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Die Folgen einer schiefen Debatte

Die Krankenhäuser füllen sich wieder mit alten Menschen, und viele in Politik und Medien zeigen sich überrascht. Wie kann das sein? Und wie konnte es überhaupt so weit kommen? Ein Kommentar.

ES IST EIN ERSTAUNLICHES ERWACHEN. Nachdem viele Politiker und Medien monatelang vor allem über Kinder und Jugendliche in der Pandemie diskutiert haben, stellen sie erschrocken fest: Die Krankenhäuser laufen erneut mit älteren und zu einem großen Teil mit sehr alten Patienten voll . Von denen noch dazu viele geimpft sind. Was keineswegs gegen die Impfungen spricht.

Aber sehr wohl dafür, dass die so lange schiefe Debatte Folgen hatte. Vor allem den Älteren wurde seit dem Frühjahr ständig suggeriert, mit der Impfung sei die Pandemie für sie faktisch erledigt. Obwohl alle Daten zeigten, dass über 60-Jährige Geimpfte zwar ein deutlich verringertes Risiko haben, sich mit dem Coronavirus anzustecken, und noch deutlich seltener ernsthaft erkranken – aber eben nur im Vergleich zu ungeimpften Gleichaltrigen. Im Vergleich zu ungeimpften Kindern und Jugendlichen müssen sie häufiger ins Krankenhaus, und mit zunehmendem Abstand von der Zweitimpfung steigt auch ihre Anfälligkeit für eine Infektion wieder stark an. >>


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Kommentare

#1 -

A.Franke | Mi., 03.11.2021 - 10:34
Wenn ich lese, dass die Krankenhäuser wieder "voll laufen" mit sehr alten(!) Menschen, dann frage ich mich eher, welches Verständnis eine Gesellschaft vom Ende eines Lebens hat, das dieses als verhinderbar wertet und dieses offenbar um jeden Preis verhindern will, was naturgemäß unmöglich ist. Vulgo: Sehr alte Menschen sterben und wenn man sie fragt, wollen sie gewiss keine intensivmedizinische Behandlung, sondern im Kreis ihrer unmaskierten Liebn gehen dürfen. Ich bin wirklich froh, dass wir den wahrscheinlich qualvollen Tod meiner Mutter unter diversen medizinischen Eingriffen verhindern konnten. Mehrmals mussten wir eingreifen, denn im Krankenhaus wäre alles Mögliche, aber bei einer fast ...

#2 -

Annette Tuffs | Mi., 03.11.2021 - 13:53
Es sind wahrlich keine neue Erkenntnisse, dass das Immunsystem mit dem Alter immer schwächer wird, der Impfschutz mit der Zeit nachlässt und ständig neue Virusmutanten auftreten. Ohne eine Systemänderung stolpern wir weiter durch die Pandemie(n). Deutschland braucht dringend eine fachkundige, politikunabhängige Institution, die für Infektionsforschung, Pandemiepläne, Empfehlungen und ihre öfentliche Kommunikation zuständig ist. Und einen permanenten bundesweit agierenden nationalen Krisenstab, der klare Ziele definiert und für eine konsequente Umsetzung sorgt, durch Gesetze und Verfahrensanweisungen im Gesundheitswesen. In diesem Winter wird es wieder eine Flickschusterei mit tödlichen Versäumnissen geben ...

#3 -

C.Fischer | Do., 04.11.2021 - 10:25
Vielen Dank, Herr Wiarda, für diese wieder sehr treffende Analyse und den Kommentar von A.Franke, dem ich voll umfänglich zustimme. Wir haben die gleichen Erfahrungen gemacht-insgesamt eine völlig schiefe gesellschaftliche Debatte und ein Versagen der Institutionen. Allen voran der Ethikrat.

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