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Höchstens zwei Jahre

Warum die SPD-Bundestagsfraktion keine längere Postdoc-Sonderbefristung mittragen kann. Ein Gastbeitrag zur WissZeitVG-Novelle von Carolin Wagner.

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Artikelbild: Höchstens zwei Jahre

Carolin Wagner ist seit 2021 Mitglied des Bundestages und stellvertretende Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Foto: Selin Jasmin

AUF DEN KLEINSTEN GEMEINSAMEN NENNER können sich alle einigen: So wie es ist, kann es nicht bleiben. Die prekären Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft müssen hier nicht abermals erläutert werden – sie sind bekannt! Die Ampel-Koalition hat es sich zum Ziel gemacht, lang liegengebliebene Reformen endlich anzupacken – so auch eine längst überfällige Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG).

Dabei ist für die SPD-Bundestagsfraktion klar: Dass es überhaupt ein Sonderbefristungsrecht in der Wissenschaft gibt, ist ein Zugeständnis an die Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Es darf nicht als Instrument zur Herstellung maximaler Flexibilität missbraucht werden und Beschäftigungsrisiken allein auf die Arbeitnehmer*innen abladen.

Deshalb sind die in der Ampel-Koalition vereinbarten Mindestvertragslaufzeiten für studentische Beschäftigte, für Promovierende und in der Postdoc-Phase sowie die Ausweitung derNachteilsausgleichsregelungen auf Drittmittelbeschäftigte in der Qualifizierung richtige und notwendige Korrekturen, die wir jetzt voranbringen.

Bekanntlich hat das BMBF den Ampel-Eckpunkt für eine dreijährige Postdoc-Phase als Reaktion auf breite Proteste aus der Wissenschaftscommunity vorerst wieder zur Diskussion gestellt. Dass auch junge Forschende mehr Zeit ...

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Kommentare

#1 -

LifeInAcademia | Mi., 26.04.2023 - 17:22
"Dass es überhaupt ein Sonderbefristungsrecht in der Wissenschaft gibt, ist ein Zugeständnis an die Hochschulen und Forschungseinrichtungen."



Die Schlichtheit dieser Perspektive ist beachtlich. Sie ignoriert den gesetzlich definierten Aufgabenbereich, die Finanzierungsmodelle der Hochschulen und die Kompetenzverteilung Hochschulen/Politik. Natürlich haben die Hochschulen hier Verantwortung und sind in der Systemveränderung gefragt, doch so einfach kann man es sich nun wirklich nicht machen.

#2 -

Michael Liebendörfer | Mi., 26.04.2023 - 17:32
Schade. Ich sehe viel Rhetorik pro Hanna, aber keine konkreten Maßnahmen außer der Neufassung des WissZeitVG. Nur eine Beschränkung auf 2 oder 3 Jahre wird nicht viel ändern. Wo ist die Ankündigung, mit den Landesverbänden der SPD zu sprechen, damit die notwendigen Änderungen wirklich kommen? Oder Bundesmittel künftig stärker an echte Änderungen zu knüpfen?



Und natürlich wird man nicht nach zwei Jahren aus der Wissenschaft gehen, sondern auf Drittmitteln, Vertretungs- und Auslandsstellen, notfalls auf ALG 1 oder 2 weiterforschen. Zu romantisch ist mir auch die Vorstellung, die einen würden wohl lieber lehren und die anderen lieber forschen (dürfen faktisch aber ...

#3 -

lekilhen | Mi., 26.04.2023 - 19:30
Ich fasse das mal bildlich zusammen:



Wenn das marode Haus brennt, schmeiß mal noch 'nen Benzinkanister rein, damit der "Systemwandel" von Bruchbude zur abgebrannten Ruine noch schneller geht. Wenn es dann so richtig doll lodert, dann setzen wir uns zusammen und suchen "kluge Übergangsfristen" für eine Neuregelung der Brandwache.



So schaffen wir ganz bestimmt wieder mehr Vertrauen in die Statik des Hauses, denn immerhin wissen die Hausbewohner jetzt viel schneller, ob ihre Bude den Brand übersteht...

#4 -

Eine Hanna | Mi., 26.04.2023 - 20:20
Die Position der SPD als Arbeitnehmerpartei ist es also, dass es mit noch kürzeren PostDoc-Phasen und der hergebrachten Selbstverantwortung der Hochschulen weitergehen soll? - Selbst wenn man sagt, dass nach der Promotion immer unbefristete Verträge abgeschlossen werden müssen, würden die Unis es vermutlich so lösen, dass diese künftig einfach gar keine Postdocs mehr anstellen würden. - Ein echter Wurf wäre es, das Geld des Bundes an konkrete Quoten unbefristeter Beschäftigung zu knüpfen. - So ein ideenloses Papier ohne jegliche Lösungsperspektive habe ich selten gelesen. Aus Arbeitnehmersicht leider komplett enttäuschend.

#5 -

ForschungImAusland | Mi., 26.04.2023 - 20:31
Es ist klar, dass nur zwei Jahre Postdoc-Beschäftigung eine große Anzahl von Nachwuchsforschern aus dem System verdrängen und Platz für diejenigen schaffen werden, die einen festen Willen haben, eine akademische Karriere zu verfolgen...



Nach dem zweiten Jahr besteht noch die Möglichkeit, sich für 3 Jahre auf eine "Eigen Stelle" bei der DFG zu bewerben, verlängerbar um 3 weitere Jahre. Eine andere Möglichkeit nach dem zweiten Jahr ist, Deutschland zu verlassen und sich eine andere Postdoc-Stelle im Ausland zu suchen.



Da es in Ländern wie den USA, UK, EI, FR, um nur einige zu nennen, sicherlich viel bessere Tenure- oder Tenure-Track-Stellen ...

#6 -

Enttäuscht | Mi., 26.04.2023 - 22:43
Warme Worte, keine ernsthafte Vision. Einfach mantraartig wiederholen es müsse sich das System ändern, aber nix konkretes dafür machen außer Leute noch mehr zu gängeln und aus dem System zu werfen, macht deutlich, wie unehrlich die SPD hier agiert.



Von den Lügen mal ganz abgesehen: die angedachte Mindestvertragslaufzeit ist eine so butterweiche Regelung, dass sie quasi nicht-existent ist. Purer Schein, nicht wirklich Sein. Das dann als ernsthaften Erfolg hinzustellen ist schlichtweg unredlich.

#7 -

Arbeiter-Hannah | Mi., 26.04.2023 - 23:40
Der Beitrag ist ein Beispiel dafür, wie sehr sich die SPD eigentlich von ihrer Geschichte gelöst hat.



Der Druck wird erhöht, Leute aus dem System gedrängt. Die Einzigen, die es sich leisten werden können ggf. auch mal eine Durststrecke zu überwinden in der Hoffnung, doch noch wissenschaftlich zu reüssieren, werden Menschen mit entsprechendem familiärem vermögendem Hintergrund sein. Vorschläge wie das System umgebaut werden soll, damit mehr Leute Chancen haben, gibt es nicht.



Die sowieso schon sehr starke Konzentrierung von Menschen aus oberen Schichten der Gesellschaft in der Wissenschaft wird verstärkt, Wissenschaftspersonal aus nicht-akademischen Herkunftsfamilien noch mehr aus dem System gedrängt. ...

#10 -

Edith Riedel | Fr., 28.04.2023 - 13:32
Wirklich funktionieren mit einer zweijährigen Postdocphase kann das nur, wenn die Stellenstruktur an Hochschulen massiv aufgebohrt wird. Weniger große Lehrstühle und Professuren, mehr Departmentstrukturen, mehr unbefristete Stellen(typen) im Mittelbau. Das sind allerdings Veränderungen, die das Wissenschaftszeitvertragsgesetz nicht herbeiführen kann. Es wäre ein extrem hohes Risiko für die betroffenen Wissenschaftler*innen, wenn im Wissenschaftszeitvertragsgesetz Regelungen für eine Stellenstruktur festgehalten werden, die nicht existiert, und für die es komplett unklar ist, ob und falls ja wann sie kommen wird.

#11 -

SP | Sa., 29.04.2023 - 00:19
Dieser Vorschlag ist in jeder Hinsicht naiv und geht an der Realität der Universitäten vorbei. Diese Realität heißt: Feudale Verhältnisse, Nepotismus, Klüngel. Wissen Sie, wer dann vielleicht entfristet wird? Die Jungs, die seit dem Studium, den Profs hinterherhecheln, keine gesundheitlichen Probleme und familiären Verpflichtungen haben.

Wenn so ein Gesetz kommt, müssen unbefristete Stellen mit professurähnlichen Verfahren besetzt werden, sonst haben Sie an den Unis dann 30-40 Jahre lang die Leute aus der gleichen Schule sitzen, die von der mächtigsten Person am Institut gebilligt wurde. Das ist anti-wissenschaftlich. Und ungerecht für all jene, die außerhalb der feudalen Netzwerke im deutschen Wissenschaftsbetrieb ...

#12 -

Florian Bernstorff | So., 30.04.2023 - 14:49
Dem zuvor Gesagten kann ich mich nur anschließen. Prekäre Beschäftigung in der Wissenschaft ist nicht damit beseitigt, an einer einzigen Stellschraube des Systems zu drehen und dann anderen (den Ländern und den Hochschulen) die Verantwortung dafür zuzuschustern, die Folgen dieser Veränderung abzufedern und ins Sinnhafte zu wenden. Was wird dabei herauskommen? Einmal mehr das ewige, verantwortungsarme Blame-Game zwischen Bund und Ländern.

#13 -

FH-Mittelbau | Di., 02.05.2023 - 23:21
Es wird in der Diskussion um die Post-Doc-Befristungen der Mittelbau an den Fachhochschulen bisher völlig außen vor gelassen. An den FHs besteht keine Notwendigkeit für Befristungen und sollte entsprechend auch im Gesetz für den Bereich der Fachhochschulen verankert werden! Es gibt keinen ernsthaften Grund über das Wissenschaftszeitvertragsgesetz an den FHs weiterhin zu befristen. Trotzdem wird es gemacht z.B. bei GeschäftsführerInnen von Forschungsinstituten mit bis zu 5 Jahren nach der Promotion! Befristet ist einfacher für die FHs. Weil man es darf. Kein Wunder, dass die entfristeten Stellen in Bayern bei Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen an den FHs unter 2 Prozent liegen.

Liebe SPD: ...

#14 -

Ralf Meyer | Mi., 03.05.2023 - 18:21
Die Idee, Dauerstellen mit Drittmitteln zu finanzieren, scheint mir nicht nachhaltig. Denn irgendwer muss sich dann für 30 Jahre und mehr immer wieder neue und innovative Projekte ausdenken und bewilligt bekommen, nur um bereits eingestellte Mitarbeiter*innen weiter bezahlen zu können. Wer schreibt diese Anträge, wenn eine Professorin wegberufen wird? Muss sie dann die Mitarbeiter*innen, die von ihren Projekten bezahlt werden, mitnehmen? Warum schreibt man diese Projekte, wenn sie der eigenen Forschung kaum zugute kommen, weil längst fest steht, wofür das Geld gebraucht wird? Damit ein solches System nicht instabil wird, müsste man parallel dazu von Projekt- in dauerhafte Grundfinanzierung umschichten. ...

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