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Der Abschied der Babyboomer

Was bedeutet es für die Hochschulen, wenn demnächst die geburtenstärksten Jahrgänge der Nachkriegszeit das Rentenalter erreichen? Das CHE hat es ausgerechnet: Je nach Fach und Institution geht innerhalb eines Jahrzehnts teilweise mehr als die Hälfte der Profs.

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Artikelbild: Der Abschied der Babyboomer

Glücklicher Abschied? So stellt sich die KI den Exodus der "Babyboomer" aus den Universitäten vor.

NEUE ZAHLEN aus dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) haben mich in die Geburtsstatistik der frühen Bundesrepublik schauen lassen. Nie wieder wurden im früheren Westdeutschland so viele Kinder geboren wie 1964: 1,36 Millionen. Bis 1967 verharrten die Zahlen auf hohem Niveau, dann kam der Pillenknick: eine halbe Millionen weniger Babys pro Jahr. 1973 waren es 815.000. Nebenbei bemerkt: Selbst das waren noch über 100.000 mehr, als 2023 in Gesamtdeutschland zur Welt kamen.

Die Generation der bis zum Pillenknick Geborenen, die "Baby-Boomer", hat schon aufgrund ihrer schieren Größe entscheidend zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung unseres Landes beigetragen. Sie bevölkerten auch Hochschulen und Forschungsinstitute, zunächst als Studierende, dann als Lehrende, Forschende – und Professorinnen und Professoren.

Bald gehen sie in Ruhestand. Das CHE, dessen Gesellschafter die Hochschulrektorenkonferenz und die Bertelsmann-Stiftung sind, hat jetzt auf der Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes ausgerechnet, was das innerhalb weniger ...

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Kommentare

#1 -

Felix Schabasian | Mi., 12.02.2025 - 13:11
Vielleicht wäre das endlich mal eine Chance, das Wissenschaftszeitvertragsgesetz wirklich zu reformieren und die Befristungsgrenze abzuschaffen, statt nur daran rumzudoktern, bzw. endlich mehr Dauerstellen zu vergeben. Auch die Durchlässigkeit im Mittelbau könnte nämlich von sich aus steigen, nicht nur durch Nachbesetzung von Professuren, sondern wenn gleichzeitig die Gelegenheit zur Neustrukturierung der Lehrstühle genutzt wird und Rollen wie Lecturer und co auch hierzulande eingeführt werden. Sich weiter ein System zu leisten, indem eine Fakultät von einer Hand voll Fürst*innen regiert wird, dürfte künftig nicht nur finanziell schwierig werden, auch Innovation und die soziale Verantwortung im Wissenschaftssystem leiden darunter.

#2 -

Pillenknick | Mi., 12.02.2025 - 13:25
Ich frage mich, ob es sich wirklich um einen Effekt der demografischen Veränderungen handelt oder doch nur um einen Kohorteneffekt des personellen Aufwuchses in den Hochschulen. Daraus ließe sich lernen: Um solche Effekte zu vermeiden, müssten man bei der Stellenbesetzung mehr auf die resultierende Altersstruktur achten.

#3 -

Kolja Briedis | Do., 13.02.2025 - 10:29
Gerne möchte ich dazu auch auf die kürzlich erschienene Begleitstudie zum neuen BuWiK hinweisen, die sich mit dem Verbleib Promovierter befasst:

https://buwik.de/wp-content/uploads/buwik-2025-Begleitstudie_Karriereentscheidungen.pdf

Am Ende geht es auch um die Frage des Ersatzbedarfs, zu dem ein paar einfache Prognosemodelle erstellt wurden. Kurz gesagt: Der Ersatzbedarf ist hoch, kann aber ggf. gestellt werden. Wesentlich werden jedoch die Übergangsquoten sein (z. B. nach dem Studium in die Promotion oder auch der Verbleib in der Wissenschaft nach der Promotion). Dazu kommt dann noch die Frage der Konkurrenzsituation mit den Sektoren außerhalb der Wissenschaft und natürlich die Frage des tatsächlichen Ersatzbedarfs. Sollten die Mittel für ...

#4 -

Ruth Himmelreich | Do., 13.02.2025 - 10:41
So ganz kann ich es nicht nachvollziehen - einerseits wird ständig geklagt, dass es keine ausreichenden Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs gibt, nun eröffnen sich diese - und es ist auch wieder nicht recht?



Dass es in den MINT-Fächern Probleme geben kann, ist möglich, hängt allerdings auch von der Wirtschaft ab. Schwächelt diese (und so sieht es ja gerade aus), gewinnen sichere Positionen in den Hochschulen durchaus an Attraktivität. Und so ungemütlich, wie es in den USA zu werden droht, ist dort ebenfalls ein größerer Pool an möglichen Kandidat*innen zu vermuten.

#6 -

Tobias Denskus | Fr., 14.02.2025 - 09:54
Diese Diskussion gibt es in den USA seit mindestens 30 Jahren und hat bisher kaum Auswirkungen auf die Realität wissenschaftlicher Arbeit; sicher, in USA gibt es kein striktes Pensionsalter und der 75-jährige Prof hätte eigentlich schon vor 10 Jahren gehen sollen-er ist aber noch da...aber diese Dynamik "eine Generation geht in Pension und wir brauchen viele Nachrueckerinnen" ist in der Realität eben viel komplexer-50 Jahre Lehramtsplanung sind da sicher ein gutes/schlechtes Beispiel, wie schwierig es ist im öffentlichen Dienst dynamisch zu planen wenn es darum geht das echte Menschen mit echten komplexen Lebensläufen ausgebildet werden sollen-in einem föderalen System. Es ...

#7 -

Jasmin Kizilirmak | Fr., 14.02.2025 - 12:25
Wissenschaftler aus den USA (und anderen Ländern) haben das Problem, dass in Deutschland noch in recht vielen Studiengängen Lehre in deutscher Sprache gefordert ist. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Internationalisierungsrate an Forschungseinrichtungen wie Max Planck für Professuren recht hoch ist (kein Lehrdeputat, bei anderen Forschungsinstituten i.d.R. 2 SWS nach Jülicher Modell) und meine Prognose wäre, dass sie sich nur langsam an Universitäten und noch langsamer an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (da noch stärkerer Fokus auf deutschsprachiger Lehre) erhöhen wird - egal, wie viele Wissenschaftler aus den USA abwandern.

#8 -

Wolfgang Kühnel | So., 16.02.2025 - 23:54
Zu #2:

"Daraus ließe sich lernen: Um solche Effekte zu vermeiden, müssten man bei der Stellenbesetzung mehr auf die resultierende Altersstruktur achten."



Das ist leichter gesagt als getan. Der Ausbau und die Überleitungswellen Anfang der 1970er Jahre haben zu einer Überrepräsentation der Jahrgänge 1930-40 geführt. Solche ein "Schweinezyklus" pflanzt sich fort, und so sind jetzt die Jahrgänge 1960-70 überrepräsentiert.

Und neuerdings werden freiwerdende Professuren als Juniorprofessuren mit tenure track ausgeschrieben mit der Vorschrift, dass Bewerber zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht mehr als 6 Jahre nach dem Diplom/Master verbracht haben dürfen. Also führt das zu einer Bevorzugung der Jahrgänge 1990-2000, andere ...

#9 -

Johannes | Mo., 17.02.2025 - 22:22
Ich finde Jan-Martin Wiardas Darstellung zu aufgeregt - hinweggetragen von zu viel Prozentzahlen bei zu kleinen absoluten Zahlen. Wenn morgen in der Zeitung stünde: in einem bestimmten Arbeitsmarkt, der sich aber über alle denkbaren Ausbildungen erstreckt, werden künftig 500 Stellen pro Jahr mehr frei - dann wäre das eine komische Nachricht. Auch das CHE schreibt, dass 44% Ersatzbedarf nicht so viel höher ist als der statistisch erwartbare von 40%. Ja: Professor ist heute weniger Traumberuf, und teilweise haben andere Berufsmöglichkeiten einen besseren Ruf. Aber mit der Alterstruktur hat das wenig zu tun. Eine Scheindebatte?

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