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"Der Traum verliert an Anziehungskraft"

DHV-Präsident Lambert T. Koch über Wissenschaftlerkarrieren, Tenure Track und die Rolle der Habilitation – und warum verbindliche Befristungsquoten an Hochschulen für ihn keine Lösung sind, sondern neue Probleme schaffen könnten.
Portraitfoto von Lambert Tobias Koch.

Der Wirtschaftswissenschaftler Lambert T. Koch ist Präsident des Deutschen Hochschulverbandes und ehemaliger Rektor der Bergischen Universität Wuppertal. Foto: Bergischen Universität Wuppertal.

Herr Koch, der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat gerade Leitlinien "zur Gestaltung von Tenure-Track-Verfahren" vorgelegt und fordert von der Hochschulpolitik eine länderübergreifende Harmonisierung. Ist der Tenure Track für den DHV jetzt der Königsweg zur Professur?

Ich finde es sehr wichtig, dass für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen verschiedene Optionen für ihren hochschulischen Werdegang existieren. Welche dann im Einzelfall geeignet scheint, hängt von persönlichen Präferenzen, Fähigkeiten, Neigungen und Fächerkulturen ab. Immer mehr an Bedeutung gewinnt die Tenure-Track-Professur – auch wegen des internationalen Wettbewerbs um Talente. Deutsche Universitäten müssen hier, wie führende Einrichtungen im Ausland, attraktive Instrumente zur Personalgewinnung und -bindung an der Hand haben, um konkurrenzfähig zu sein. Deshalb wäre es sinnvoll, den Anteil der Tenure-Track-Professuren weiter zu erhöhen. Gleichzeitig sollte jede Universität auch künftig einen wesentlichen Teil ihrer W2- und W3-Professuren von außen besetzen können – denn der standortübergreifende Austausch von Ideen und Personen ist ein konstitutives Merkmal für die Wissenschaft. Und sich wandelnde fachliche Herausforderungen verlangen personelle Flexibilität.

Wir reden also bei Ihrem Tenure-Track-Modell vor allem von W1-, sprich: Juniorprofessur-Stellen?

Ja, das ist richtig.

Die Idee war einmal, dass die Juniorprofessur die Habilitation ablösen könnte, was der DHV seinerzeit ablehnte. Es kam anders, auch weil viele Juniorprofessuren anders als ursprünglich gedacht eben nicht mit Tenure-Track versehen wurden. Stellt sich die Frage jetzt neu: Wer braucht eigentlich die Habilitation noch, wenn Tenure-Track-Modelle flächendeckend verfügbar wären?

Der DHV war meines Wissens – auch vor ...

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Kommentare

#1 -

Andreas Drotloff | Mi., 09.07.2025 - 13:54

Herr Koch hat das wesentliche Problem der WissZeitVG-Debatte schön auf den Punkt gebracht: "Da Hochschuletats nicht unbegrenzt wachsen [...], ist zu erwarten, dass zusätzliche Dauerstellen tendenziell "kostenneutral" durch Umwidmung grundfinanzierter Qualifikationsstellen entstehen würden. Der gewünschte Zugewinn an Sicherheit würde so mit reduzierten Chancen für nachkommende Talente erkauft – Talente, deren Ideen und Engagement zur inhaltlichen Erneuerung der Wissenschaft beitragen."

Im Umkehrschluss: Die deutsche Wissenschaft erkauft sich eine Garantie für personelle und inhaltliche Erneuerung durch prekäre Arbeitsbedingungen. Und diese Garantie wäre anders nur durch unbegrenztes Wachstum der Budgets zu erhalten. Da letzteres nicht realistisch ist, muss offen diskutiert werden, ob diese ...

#2 -

Jürgen Schnack | So., 27.07.2025 - 20:28

Was ich als Naturwissenschaftler nicht verstehe, ist, dass diese Diskussion vollständig ohne Zahlen geführt wird. Dabei sind praktisch alle Zahlen bekannt, notfalls auch nach Fächern aufgesplittet.

Ich wage mich mal vor und breite die Zahlen aus, wie ich sie über die Jahre gelesen habe. Als Physiker runde ich grob, aber die Botschaft bleibt klar.

Wir haben ~30.000 Professuren, wobei die Leute etwa 30 Jahre im Dienst sind, d.h., wir müssen durchschnittlich 1000 pro Jahr ersetzen. Nach meiner Kenntnis sind aber oberhalb der Promotion etwa 5 mal so viele junge Leute auf Nachwuchsstellen beschäftigt, und zwar pro Jahr. Daran hat die ...

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