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Was die neue Regierung anpacken muss

Egal, wer die nächste Bundesregierung bildet: Zehn wissenschaftspolitische Ziele, die in jeden Koalitionsvertrag gehören.

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Artikelbild: Was die neue Regierung anpacken muss

Foto: Arek Socha / Pixabay.

IM WAHLKAMPF waren Bildung und Forschung überraschend selten Thema, noch weniger waren sie es in den Fernsehdebatten der drei Bundeskanzler-Kandidat:innen. Wobei so überraschend das dann doch nicht war, wenn doch das wichtigste Anliegen für die meisten Deutschen eine sichere Rente zu sein scheint – wie unter anderem der Spiegel -Wirtschaftsmonitor ergab. Es gibt nun einmal nur gut 35 Millionen Menschen unter 40 in Deutschland, aber 23 Millionen zwischen 40 und 60 und weitere 24 Millionen, die 60 und älter sind.

Was bedeutet das für die Prioritätensetzung in der nächsten Legislaturperiode? Hoffentlich vor allem, dass die Politik in der Lage ist, sich nicht von den bloßen Quantitäten ihrer Wählerschaft leiten zu lassen, sondern von Fragen der Zukunft und der Generationengerechtigkeit. Denn dann müssten Bildung und Wissenschaft ganz oben auf der Agenda einer neuen Bundesregierung landen. Doch was hieße das abgesehen von der in keiner Sonntagsrede fehlenden Forderung nach "mehr Geld" für Kitas, Schulen, Ausbildungsbetriebe, Hochschulen und Forschungsinstitute?

In zwei Teilen versuche ich mich an Antworten. Ich starte mit einer Liste der zehn wichtigsten wissenschaftspolitischen Aufgaben. Subjektiv natürlich, doch ich finde, dass sie in jeden Koalitionsvertrag gehören – egal, wer die Wahlgewinner am Ende sein werden.

1

. Zukunftsvertrag anpassen

Eigentlich gibt es keinen Handlungsbedarf, aber gleichzeitig ist er am größten. Beim "Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken" (dem Hochschulpakt-Nachfolgeprogramm) zahlen Bund und Länder seit diesem Jahr jeweils 1,88 Milliarden Euro, jedes Jahr. Und sie haben schon 2019 festgelegt : Von 2024 an gibt es mehr Geld. Dann steigt der Bundesanteil einmalig um 170 Millionen Euro auf 2,05 Milliarden pro Jahr, in gleicher Höhe kofinanziert von den Ländern. Doch das reicht nicht und war schon zum Zeitpunkt des Beschlusses unfair, denn der parallel verlängerte "Pakt für Forschung und Innovation" (PFI) sieht ein jährliches Plus von drei Prozent für die ohnehin schon großzügiger finanzierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen (Helmholtz, Max Planck & Co) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor.

Was dazu führt, dass die Unterfinanzierung vor allem der Hochschullehre immer größer ...

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Kommentare

#3 -

Rainer Lange | Do., 23.09.2021 - 13:44
Noch ein Handlungsfeld für eine künftige Bundesregierung ist das Umsatzsteuerrecht, eher was für Feinschmecker. Weitgehend unbemerkt von der wissenschaftlichen Öffentlichkeit, ist es aus europarechtlichen Gründen reformiert worden. Ab Anfang 2023, wenn die letzten Übergangsfristen auslaufen, unterliegt der Leistungsaustausch zwischen juristischen Personen öffentlichen Rechts nach § 2b UStG der Umsatzsteuer. Das kann bedeuten, dass künftig Kooperationen im Wissenschaftssystem, von gemeinsamen Berufungen über geteilte Infrastrukturen bis zu hochschulübergreifenden Studiengängen steuerpflichtig werden. Mit Folgen für die Kosten, den administrativen Aufwand, und damit die Kooperationsbereitschaft. Manche sehen darin das Potenzial, jahrzehntelange Bemühungen gegen die "Versäulung" im Wissenschaftssystem zunichte zu machen.

#4 -

PB | Do., 23.09.2021 - 15:30
Wiarda@BMBF = gute Idee! hat in der heutigen Ausgabe der im Ministerroulette für das BMBF in der Zeit mindestens in der Rubrik "Joker" klar gefehlt!

Inhaltlich geht es mir um den Punkt 1.

Die Zweckentfremdung der ZSL-Mittel muss aufhören. ZSL-Mittel komplett für das Löcherstopfen der landesfinanzierten Uni-Budgets zu verwenden (heißt an einem gewissen Ort Kostenschere) und dann 0 Euro für ZSL-Studienplätze übrig zu haben, kann und darf der Bund nicht länger dulden.

#5 -

bregalnica | Do., 23.09.2021 - 18:16
Toller Beitrag! insbesondere der Teil zum Bafög ist wichtig. Dass so viel Geld für sinnlose Kampagnen (Printmedien)ausgegeben wurde, bestürzt mich. wie viele Studierende hätte man von diesem Geld fördern können; zu einer Zeit, wo das Geld dringend gebraucht wurde! Auch die 500€ maximalen Überbrückungshilfen, die monatlich neu beantragt werden mussten und zunehmend bürokratischer zu bekommen waren, waren einfach viel zu wenig Unterstützung.

#6 -

Georg Zentrop | Fr., 24.09.2021 - 09:07
Wenn man einen strukturell wirksamen Ansatz hervorheben sollte, quasi als "Game Changer", wäre es für mich die deutliche Zuordnung von Verantwortlichkeiten - also die Trennung der Kompetenzen von Bund und Ländern. Die eine Seite zeigt auf die andere, und zurück, niemand fühlt sich wirklich letzt-verantwortlich.



Hochschulen (v.a. die Finanzierung) bei den Ländern, Forschungsorganisationen beim Bund, fertig. Die Kooperationen finden dann da statt, wo sie hingehören, nämlich zwischen den Einrichtungen. (Und ja, da könnte das Umsatzsteuerthema ein echtes Problem sein.)

#9 -

Regina Link | Mi., 29.09.2021 - 14:25
Vielleicht dürfte ich auch noch das ewige, aber weiterhin aktuelle Thema Chancengleichheit in den Verhandlungsring werfen. Auch in puncto Frauen in wissenschaftlichen/Hochschul-Führungspositionen sind wir längst noch nicht da, wo wir sein sollten. Und auch die Frage, aus welchen Schichten das Führungspersonal in Wissenschaft und Bildung kommt, bleibt für mich eine weiter zu verfolgende Frage(Stichwort Bafög).

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