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Man kann nicht jeden desinteressierten Studenten zum Studienabschluss bringen!

Gastkommentar zu den gestiegenen Abbrecherquoten im Fach Informatik

Die Fachhochschulen haben ein Qualitätsproblem “, habe ich vor drei Wochen geschrieben. Die Abbrecherquote von FH-Bachelorstudenten, die vor vier Jahren bei 19 Prozent lag, ist seither um fast die Hälfte gestiegen, auf aktuell 27 Prozent. Was ist da los?, habe ich gefragt – und als besonders abschreckendes Beispiel die FH-Informatik genannt. Ich schlussfolgerte: „Beschämende Werte. Welcher politische Druck sich in den kommenden Jahren auf die Informatiker entladen wird, ist absehbar angesichts der allgegenwärtigen Digitalisierungsrhetorik.“ Vor wenigen Tagen erreichte mich eine Replik des Informatikprofessors Christian Baun, die ich in ihrer Differenziertheit bemerkenswert finde und – mit seinem Einverständnis – an dieser Stelle veröffentliche.


Weil es uns nicht egal ist

Von Christian Baun

In seinem Artikel über eine noch unveröffentlichte Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) thematisiert Jan-Martin Wiarda die gestiegenen und in der Tat hohen Abbrecherquoten im Studiengang Informatik (Bachelor) an Fachhochschulen. Im Großen und Ganzen liest man aus seinem Artikel heraus, dass die Abbrecherquoten primär die Schuld der Hochschulen und damit logischerweise der Professoren seien. Viele Leser werden den Schluss ziehen, dass es den FH-Professoren egal (oder sogar schlimmstenfalls

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Kommentare

#1 -

Josef König | Mi., 21.12.2016 - 10:54
Sehr gut - jedes Wort und jedes Argument ist genau gewählt. Hinzufügen sollte man außerdem, dass wir inzwischen 2,8 Mio Studierende haben, also die Hochschulen weit über ihre Kapazität überfüllt sind, aber die Grundmittel und Investitionen nicht mit dieser Entwicklung Schritt halten. Und ein letztes: Mit der zunehmenden Bürokratisierung der Hochschulen und des Studiums nicht nur, aber auch nicht zuletzt, durch die BA/MA-"Reform" (Bulimie-Studium) wird Lehrenden und Professoren auch die Zeit genommen, die sie besser in Lehre und Forschung stecken könnten.

#2 -

Klaus Diepold | Mi., 21.12.2016 - 13:48
@Christian Baun:

Gute Zusammenstellung der Problematik, die in vieler Hinsicht auch auf das Fach Elektrotechnik und Informationstechnik zutrifft. Beim NC würde ich anmerken wollen, dass die geringere Anzahl an Abbrechern auch eine Frage ist, wie man die Zahl rechnet. Nur weil viele Studienbewerber durch NC abgehalten werden ein Fach zu studieren ist das auch keine echte substantielle Verbesserung. Die abgelehnten Studienbewerber schlagen dann um so mehr bei den Studiengängen ohne Zugangsbeschränkung auf und erhöhen dort möglicherweise die Abbrecherquote.



Ich denke, dass wir als Hochschullehrer einen Fehler machen, wenn wir es als unsere Aufgabe betrachten junge Menschen für ein Studium zu ...

#3 -

Jakob Wassink | Fr., 23.12.2016 - 16:21
Lieber Herr Baun, lieber Herr Diepold,

vielen Dank für die etwas differenziertere Darstellung der Abbrecherpoblematik.

Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass man über viele Faktoren für hohe Studienabbrecherzahlen wunderbar mutmaßen kann. Konkretes Wissen ist nur rudimentär vorhanden und zugegebener Maßen auch nur schwer zu erhalten, da man Abbrecher praktisch nicht mehr systematisch befragen kann.



Gesichert ist jedoch, dass eine Vielzahl der genannten Gründe für Studienabbruch durch die Universitäten und Fachhochschulen beeinflussbar sind. Im Bereich Natur- und Ingenieurwissenschaften ist das - bedingt durch die bessere Personalausstattung - sicherlich noch eher möglich, als in Geistes- und Kulturwissenschaften. Man muss nur ...

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