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Solche Vorwürfe sind infam

Hat Bildungssenator Ties Rabe die Veröffentlichung einer Studie zu einem Corona-Ausbruch an einer Hamburger Schule unterdrückt? Und was bedeuten deren Ergebnisse für seine These, die meisten Schüler steckten sich außerhalb der Schule an? Ein Interview.

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Artikelbild: Solche Vorwürfe sind infam

Ties Rabe (SPD) ist Gymnasiallehrer und seit 2011 Hamburger Senator für Schule und Berufsbildung. Foto: Daniel Reinhardt / Senatskanzlei Hamburg.

Herr Rabe, haben Sie eine Studie zum Ausbruchgeschehen an einer Hamburger Schule absichtlich unterdrückt?

Solche Vorwürfe sind infam. Irgendwer setzt sie in die Welt, und alle schreiben sie ab. Ich habe nichts unterdrückt, und wir haben keine Informationen zurückgehalten.

Dann erklären Sie doch mal, wie es dazu kommt, dass erst über eine auf der Plattform "Frag den Start" veröffentlichte Anfrage herauskam: Die fast 40 Corona-Infektionen an der Heinrich-Hertz-Schule im September waren überwiegend auf eine einzige Person zurückzuführen – während Sie noch Mitte November gesagt haben, viele der Schülerinnen und Schüler hätten sich außerhalb der Schule angesteckt.

Das eine hat doch mit dem anderen gar nichts zu tun. Ich habe auf einer Pressekonferenz Mitte November dargestellt, dass sich zwischen Sommer- und Herbstferien in Hamburg 372 Schülerinnen und Schüler aus 171 Schulen mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Davon wurden nach unseren Recherchen ...

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Kommentare

#1 -

Frieda | Mi., 30.12.2020 - 01:34
Lieber Herr Rabe,

Sie sind ein sehr schlechtes Beispiel für die Kinder, deren Bildung Ihnen so am Herzen liegt.
Was die moralische Bildung angeht, sollte man, wen man beim Vertuschen erwischt wurde, auch dafür geradestehen.
Und wir sollten Heranwachsende zwar zur Meinungsbildung führen, aber nicht Tatsachenverdrehen vormachen.

#2 -

Anja Haegele | Mi., 30.12.2020 - 09:14
Lieber Herr Wiarda, ich schätze ihre Berichterstattung zum Thema "Schule und Corona" wirklich sehr. Umso mehr frage ich mich aber, warum auch Sie - wie alle anderen Kollegen, die über den "Fall Heinrich Hertz-Schule" berichten, nicht erwähnen, dass dies eine der größten Schulen Hamburgs ist. Mehr als 1400 Schüler, mehr als 300 Lehrer, plus Bedienstete - das macht fast 1800 Menschen, die hier täglich zusammenkommen.

Das Wissen um diese Zahlen rückt, das Infektionsgeschehen in ein ganz anderes Licht! Hört man "fast 40 Infizierte" und denkt, es wäre eine kleine Schule klingt das viel bedrohlicher. Ich habe einen Sohn an dieser ...

#3 -

Klaus Geiger | Mi., 30.12.2020 - 16:55
Liebe Frau Haegele,

zunächst und vor allen Dingen werden Sie und Ihre Familie hoffentlich einen schönen Ausklang dieses für uns alle herausfordernden Jahres genießen und im kommenden Jahren mit weniger beruflichen wie privaten Unannehmlichkeiten konfrontiert sein!!!

Im Hinblick auf Ihre Feststellung zu <Meinungssachen> und <handwerklichen Fehlern> [sic!] ("Ist das spektakulär? 34 von 1800? Meinungssache. Die Größe der Schule in der Berichterstattung nicht zu erwähnen ist aber mindestens ein handwerklicher Fehler.") erscheint es mir persönlich durchaus spektakulär, dass einerseits ein Inzidenzswert von 50 je 100.000 Einwohnern*innen angestrebt wird, um das öffentliche Leben als "sicher" deklarieren zu können und andererseits 34 Infizierte ...

#4 -

René Krempkow | Mi., 30.12.2020 - 17:33
@Anja Haegele: Danke für Ihre Schilderung! Ich habe kürzlich auch den Tagesspiegel-Artikel zum Thema gelesen. Und ich habe da bereits gedacht, dass die dort mit der Überschrift erfolgte Suggestion, dass die Schüler angeblich Treiber der Pandemie seien, statistisch auf sehr wackeligen Füßen steht.

Ob es nun 25 oder 34 Schüler sind, die an einer Schule positiv getestet wurden, ist dabei m.E. gar nicht so entscheidend (natürlich erst recht nicht bei 1800 Schülern). Viel wichtiger erscheint mir, dass es an 151 von 171 Schulen nur jeweils einen infizierten Schüler innerhalb des Infektionszeitraums und der Jahrgangsstufe gegeben hat und somit sehr wahrscheinlich ...

#5 -

René Krempkow | Mi., 30.12.2020 - 17:46
@Klaus Geiger: Wenn Sie mit dem Inzidenzwert von 50 je 100.000 Einwohnern argumentieren, dann sollten hier m.E. fairerweise auch zumindest die 80 Schüler, die sich in der Schule ansteckten (wohlgemerkt zwischen Sommer- und Herbstferien - also eigentlich auf die kürzeren üblichen Zeiträume wie die 7-Tages-Inzidenz bezogen noch viel weniger!) ins Verhältnis gesetzt werden zu den 250.000 Schülern in Hamburg. Das macht wieviel pro 100.000? ;-)

#6 -

Jörg Härterich | Mi., 30.12.2020 - 19:41
Was mich an Herrn Rabes Zahlen doch sehr stutzig macht, ist die Aussage, dass "292 Schüler außerhalb der Schule (78,5 Prozent) und 80 Schüler [...] in ihrer Schule (21,5 Prozent)" infiziert wurden. Das würde bedeuten, dass in 100 Prozent der Fälle geklärt werden konnte, wo sich Schülerinnen und Schüler infiziert haben. Im allgemeinen geht man aber davon aus, dass bei der Mehrzahl der Infektionen der Infektionsort nicht eindeutig ermittelt werden kann (das Robert-Koch-Institut spricht hier seit Wochen von "diffusem Infektionsgeschehen").

Könnte es sein, dass Herr Rabe alle Fälle mit ungeklärtem Infektionsort der Kategorie "außerhalb der Schule" zugeordnet hat? Das würde ...

#7 -

Felix Oberski | Do., 31.12.2020 - 11:56
Sehr geehrter Herr Dr. Wiarda,

vielen Dank für dieses Interview. Interessant fände ich in diesem Zusammenhang noch die Ergebnisse der anderen Genomsequenzierungen, die im Rahmen der Reihentests in Hamburg durchgeführt wurden. (Vgl. z.B. https://www.max-schmeling-stadtteilschule.de/unsere-schule/aktuelles/detail/corona-informationsbrief-der-schulleitung.html) Diese Ergebnisse müssten ja theoretisch auch schon seit Anfang Dezember vorliegen und wären ein wichtiger Hinweis dafür, ob es sich bei den Infektionen an der Heinrich-Hertz-Schule um einen vermeintlichen Einzelfall handelt. Vielleicht könnten Sie dem Herrn Senat Rabe diese Frage nachreichen. Vielen Dank!

#8 -

René Krempkow | Fr., 01.01.2021 - 14:07
@Felix Oberski: Vielen Dank für diese Info! Das Ergebnis der Nachtestung in vier Klassen mit je einem Fall würde mich auch interessieren (wenngleich es an der Größenordnung der Relationen in Hamburg nicht grundsätzlich etwas ändern dürfte).



@Jörg Härterich: In der Corona-Info der MaxS heißt es, die Infektionen seien "so breit gestreut und auf so viele Klassen verteilt, dass das Gesundheitsamt derzeit annimmt, dass die Ansteckungen vorwiegend im privaten Bereich erfolgt sind und nicht in der Schule." Ich würde Ihnen jedoch zustimmen, dass nicht alle Fälle mit ungeklärtem Infektionsort einfach der Kategorie "außerhalb der Schule" zugeordnet werden sollten (falls dies geschehen ...

#9 -

Klaus Geiger | Fr., 01.01.2021 - 21:29
@René Krempkow: Der Kern meiner "Argumentation" war lediglich oberflächlich an statistischen Werten orientiert. Wie Sie offenkundig auch, bin ich eher daran interessiert, welche Rückschlüsse aus vorliegenden Zahlenwerte gezogen werden. Mir geht es persönlich zu weit, wenn daraus Ableitungen zur "Gefährlichkeit" von nur schwer vergleichbaren sozialen Räumen (Schule vs. öffentliches Leben) gezogen werden.

Auch die von Ihnen benannte Einordnung des untersuchten Einzelphänomens in die Gesamtheit an schulischen Bildungseinrichtungen führt meiner Auffassung nach zu keiner gesicherten Erkenntnis darüber, inwiefern sich die dortigen Alltagskontakte als mehr oder weniger harmlos bzw. gefährlich identifizieren lassen.

Hier müssten dann zumindest auch vollumfassend identische Analyseparameter und -grundlagen ...

#11 -

René Krempkow | Mo., 01.03.2021 - 11:10
Zwischenzeitlich ist das Robert Koch-Institut der Sache nachgegangen und in Bezug auf Schülerinnen und Schüler bis etwa 15 Jahren zu folgendem Ergebnis gekommen: »Entgegen des Ausbreitungsprofils bei anderen Atemwegserregern scheint also im aktuellen pandemischen Geschehen keine substanzielle treibende Kraft von diesen Altersgruppen auszugehen, obgleich auch hier Übertragungen stattfinden und Ausbruchsgeschehen wirksam verhindert werden müssen." (Buchholz u.a. 2020, S. 13). Das schreibt das RKI in einer vergangenen Donnerstag vorab online veröffentlichten Publikation, die sich auf eine Analyse von Meldedaten und Studien stützt. Ein weiteres Ergebnis ist, dass Lehrerinnen und Lehrer "im Vergleich zu 6 bis 10-jährigen Schülerinnen und Schülern ein fast ...

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