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Sattelberger tritt überraschend zurück

Der parlamentarische Staatssekretär im BMBF nennt "gesundheitliche und persönliche Gründe". Fehlte ihm der politische Rückhalt?

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Artikelbild: Sattelberger tritt überraschend zurück

Thomas Sattelberger im Paul-Löbe-Haus in Berlin.Foto: Wolfgang Maria Weber.

ES IST EIN PAUKENSCHLAG. Der parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Thomas Sattelberger (FDP), hat heute Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger um seine Entlassung gebeten. Das bestätigte das Ministerium.

Sattelberger selbst verwies auf "gesundheitliche und private Gründe". Es sei für ihn ein Punkt erreicht gewesen, "an dem ich eine Entscheidung treffen musste. Sie ist mir nicht leichtgefallen." Er werde auch sein Mandat als Bundestagsabgeordneter aufgeben.

Stark-Watzinger sagte, sie bedaure Sattelbergers Rückzug außerordentlich. Er habe als Staatssekretär starke Impulse insbesondere für Forschung, Innovation und Transfer gesetzt.

Der Schritt Sattelbergers kommt völlig überraschend. Er könnte dafür sprechen, dass Sattelberger im Ministerium oder in der Regierungskoalition nicht mehr den nötigen Rückhalt für seine ambitionierten Vorhaben sah. Allerdings wirkte der 72-Jährige auf viele Beobachter zuletzt tatsächlich gesundheitlich angeschlagen. Womöglich war es am Ende genau die Kombination von beidem, die den Ausschlag gab für Sattelbergers Entscheidung. Der ehemalige Spitzenmanager ist für seine Konsequenz bekannt.

Kurz vor Sattelbergers Rücktritt stellte der Haushaltausschuss neue Bedingungen für die DATI

Einen möglichen aktuellen Anlass gab es gestern. Da hatte die von Sattelberger vorangetriebene Gründung

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Kommentare

#1 -

Jens Körner | Fr., 20.05.2022 - 20:40
Was für eine Enttäuschung dieser Rückzug von Thomas Sattelberger und völlig unerwartet. Was oder wer hat ihn wirklich aus dem Amt getrieben? Sollte er wirklich ernste gesundheitliche Probleme haben wäre diese Entscheidung vollkommen nachvollziehbar. Dafür beste Genesungswünsche. Andere Gründe sind zum jetzigen Zeitpunkt kaum nachvollziehbar. Er war bis vor wenigen Stunden in seiner Funktion noch voll aktiv!

#2 -

Forschungsfreak | Sa., 21.05.2022 - 12:19
Auch ich halte gesundheitlichen Gründe für plausibel und wünsche gute Genesung! Wem allerdings die EFI ins Stammbuch schreibt, "Agenturen sind kein Allheilmittel", mit nachgereichter ausführlicher Begründung, was am DATI-Konzept schief ist, und das dann nicht zum Anlass nimmt, innezuhalten und nachzudenken - der mag frischen Wind bringen, ist aber trotzdem beratungsresistent. Dafür dann noch dreistellige Millionenbeträge einzuplanen, die gar nicht so schnell verteilt werden können, schon weil die DATI erst noch geschaffen und aufgebaut werden muss, zeugt auch nicht von Weitsicht. Von daher verbinde ich mit diesem Abschied Hoffnung auf einen verbesserten Neustart. (Wie wenig auch immer meine Meinung zählt.)

#3 -

Zaungast | Sa., 21.05.2022 - 13:45
Da ist der Falsche zurückgetreten. Für die enttäuschende Arbeit der Agentur SPRIND ist in erster Linie der Geschäftsführer verantwortlich, Rafael Laguna de la Vera. Wenn ein Geldgeber nach drei Jahren eine Evaluation und Neuausrichtung fordert, ist das eine klare Ansage an den Gründungsgeschäftsführer. Sollte dieser weiterhin alle Kritik ignorieren, dürfte sein Ende '22 auslaufender Vertrag kaum verlängert werden.

#5 -

Jens Körner | Sa., 21.05.2022 - 18:46
@Thoralf: Da hätte er jetzt als Senatsmitglied eigentlich die Gelegenheit gehabt beim Fraunhofer Chef aufzuräumen. Chance leider vertan! Herrn Prof. Neugebauer wird es freuen. DATI war es also. Na, super - die starken Lobbyisten aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Politik waren es also, die T. Sattelberger zur Aufgabe gebracht haben. Allerdings hätte ich doch einen stärkeren Durchhaltewillen in diesem Fall erwartet. Wirklich sehr bedauerlich alles.

#6 -

BW | So., 22.05.2022 - 11:03
Darf es in unserer Leistungsgesellschaft nicht einfach mal wahr sein, dass ein 72-Jähriger vielleicht tatsächlich nicht mehr ein politisches Topamt mit 7-Tage-Kalender und Dauererreichbarkeit stemmen kann und auf seine Gesundheit rücksicht nehmen muss? Evtl. ist die selbst gegebene Begründung für den Rückzug die, die genau so auch stimmt, ganz ohne zusätzliche Faktoren (dunkle Lobbyistenverschwörung im Hintergrund). Dass Herr Sattelberger sein Bundestagsmandat auch mit abgibt, deutet m.E. darauf hin. Habe ihn nicht als jemand kennengelernt, der sich bei Gegenwind zurückzieht, sondern eher als jemanden den das noch mehr antreibt. Journalistisch spannender ist natürlich eine andere Erklärung.

#7 -

Düsentrieb | So., 22.05.2022 - 12:35
@Körner



Es war umgekehrt. DATI entstand aus dem Lobbyismus der HAWs, die im ewigen Kampf gegen die Dominanz der Unis ein Prestigeprojekt wollten: Ein Pendant zur DFG. Sattelberger ließ sich vor diesen Karren spannen. Als unabhängige Innovationsexperten heftige Kritik übten, zum Beispiel bei der EFI oder hier im Forum, setzte Sattelberger sich nicht mit deren Gegenargumenten auseinander, sondern kanzelte sie ad hominem ab: Er wünsche sich mehr Experimentierfreude, etc. Bei begründeter Kritik an SPRIND verfuhr er ähnlich. Dann brachte er auch noch seine Parteifreunde gegen sich auf, weil er sich weigerte, im Gegenzug zur Gründung der Agenturen das BMBF zu ...

#10 -

Armin B. | Mi., 25.05.2022 - 09:32
Ich bin auch ein Fan von TS. Gute Besserung und schnelle Genesung!



Den Staatssekretärsposten fand ich für ihn nicht ideal. Aber es schien mir immer darauf bedacht, das Beste aus dem bisschen Macht und Einfluss, was man ihm anvertraut hatte, machen zu wollen.



Mir gefällt am ehesten der Gedanke, dass "Nachwuchs"-Politiker (ja, in der Academia ein gefährliches Wort...) als parlamentarische Staatssekretäre sich ihre Sporen verdienen können und wenn - oder besser falls - sie zu Ministerehren kommen, ein Ministerium bereits von innen erlebt haben.

Verfügt die FDP über so jemanden?

Die aktuelle Ministerin hätte ich aufgrund ihrer Vitae dafür bestens ...

#11 -

Jens Körner | Mi., 25.05.2022 - 20:53
Sollte wirklich Christian Lindner und die Mittelsperrung hinten dieser Entscheidung von T. Sattelberger stecken, wäre das Parteiintern ein absolutes „no-Go“. Wenn die FDP das Forschungsministerium für Deutschland anführt muss sich Christian Lindner - auch in der Rolle des Finanzministers - hinter seine FDP-Parteimitgliedern klar stellen. Das wäre die selbstverständliche Loyalität. Es geht gar nicht, dass Herr Linder Herrn Sattelberger in den Rücken fällt. Die Sache wird immer skurriler. Sehr, sehr bedauerlich das Ganze.

#12 -

Norbert Esser | So., 29.05.2022 - 09:59
Die Schwächen Deutschlands bei Ausgründungen können durch eine Agentur nicht kompensiert werden. Dafür bräuchte es einen "Kulturwandel". Mit DATI sollten die Fachhochschulen gepusht werden. Dagegen stellt sich das Establishment der Universitäten.

#13 -

hahadi | Mo., 30.05.2022 - 12:37
Auch der Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache (www.adawis.de) bedauert den Rückzug Sattelbergers aus dem BMBF außerordentlich. Er war tatsächlich bereit, die "dringend nötige Modernisierung des Wissenschaftssystems voranzutreiben", und zwar auch zugunsten einer mehrsprachigen, statt nur auf "English only" setzenden Realitätsverlust- und bürgernahen Wissenschaftskommunikation und offenbar ohne Bedenken, damit jemandem im BMBF auf die Füße zu treten. Jedenfalls dokumentiert dies ein Diskussionspapier vom 21. Mai 2021, das der ADAWIS zusammen und einvernehmlich mit dem damaligen BT-Ausschuss für Forschung und Technologie erarbeitete und in dem Sattelberger für die FDP maßgeblich mitarbeitete.

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