriert und Projekte verwaltet. Die zentrale Herausforderung sehen wir weniger in der Entwicklung der einzelnen Innovationen in der Lehre als vielmehr in ihrer Verbreitung, ihrer Implementierung über die ganze Breite von Disziplinen und Hochschulstandorten hinweg.

Denn damit innovative Projekte kein Strohfeuer bleiben, müssen sie über ...

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Kommentare

#1 -

Nicole Auferko… | Di., 18.06.2019 - 14:12
Vielen Dank für diese Thesen! Ich möchte sie gerne unterschreiben. Soll innovative Lehre sichtbar werden, dann sollte sie auf den Fluren der Hochschulen Gesprächsthema werden und bleiben.

Die Herausforderung einer Organisationseinheit für Innovationen in der Lehre besteht im Kern darin neue Förderformate zu realisieren, die einerseits Lehrende motivieren ihren Ideen zur Weiterentwicklung der Lehrpraxis Raum zu geben und zugleich die Hochschulen fördern, die Lehrende hierbei unterstützen. Zehn Jahre Qualitätspakt haben gezeigt, dass strukturelle und strategische Verankerungen von Lehr-Lernkonzepten Entwicklungsräume brauchen, die individuell und organisationell über den Hörsaal hinausgehen.

Innovative Lehr-Lernkonzepte entfalten so ihre Breitenwirkung.

#2 -

Tobias Seidl | Di., 18.06.2019 - 14:35
Als Beispiel für gelungene Netzwerkbildung könnte aus meiner Sicht auch noch das Hochschulforum Digitalisierung ergänzt werden.
Wichtig wäre jetzt vor allem schnell ins Handeln zu kommen und den Rahmen für die neue Organisation zu definieren.

#3 -

Andreas Fritsch | Di., 18.06.2019 - 15:55
Genau!!! System- statt Einzelförderung stärken, reines Projektdenken überwinden und die Ausstrahlung von "Leuchttürmen" auf andere Fachbereiche und Hochschulen immer im Blick haben - dann können Lehren und Lernen insgesamt gewinnen! Ergänzen möchte ich noch: "One size doesn´t fit all!", also bitte spezifische Förderung für profilierte Lehre!

#4 -

Marko Heyner | Di., 18.06.2019 - 18:00
Auch aus Sicht der Tutorienarbeit sind die angeführten Punkte zutreffend. Tutorinnen und Tutoren gehören zu den Lehrpersonen (und sind gleichzeitig Lernpersonen), sie sind hochschuldidaktisch aktiv und an Innovationen beteiligt. Gleichzeitig sind ihre Partizipationsmöglichkeiten tlw. begrenzt, weshalb sich die Tutorienprogramme der Hochschulen und das Netzwerk Tutorienarbeit für das Thema einsetzt. Wir bringen uns als Netzwerk gern ein in eine Vernetzung der Netze.

#6 -

Klaus Diepold | Mi., 19.06.2019 - 11:30
Vielleicht können wir den Begriff "Innovation" korrekt verwenden, d.h. wenn eine neue "Lehr-Idee" in der Unterrichtspraxis implementiert und anschließend weitreichende Akzeptanz findet, dann sprechen wir von einer "Lehr-Innovation", sonst ist es nur eine Idee oder ein Experiment.



Ich denke, dass die Erfahrungen, die im Rahmen der Aktivitäten des Stifterverbandes gesammelt wurden an dieser Stelle von großem Nutzen sein können. Da kann man schon mal sehen, welche Stellschrauben angefasst werden müssen, um Wirkung zu erreichen.



Wichtiger Erfahrungswert aus den bereits laufenden, privaten Initiativen ist, dass die Vernetzung der Lehrpraktiker und der Austausch zwischen ihnen von essentieller Bedeutung ist. Vernetzen ist wichtig.

#7 -

Katrin Girgensohn | Mi., 19.06.2019 - 14:19
Danke! Dem Beitrag stimme ich aus vollem Herzen zu, alle vier Thesen finde ich sehr richtig.

Als Schreibwissenschaftlerin habe ich mich besonders über dieses Beispiel gefreut: "Nicht in jedem Modul muss Schreibkompetenz gefördert werden, aber wenn sie in keinem Modul berücksichtigt wird, fehlt etwas."

Alle, denen der Aspekt Schreiben beim hochschulischen Lehren und Lernen wichtig ist, möchte ich an dieser Stelle auf das Positionspapier "Schreibkompetenz im Studium" der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung (gefsus) hinweisen (https://gefsus.de/component/osdownloads/download/general/positionspapier-2018.html). Die gefsus ist übrigens ein weiteres bewährtes Netzwerk, in dem Akteur*innen des hochschulischen Lehrens und Lernens seit Jahren produktiv in speziellen Interessengruppen zusammen arbeiten ...

#8 -

Steffen Prowe | Mi., 19.06.2019 - 16:00
Danke!! Diese Erfahrung über Lehre-hoch-n, dass über Status-/Funktions-/Typen-übergreifendes Lernen und Lehre gesprochen wird und Handlungsoptionen präsent sind, macht es so wertvoll. DIESES Aufbrechen von Strukturen ist einer der effektivsten Schlüssel Innovationen in die Lehre einfließen zu lassen und auch im Fluß zu halten. Mein besonderer Fokus sind hierbei die Studierenden. Denn ohne deren Partizipation als eigentliche Adressanten eines Studiums/einer Ausbildung bleibt der Fokus unscharf. Dass die Brennweite von heute immer nur eine Sicht auf wenige Jahre erlaubt (in der Zukunft ändert sich viele was wir aber i.d.R. nicht wissen können), bedingt konsequenterweise ein beständiges "Change-Management" für Lernen und Lehre. Also ...

#9 -

David J. Green | Mi., 19.06.2019 - 18:18
"Und die Hochschulleitung verantwortet die Verteilung der Ressourcen, damit eine erfolgreich beurteilte Lehrinnovation verstetigt werden kann.": Wenn es nur so einfach wäre! In Wirklichkeit aber ist die hierfür zuständige Grundfinanzierung viel zu knapp bemessen. Darunter leiden sowohl neu entwickelte Lehrinnovationen als auch jene altbekannten erprobten Lehrmethoden, die einfach auf kleinere Gruppen setzen.

#10 -

Peter Riegler | Mi., 19.06.2019 - 22:42
Ich stimme Klaus Diepold zu, dass wir streng zwischen Lehr-Innovation und Lehr-Experiment unterscheiden sollten. In meiner Erfahrung haben es Implementationen von Lehr-Innovationen schwer sich in Wettbewerben gegen Lehr-Experimente durchzusetzen. Jurys und Geldgeber haben eine fast natürliche Präferenz für das Neue und nicht für das bereits Bewährte. Das ist ein echter Innovationshemmer! Auch der Qualitätspakt Lehre fällt unterm Strich wohl leider in diese Kategorie.



Dass die „altbekannten erprobten Lehrmethoden“ auf kleine Gruppen setzen, ist zum Glück nicht vollkommen korrekt. Beispielsweise wurden einige inzwischen bewährte und mehrfach als effektiv nachgewiesene Lehrmethoden dediziert für große Gruppen entwickelt (u.a. Peer Instruction, Just in Time ...

#11 -

Klaus Diepold | Do., 20.06.2019 - 02:23
@Peter Riegler

gibt es einen Link oder Referenz auf die von Carl Wieman vorgeschlagene Initiative, wo man das nachlesen kann?



Ergänzend möchte ich noch darauf hinweisen, dass es in Universitäten, insbesondere in den "exzellenten" Einrichtungen einen Wettbewerb gibt um Zeit, Ressourcen, Aufmerksamkeit und Reputation mit dem Thema "Forschung". Hochschulleitungen sind nicht die richtige Adresse sich um Lehrinnovation zu kümmern oder diese zu finanzieren. Das geht nur in FHs/HAW oder kleinen Unis, soweit ich das sehen kann.



Ich sehe klar, dass wir den einzelnen Lehrenden "empowern" müssen sich für Lehrinnovationen einzusetzen so dass sich das auch in einem nicht näher spezifizierten ...

#12 -

Peter Riegler | Do., 20.06.2019 - 08:58
Science Education Initiative: https://www.colorado.edu/sei/
Carl Wieman Science Education Initiative: http://www.cwsei.ubc.ca/

Lesenswert ist der Abschlussberich: Wieman, C. (2017). Improving how universities teach science: Lessons from the science education initiative. Harvard University Press.

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