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So könnte es gehen

Wie Deutschlands Universitäten den Sprung aus der Lehrstuhl-Erstarrung schaffen könnten: Die Junge Akademie veröffentlicht ein lesenswertes Plädoyer für den Siegeszug der Department-Struktur.

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Artikelbild: So könnte es gehen

Abbildung: Junge Akademie

DIE TRAUEN SICH WAS. Fünf Mitglieder der Jungen Akademie nehmen es mit der geballten Macht der deutschen Lehrstuhlinhaber auf. In ihrem Papier , das heute veröffentlicht wird, fordern sie erneut "die Schaffung einer modernen Departmentstruktur" oder griffiger: "Departments statt Lehrstühle!" Man kann sich das Augenrollen der arrivierten Hochschullehrer vorstellen, ihre verschränkten Arme, ihr Achselzucken, bevor sie antworten: "Das lassen wir mal lieber. Ist doch alles gut, wie es läuft."

Ist es eben nicht. Oder zumindest nur für eine Minderheit – eben jene Glücklichen, die es auf einen Lehrstuhl geschafft haben. Allein das wäre Grund genug, über die Zukunftsfähigkeit eines Organisationsprinzips nachzudenken, dass sich aus längst vergangenen Jahrhunderten herübergerettet hat, aus Universitäten, an denen nur ein paar hundert Studenten eingeschrieben waren, um "bei Professor Soundso" zu studieren. Aber der deutsche Sonderweg des Lehrstuhls gefährdet auch die Zukunftsfähigkeit des zuletzt so oft gepriesenen Forschungsstandortes Bundesrepublik.

Übrigens will ich das mit dem Augenrollen zurücknehmen. Ich bin davon überzeugt, dass auch unter den Lehrstuhlinhabern von heute viele sind, die genau wissen, dass die Strukturreform ...

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Kommentare

#1 -

Myrle Dziak-Mahler | Do., 12.10.2017 - 10:40
Ein interessanter Denkansatz! Sicher auch ein bisschen auf Provokation angelegt, aber darum nicht schlecht. Im Gegenteil: Veränderungsnotwendigkeiten meinungsstark und zugespitzt vorzubringen, ist ein probates Mittel eine Diskussion in Gang zu bringen, die lange überfällig ist. Das Hadern der Universitätsangehörigen mit einem Organisationsprinzip, das in vielfacher Hinsicht nicht mehr zeitgemäß ist, ist allerorts spürbar.

#2 -

Hmm | Do., 12.10.2017 - 11:23
Forschungsgeräte werden vielerorts bereits gemeinsam genutzt und das ist absolut sinnvoll, aber geteilte Sekretärinnen und Sekretäre sind in weiten Teilen bereits ebenfalls Realität und meiner Beobachtung nach alles andere als ein Segen. Ich bin selbst Teil der Verwaltung und meiner Wahrnehmung nach scheint mir das geteilte Sekretariat vielfach dazu zu führen, dass Professoren mehr und mehr Verwaltungs- bis hin zur Sacharbeit (idR bei der Drittmittelverwaltung) selbst übernehmen und dies ihnen Zeit für Studierende, Lehre und Forschung raubt.

#3 -

Klaus Diepold | Sa., 14.10.2017 - 11:15
@Hmm

Die von Ihnen erwähnten Situation sind mehr als real in dem Sinne, dass die Zeit, die ich als Prof. für Verwaltungsaufgaben aufbringen muss Jahr für Jahr inkrementell zunimmt. Ich kann mich nicht erinnern jemals ein Rundschreiben erhalten zu haben, in dem mit mitgeteilt wird, dass diese oder jene Verwaltungsvorschrift entfällt. Digitalisierung ist auch ein Fremdwort, so das Dienstreiseanträge und -abrechnungen nur auf Papier erfolgen dürfen. Auch kann ich praktisch keine Unterschriftberechtigung delegieren - der Prof. wird zum Bottleneck. Diese Vorgänge haben aber wenig Zusammenhang mit geteilten Sekretariaten. Eine Sekretärin oder ein Sekretär an einer Uni wird soo miserabel bezahlt ...

#4 -

Oliver Günther… | Sa., 14.10.2017 - 20:35
Ich kann die Forderung der Jungen Akademie zur „Abschaffung“ des Lehrstuhlsystems nur sehr eingeschränkt nachvollziehen. In vielen, vor allem empirisch arbeitenden Fächern, ist der Lehrstuhl – auch wenn er inzwischen selten mehr als drei Mitarbeiterstellen umfasst – ein echter Wettbewerbsvorteil beim Ringen um die besten Köpfe. Gerade im Vergleich zu dem aus den USA bekannten Departmentsystem erlaubt ein Lehrstuhl langfristige Planungssicherheit und Forschungsfreiheit, ohne ständig um das nächste Drittmittelprojekt kämpfen zu müssen. So manche Wissenschaftler(innen) kommen gerade deshalb nach Deutschland, weil sie hier einen Lehrstuhl bekommen können und anderswo nicht. Warum also Abschaffung? Schon jetzt steht es Professorinnen und Professoren ...

#5 -

Chiarasofie | So., 15.10.2017 - 12:03
Eine Departmentstruktur bietet sicherlich, wenn in dieser Weise umgesetzt, in vielen Bereichen Chancen für das deutsche Hochschulsystem. Voraussetzung wäre jedoch m.E. eine detaillierte Diskussion unter Einbezug aller Statusgruppen und Stellenprofile. Was mir jedoch in o.g. Vorschlag (wieder einmal) zu kurz kommt, ist die Qualität der Lehre in der Einheit von Forschung und Lehre: Gute Lehre, Beratung, Prüfung und mittlerweile auch weite Teile des Lehr- und Prüfungsmanagements hängen (in einigen Fachbereichen mehr als in anderen) von einem großartigen, engagierten Mittelbau - und dort vor allem von den Lehrkräften für besondere Aufgaben (LfbA) - ab. Genügend feste Stellen im Mittelbau, vor allem ...

#6 -

Laubeiter | Mi., 18.10.2017 - 12:37
Ich stimme Herrn Prof. Günther zu, dass die Rekrutierung von Wissenschaftlern aus dem Ausland, die dort viele Mitarbeiter haben, mit den Ideeen des Department-Papiers der JA nicht zusammengehen. Ich erinnere an den Fall von Tuschl, den die FU nicht von der Rockefeller holen konnte, weil er vier feste Mitarbeiter mitbringen wollte.

Mir gehen drei weitere Aspekte durch den Kopf:

1 Abgehobenheit: Die Beispiele LSE (London) und Janelia des HHMI (Ashburn, USA), die das JA Papier für bereits funktionierende Departments nennt, sind an Institutionen angesiedelt sind, die über Mittel verfügen, die es in Deutschland abgesehen von der MPG nirgendwo gibt. Eine ...

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