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Souverän Finanzquellen verbaut

Die NRW-Hochschulen freuen sich, dass die Regierung auf Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende verzichtet. Die Gegenfinanzierung ist bei genauem Hinsehen allerdings ernüchternd. Und leider nicht untypisch.

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Artikelbild: Souverän Finanzquellen verbaut

Foto: martaposemukel / Pixabay - cco.

ES WAR EIN Coup. Nordrhein-Westfalens parteilose Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen verkündete vorvergangene Woche, dass sie ein Versprechen des schwarz-gelben Koalitionsvertrags nicht erfüllen wird – und erhielt dafür jede Menge Beifall. "Nach reiflicher Überlegung" habe sich die Landesregierung entschieden, doch keine Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer einzuführen, teilte Pfeiffer-Poensgen mit.

Zum Ausgleich für die entgangenen Einnahmen, versprach Pfeiffer-Poensgen, sollten die Hochschulen aber gut 50 Millionen zusätzlich an sogenannten "Qualitätsverbesserungsmitteln" erhalten. Deren Rektoren zeigten sich "erleichtert", attestierten der Ministerin gar "souveränes Regierungshandeln."

Souverän war jedenfalls, wie Pfeiffer-Poensgen die 50 Millionen als Kompensation verkaufte, obwohl sie den Hochschulen als Teil des Bund-Länder-"Zukunftsvertrags" ohnehin zugestanden hätten. Die Absage an die Studiengebühren bedeutet für die so erfreuten Hochschulen also in Wirklichkeit empfindliche Budgeteinbußen.

Pfeiffer-Poensgens Schwenk kam mit Ansage; im Gegensatz zum Koalitionsvertrag hatte sie persönlich die Einführung immer von einer vorherigen "sorgfältigen Prüfung" der Erfahrungen in Baden-Württemberg abhängig gemacht. Dort ist das Studium für internationale Studierende seit 2017 kostenpflichtig. Es habe sich gezeigt, dass die "Kosten-Nutzen-Relation" nicht klar zu beziffern sei, auch aufgrund der ...

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Kommentare

#1 -

Klaus Diepold | Mo., 09.12.2019 - 13:10
die Versprechungen des bayerischen Ministerpräsidenten beziehen sich meinem Verständnis nach auf die Forschung. Ob, und wenn ja wieviel die Lehre davon profitiert ist noch unklar.

Habe in Canada gerade gelernt, dass dort das operative Budget der Unis ca 50% aus Studienbeiträgen finanziert wird. Das beinhaltet nicht das Forschungsbudget.

#2 -

Karla K. | Mi., 11.12.2019 - 16:34
Lieber Herr Wiarda,



ich schätze die Ausrichtung vieler Ihrer Kommentierungen, so bin ich Ihnen hier auch sehr dankbar dafür, dass Sie die finanztechnische Trickserei von Isabel Pfeiffer-Poensgen klar als eben solche benennen.



Ich bin aber auch jedes Mal irritiert, wenn Sie sich wieder für (allgemeine) Studiengebühren stark machen, und Sie darin eine/die rettende Finanzquelle für die Hochschulen sehen.



Erstaunlich finde ich auch bei dieser Diskussion die Begründungslinie bzw. den Verweis darauf, dass demnächst die Schuldenbremse gelten wird - als würde es sich alternativlos zwischen "Schulden" oder "Studiengebühren" entscheiden.



Es gäbe so viele Möglichkeiten, auf der Einnahmenseite für ein Plus zu ...

#3 -

Mannheimer Studi | Do., 12.12.2019 - 13:35
Der Vorschlag den Hochschulen eine Studienprämie durch die einstellenden Unternehmen finanzieren zu lassen, halte ich nicht für ganz geglückt. Die Intention ist klar, aber ein unerwünschter Nebeneffekt wäre eine Verzerrung in den Personalentscheidungen: Der Vorschlag setzt konkret einen Anreiz weniger Hochschulabsolventen einzustellen, was ceteris paribus zu suboptimalen Produktionsentscheidungen führen wird.



Besser wäre es wie schon erwähnt eine neue Priorisierung der Staatsausgaben zugunsten der Hochschulen vorzunehmen. Neue Einnahmen kann man natürlich auch generieren, und das widerspricht auch der Schuldenbremse nicht und das geht auch ohne das oben angesprochene Problem.

#4 -

Karla K. | Do., 12.12.2019 - 22:26
Lieber Mannheimer Studi,



hier wäre ich für eine Übersetzung (und dann vermutlich auch für eine Begründung) dankbar: "Der Vorschlag setzt konkret einen Anreiz weniger Hochschulabsolventen einzustellen, was ceteris paribus zu suboptimalen Produktionsentscheidungen führen wird."



Inwiefern sind (welche?) Verzerrungen in den Personalentscheidungen zu erwarten?



Das mit der Prämie ließe sich auch hervorragend an die Entwicklungen der vergangenen Jahre anpassen:



Es gibt eine Grundprämie (bspw. die 5.000 Euro), und die erwartete Qualität der Absolvent*innen schlägt sich in einem spezifischen Faktor nieder:



Absolvent*innen von Exzellenzuniversitäten kosten das 3fache der Prämie.



Absolvent*innen von Universitäten mit wenigstens einem Exzellenscluster kosten das 2fache der Prämie.



Absolvent*innen ...

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