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Richtiger Vorschlag, falscher Zeitpunkt

Ein Offener Brief fordert das Ende der meisten Corona-Beschränkungen an Schulen. Die Debatte hat seitdem nochmal an Schärfe zu genommen. Und nun?

EINER STUDIE DER Essener Uniklinik zufolge hat sich die Zahl der Selbstmordversuche von Kindern und Jugendlichen im zweiten Lockdown gegenüber der Zeit vor Corona verdreifacht. Bis zu 500 Minderjährige seien deshalb allein zwischen März und Mai 2021 auf den 27 befragten deutschen Intensivstationen aufgenommen worden, sagte der Chef der Essener Kinder-Intensivstation, Christian Dohna-Schwake, im Videocast " 19 - die Chefvisite " am vergangenen Mittwoch. Die Peer-Review der Studie stehe noch aus.

Zwei Tage später berichtete zuerst die WELT am Sonntag von einem Offenen Brief der "Initiative Familie", unterstützt von Virologen und Kindermedizinern. Mitunterzeichner waren unter anderem Detlev Krüger, Christian Drostens Vorgänger als Chefvirologe der Berliner Charité, und der langjährige WHO-Epidemiologe Klaus Stöhr. Sie forderten "Schulunterricht ohne Beschränkungen, ohne Quarantäne und anlasslose Reihentestungen für gesunde Kinder". Weil Kinder selten schwer an Covid-19 erkrankten, sei schnellstmöglich ein Übergang zum normalen Schulalltag geboten. Außerdem müssten auch ungeimpfte Kinder und Jugendliche dieselben gesellschaftlichen Teilhaberechte erhalten wie geimpfte oder genesene Erwachsene. Und: Mit der Maskenpflicht müsse spätestens nach der Omikronwelle Schluss sein.



Seitdem stehen sich zwei Lager noch unversöhnlicher ...

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Kommentare

#1 -

kaum | Di., 11.01.2022 - 16:58
Danke für den gelungenen Beitrag, für mich halt dieser Satz nach:

"Die Langzeitfolgen einer Infektion sind real, vom Umfang her aber noch ebenso wenig erforscht wie die Langzeitfolgen der drastischen Einschränkungen von Bildung und Teilhabe."



Was gilt mehr die "körperliche Unversehrheit" (GG Art 2 Abs. 2) oder die "geistige Unversehrtheit"? Ich persönlich befürchte, dass LongCovid viel weniger auf Dauer zu beheben sein wird, wie die Einschränkung von Bildung und Teilhabe, denn letzteres kann doch zu einem gewissen Grad aufgeholt und behoben werden. Und diese Einschränkungen treffen tendenziell alle Kinder, d.h. es werden hier sonstige Unterschiede nivelliert. Oder übersehe ich einen ...

#2 -

nf | Di., 11.01.2022 - 18:16
Wenn ich wüsste, dass im März die Maßnahmen zurückgenommen werden, würde ich mich zurücklehnen und bis dahin warten. Das Problem ist aber, wenn man das Thema jetzt nicht angeht, dann leiden die Kinder unter den Maßnahmen bis in den Sommer hinein. Vielleicht können Sie das auch berücksichtigen.
Wir brauchen einen Ausstiegsplan aus den Maßnahmen.

#3 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 11.01.2022 - 18:26
@nf: Ich stimme Ihnen zu. Ich glaube allerdings, das ist der Ausstiegsplan. Das Vorhandensein eines Impfangebots für alle in der Schule, die dies wollen; genügend Zeit, dass alle geimpft sein können. Und dann der Ausstieg aus den Maßnahmen. Ich glaube nur, das bei ansteigenden Omikron-Zahlen derzeit darüber keine vernünftige Debatte in dem Sinne möglich ist, wie ich sie mir wünschen würde.

Viele Grüße!
Ihr J-M Wiarda

#4 -

MC | Di., 11.01.2022 - 21:37
Danke für den ausgewogenen Artikel. Was mir dennoch zu kurz kommt, ist die "Stille Schulschließung": Hier in Berlin beispielsweise explodieren gerade die Fälle an den Grundschulen. Zahlreiche Kinder müssen sich isolieren, mitverhaftet sind die Geschwister. Nach wenigen Präsenztagen geht es dann wieder in die nächste Quarantänemühle. Im Gegensatz zu organisiertem Distanz- oder Wechselunterricht sind die Kinder zuhause aber auf sich alleine gestellt, dürfen wegen der Auflagen keime Freunde treffen, nicht einmal draußen spielen. Und im Gegensatz zu früheren Wellen ist das aktuell keine schlimmer Einzelfall, sondern kommt Vielfach vor.

#5 -

M.S. | Fr., 14.01.2022 - 10:05
Ich meine, dass man Kinder und Jugendliche aus folgendem Grund ganz freihalten sollte von Beschränkungen und Maßnahmen: Kinder und Jugendliche können im Gegensatz zu Erwachsenen diese Pandemiezeit nicht als Ausnahme vom normalen Leben einstufen, weil der jetzige Zustand das normale Leben für sie darstellt. Sie kennen es nicht mehr anders, können nicht abstrahieren und werden somit den Weg zurück nicht finden können. Sie wachsen in dieses Leben im Ausnahmezustand hinein und internalisieren die Regeln wie z.B. keine Nähe zulassen und die Ausgrenzung von bestimmten Gruppen (wie die der Ungeimpften von Schulfesten und anderen Aktivitäten).

Nicht umsonst wurden vor der Pandemie ...

#6 -

Berlin | Mo., 17.01.2022 - 17:33
Ich wäre mit dem Begriff der "Explosion" ja immer sehr vorsichtig. Laut Deutschen Schulportal sind (Stand Freitag) 7.000 der ca 360.000 Schüler*innen in Berlin infiziert oder in Quarantäne. Es sind aktuell 15 von ca. 800 Schulen im Wechselunterricht. Beide Zahlen sind seit 2 Wochen deutlich gestiegen, aber man sollte nicht meinen, dass praktisch alle Schulen "still" geschlossen sind.

#7 -

JW | Di., 18.01.2022 - 10:13
Auch von meiner Seite erst einmal vielen Dank für den sehr gelungenen Beitrag, wenngleich ich doch drei Kritikpunkte habe:

- Die letzten bald 2 Jahre haben doch gezeigt, dass es keinen idealen Zeitpunkt für Forderungen nach einer Rücknahme der staatlichen Eingriffe gegenüber Kindern gibt. Es treibt mir immer noch die Zornesröte ins Gesicht, wenn ich an den Frühsommer des letzten Jahres denke, als in Europa ein rauschendes Fußballfest in vollen Stadien (inklusive Prinz George ohne Maske im vollen Wembleystadion) gefeiert werden konnte, von Schülern mit fadenscheinigen Argumenten aber weiterhin eine Test- UND Maskenpflicht eingefordert wurde.

- Warum sind nur die ...

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