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Trotz Lehrkräftemangel: Berlin lässt Paul Messall nicht Grundschullehrer werden

Jung, motiviert und mit Berufswunsch Grundschullehrer: Eigentlich sollte Berlin alles tun, um Paul Messall als Lehrer zu gewinnen. Stattdessen wartet er noch immer auf einen Referendariatsplatz. Was ist da los?

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Artikelbild: Trotz Lehrkräftemangel: Berlin lässt Paul Messall nicht Grundschullehrer werden

"Ich weiß, dass ich ein guter Grundschullehrer geworden wäre", sagt Paul Messall .Foto: privat.

EINES, SAGT PAUL MESSALL, habe sich in all den Jahren nicht geändert: "Ich will Grundschullehrer werden. Und immer gab es einen Grund, warum das nicht gehen sollte. Aber ich gebe nicht auf."

Ein junger Mann, ausgebildeter Lehrer, der unbedingt an einer Grundschule unterrichten will: Das klingt wie der Wunschkandidat jedes Bildungsministers – während bundesweiter Lehrkräftemangel herrscht, Recruitingkampagnen geschaltet, Gehälter angehoben werden und mit Berlin das letzte Bundesland wieder zur Verbeamtung von Lehrern zurückgekehrt ist.

Doch Messall, inzwischen 26, streitet bereits seit Mai 2022 vergeblich dafür, in Berlin einen Referendariatsplatz zu bekommen. Obwohl er sein Lehramtsstudium mit guten Noten abgeschlossen hat, kassiert er bislang nur Absagen. Weil er, so die Begründung der Bildungsverwaltung, auf Haupt- und Realschullehramt studiert hat. "Das verstehe ich nicht", sagt Messall. "Alle reden vom Lehrermangel und davon, dass in vielen Brennpunktschulen fast nur noch Quereinsteiger eingestellt werden, und bei mir ist man derart wählerisch und versagt mir meinen Traumberuf?"

Traumberuf: Grundschullehrer

Alles ging damit los, dass Messall 2018 keinen Studienplatz für Grundschule erhielt, weil seine ...

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Kommentare

#1 -

Heute Anonym | Mo., 19.02.2024 - 20:53
Einen ähnlichen Fall gibt es auch hier in Hessen. Lehrerin mit 2. Staatsexamen kann nicht dauerhaft an die Grundschule wechseln, obwohl sie will (inkl. Gehaltsverzicht) und die Grundschule auch. Sie macht dort einen super Job, aber die Juristen sagen nein... No words.

#4 -

Dräger | Di., 20.02.2024 - 13:44
Es ist kaum zu glauben, was in Deutschland geschieht. Anstatt sich zu freuen engagierte ausgebildete Lehrer zu haben, werden diesen Steine in den Weg gelegt. Ich finde das abartig, dumm und inkompitent was in dieser Hinsicht im Bildungssystem geschieht.
Zur Zeit läuft in Deutschland A L L E S aus dem Ruder.
Ich finde das schockierend!!

#5 -

Hanna | Di., 20.02.2024 - 16:11
Bei aller Sympathie für Herrn Messall finde ich es sinnvoll, dass nicht einfach so zwischen Schultypen gewechselt werden kann.



Das jeweilige Lehramtsstudium geht ja auf unterschiedliche Inhalte und Entwicklungsständer der Schüler*innen ein.



Grundschule ist ein wenig wie Fußball: Hier glaubt jede*r mitreden zu können. Hat Herr Messall im Studium gelernt, Erstunterricht im Lesen und Schreiben zu gestalten? Kennt er sich mit der kognitiven und sozialen Entwicklung von 6-10-Jährigen aus? Kennt er die entsprechende Didaktik für den Schriftspracherwerb? Hätte ein Sportlehrer im Studium für Haupt- und Realschule Anfängerschwimmen belegt?



Wenn dem nicht so ist, halte ich einen grundsätzlichen Wechsel ins Grundschullehramt ...

#6 -

Ein Anderer | Mi., 21.02.2024 - 09:46
Der Beitrag von #Hanna trifft den Kern der Angelegenheit. Die unterschiedlichen Ausbildungszweige im Lehramt sind ja nicht aus Daffke geschaffen geworden, sondern aus substantiellen, inhaltlichen Notwendigkeiten heraus. Die Dramatisierung des Vorgangs erinnert ein wenig an die Aufregung darüber, Migranten von außerhalb der EU mit Berufsabschluss nicht sofort in ihrem Beruf arbeiten zu lassen. Auch dafür gibt es gute, inhaltliche Gründe. Die Ausbildung zu einem Pfleger in D ist eben etwas anderes als einen Pflegeberuf in Syrien ausgeübt zu haben. Dito im Handwerk oder vielen akademischen Bereichen. Dass in D (noch) vieles ausgezeichnet funktioniert liegt u.a. genau daran, dass die Qualität ...

#7 -

Lehrerkind | Do., 22.02.2024 - 16:32
So, zweiter Versuch. Vielen Dank an Hanna und "Ein Anderer" für die wertschätzenden Worte, die mir im ersten Aufschlag meines Beitrags (nicht freigeschaltet) möglicherweise gefehlt haben. Es gibt für das Grundschullehramt eine Reihe von Qualitätsstandards, und dies aus gutem Grund. Diese Menschen arbeiten mit einer sehr vulnerablen, stark beeinflussbaren Zielgruppe (Kinder), und genau dafür sollten sie auch sorgfältig ausgewählt und ausgebildet werden. Wer diese Qualitätsstandards nicht erfüllt, sollte den Beruf nicht ergreifen können, auch nicht auf Umwegen. Wer für diesen Beruf nicht ausgebildet ist, sollte ihn nicht ohne Zusatzqualifikationen ergreifen dürfen. Dabei steht die Fachlichkeit nicht wirklich im Vordergrund - ...

#8 -

David J. Green | Mo., 26.02.2024 - 13:49
@ Ein Anderer (#6): Pflege ist hier ein denkbar schlechtes Beispiel, denn die syrische Pflegefachkraft kann – fachlich gesehen – durchaus zu einem höheren Standard als in DE ausgebildet sein. Hängt damit zusammen, dass Aufgaben u. Verantwortung des dt. Plfegeberufs eine erhebliche symmetrische Differenz zur internationalen Norm aufweisen. Aber anders als die Handwerks- und akademischen Berufe darf die deutsche Pflege kein Kammer zur Vertretung der EIGENEN Interessen haben, darüber sind Arbeitgeber und Gewerkschaften eine Meinung.

[Bei Sprache ist es anders: Für eine menschliche Pflege muss man sich gut auch mit kranken und verwirrten Menschen verständigen können, das erfordert sprachliches UND kulturelles ...

#9 -

Gerd | So., 03.11.2024 - 01:58
An Hanna und Ein Anderer:



Eine Frage: Wer wäre denn besser für die Grundschulen geeignet? Eine Person mit Lehramtsstudium für Haupt-/Realschullehramt und mit Erfahrung oder ein Seiteneinsteiger? Haben Seiteneinsteiger denn diese Qualitätsstandards? Die Basiskompetenzen, die man für den Lehrerberuf benötigt sind Empathie, Kreativität, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit Kindern etwas kindgerecht zu erklären. Das habe ich in meinem Grundschulstudium NIE gelernt. Eher im Gegenteil, meine Abschlussarbeit musste ich über "Systemkonforme Erwachsenenbildung" schreiben. Ich hoffe innigst, dass Sie keine Lehrkräfte sind. Denn diejenigen aus meinem Studium, die dachten, das Studium bereitet sie als Lehrer vor, sind leider im der Praxis kläglich gescheitert ...

#10 -

Anja K. | So., 03.11.2024 - 21:39
Leider merkt man bei manchen Kommentaren, dass die Verfasser nicht wissen, dass ein Lehramstudium nicht beinhaltet, wie man unterrichtet oder wie man mit Kindern umgeht (@Hanna). In meinem Grundschulstudium habe ich damals nie gelernt, wie man Kinder alphabetisiert und schon gar nichts über kognitive Inhalte. Daher sind solche Aussagen Unsinn, der wahrscheinlich wieder von Möchtegern Lehrern stammt, die selbst noch nie unterrichtet haben. Außerdem sagt das Lehramtsstudium nichts über die Lehrerkompetenz aus! Als ich damals in den Vorbereitungsdienst kam, habe ich erst gelernt, wie man unterrichtet, vorher war das ein Fremdwort an der Uni.

Und von Qualitätsstandards brauchen wir gar ...

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