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Die gefährliche Reproduktion der Einseitigkeit

Weil ihr Mainstream nur eine einzige Theorie akzeptiert,

scheitert die Volkswirtschaftslehre an sich selbst.

Auf die großen Herausforderungen unserer Zeit kann sie keine angemessenen Antworten finden. Ein Gastbeitrag von

Sarah Neuffer und Laura Porak.

DIE CORONA-PANDEMIE ist eine gesundheitspolitische Krise, die mit dem Wirtschaftssystem nichts zu tun hat: So ließ sich der vergangenes Jahr erschienene Sonderbericht des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zusammenfassen. Kurz und griffig – und komplett einseitig.

Die Analysen des Sachverständigenrats zur wirtschaftlichen Entwicklung sollen sowohl wirtschaftspolitische Entscheidungsträger*innen als auch die breite Öffentlichkeit in Deutschland informieren. Dadurch stellen die "Wirtschaftsweisen" das einflussreichste ökonomische Beratungsgremium dar. In seinem Bericht zur Pandemie werden das Coronavirus und die Pandemie als externer Schock dargestellt, der die Gleichgewichte auf Finanz-, Arbeits- und Gütermarkt erschüttert. Die Pandemie erscheint also für den Mainstream – dem vorherrschenden Paradigma in der Volkswirtschaftslehre – als "Angebots- und Nachfrageschock", da das Angebot an Arbeitskräften oder die Nachfrage nach Konsumgütern einbrechen.

In diesem Bild ist die Wirtschaft ein von Gesellschaft und Ökosphäre getrenntes System. Doch lässt sich mit dieser Perspektive auf Wirtschaft das gesamte ökonomische Geschehen in der Covid-19-Pandemie wirklich erklären? Und lassen sich auf Basis dieser Analysen adäquate Maßnahmen ableiten, um ...

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Kommentare

#1 -

Th. Klein | Di., 26.01.2021 - 15:56
Ich bin völlig fachfremd. Bei mehreren tausend Studierenden und mehreren hundert Professor:innen scheint dies unfassbar. Aber gehört habe ich davon schon früher. Zwei Punkte dazu:

a) bei Ansätzen, die sich marxistische politische Ökonomie, feministische oder ökologische Ökonomie nennen, fällt es nicht schwer, sich Akzeptanzprobleme vorzustellen.

b) viel problematischer ist das Phänomen freilich in sog. Kleinen Fächern mit ca. 10-20 Professuren und einigen hundert oder max. 2.000 Studierenden in Deutschland.

#2 -

McFischer | Fr., 29.01.2021 - 10:03
@Th. Klein

Ja, ich bin auch fachfremd... aber denoch eine Replik:

@a) In der Philosophie wird Marx weiterhin gelesen/gelehrt, die Nachhaltigkeitsforschung verbindet natürlich Ökonomie und Ökologie (und das ziemlich erfolgreich) und die Frage von Geschlecht/Gender und Ökonomie ist ein ziemlich relevantes, weites Feld (Gender-Pay-Gap etc pp). Ich kann nicht sehen, warum es hier per se Akzeptanzprobleme geben sollte (dass diese aktuell in der Lehr- und Forschungsrealität der VWL vielleicht vorhanden sind, kann kein Argument sein).

b) Nicht unbedingt - gerade auch in kleineren Fächer kann es sehr fruchtbare (oder auch furchtbare) Diskussionen und Widersprüchen zwischen verschiednen Schulen geben - bis ...

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