Leute, es ist nur ein Promotionskolleg...
...und nicht das Ende der akademischen Welt, wie wir sie kannten. Drei Gedanken zur Debatte um das FH-Promotionsrecht.

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LEUTE, ES IST nur ein Promotionskolleg, will man den Unirektoren in Nordrhein-Westfalen zurufen. Doch die befürchten offenbar Schlimmstes. Die schwarz-gelbe Landesregierung will das Hochschulgesetz grundsätzlich reformieren, und zu den geplanten Änderungen gehört, das bestehende "Graduierteninstitut" NRW umzuwandeln. Am Graduierteninstitut können Fachhochschulabsolventen promovieren, bislang kooperativ betreut von FH- und Uniprofessoren. Als "Promotionskolleg für angewandte Forschung der Fachhochschulen" mit eigenem Promotionsrecht würde es die Unibeteiligung nicht mehr brauchen, die beteiligten FHs könnten über das Promotionskolleg allein den Doktorgrad verleihen.
Und das regt die Universitäten so auf, dass sie publizistisch aus allen Rohren feuern. Seit vergangenem Donnerstag, dem Tag einer Landtags-Anhörung, sind allein in der FAZ drei alarmistische Beiträge erschienen, zwei direkt aus der Feder von Uniprofessoren. Man dürfe "Den Doktor nicht mit dem Bade ausschütten", fordert der Prorektor der Universität Köln, Christian von Coelln, der zugleich Landesvorsitzender der Uniprofessoren-Gewerkschaft DHV ist.
"Kontraproduktiv und verhängnisvoll" seien die Pläne, mahnt der Physikprofessor Jürgen Jahns von der Fernuni Hagen. Im dritten Artikel wird der Rektor der Universität Duisburg-Essen, Ulrich Radtke, zitiert, der vor "Low-Quality"-Promotionen ...
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Kommentare
#1 - wie immer meinungsstark und dabei sachlich argumentierend…
Deshalb hier zu einem weiteren, im Zusammenhang mit der Debatte um das FH-Promotionsrecht häufiger vorgebrachtes Argument, dass wir ohnehin schon zu viele Doktoranden bzw. Promovierte hätten (eine ähnliche Diskussion wie beim "Akademisierungswahn"):
Hiermit haben sich eine ganze Woche lang Expert/innen aus Hochschulpolitik, Hochschulleitungen sowie Berufs- und Hochschulforschung auseinandergesetzt und daraus ist vor gut einem Jahr ein Buch entstanden, welches weitere sachliche Argumente zu dieser Debatte beitragen kann, darunter auch zur Frage einer befürchteten "Doktorisierung": https://www.universitaetsverlagwebler.de/webler-2017, bzw. www.researchgate.net/publication/320281741.
#2 - Lieber Jan,bei aller Sachlichkeit Deiner Argumentation,…
bei aller Sachlichkeit Deiner Argumentation, fehlt meines Erachtens ein entscheidendes Argument: Der dr ist der einzige und zugleich höchste akademische Grad und das letzte Privileg von Fakultäten und Unterscheidungsmerkmal von Universitäten, Deshalb wehren sie sich (m.E. zurecht) nicht nur gegen die FH-Promotion, sondern ebenso gegen ein Promotionsrecht für außeruniversitären Einrichtungen wie etwa die Max-Planck-Schools.
Wenn man also diese Privileg abschafft, kann man direkt Unis und FH vollkommen gleich setzen. Damit würde das Hochschulsystem komplett umgemodelt. Es geht also nicht nur um, wie es in der Überschrift heißt: "Das ist nur ein Promotionskolleg" - es geht vielmehr darum, wer ...
#3 - Ich verstehe bei der Diskussion bislang nicht so richtig,…
Geht es da darum aus Forschungsleistungen anderer ein Produkt zu entwickeln? Oder ist damit gemeint, dass man zu einem konkreten Anwendungsfall die einschlägige Literatur zusammenfasst, um Handlungsvorschläge zu machen (ohne Selbst zur Literatur beizutragen)?
In einem der angesprochenen FAZ Artikel habe ich gelesen, dass die Landesregierung das FH-Promotionskolleg innerhalb der Lehre angesiedelt sieht. Das macht mich schon stutzig, denn die Promotion soll doch die Befähigung zur eigenständigen Forschung dokumentieren.
Wenn ich ...
#4 - Ich verstehe nicht, wieso mit der Gewährung eines…
#5 - @Josef KönigIst so ein Unterscheidungsmerkmal noch…
Ist so ein Unterscheidungsmerkmal noch zeitgemäß?
Zumal ein Unteschied ja für den Grundstein bleibt: Uni geht nur mit Abitur.
Wenn ich meinen Bachelor und meinen Master an einer FH machen, warum dann nicht auch die Promotion? Aber nein, dafür soll ich umbebingt an die Uni wechsle( oder zuminde ein kooperation Suchen), warum? Was kann die Uni hier besser? Zumal die Themen einer Promotion ja auch nicht aus allen Wolken fallen. Wenn ich auf der Master Thesis aufsetzten will macht es für mich noch weniger Sinn da extra eine Uni suchen zu müssen.
#6 - @Marc Bobowk -Aus der Perspektive der Universität ist es…
Aus der Perspektive der Universität ist es sinnvoll, dass sie ihr Alleinstellungsmerkmal verteidigt und - was leider nicht immer ist - ihre Qualitätsanforderungen hoch hält.
Aus der Sicht des Doktoranden sprechen andere Grunde für die Promotion an Universitäten: die grundsätzlich bessere Ausstattung und die qualitativ besseren Forschungsstrukturen und -erfahrungen. Hinzu kommt der Ruf der Institution. Der dr an einer FH wird nicht mit dem gleichen Wert belegt sein, wie die Promotion an einer Uni.
Schließlich darf man den Sinn einer Promotion nicht aus den Augen verlieren: Sie ist der Nachweis, dass man fähig ist, selbstständig wissenschaftlich zu ...
#7 - Meines Erachtens hilft es, die Motivlagen der Forderung…
Geht es darum, dass sehr begabte und forschungsinteressierte FH-/HAW-Absolventinnen und Absolventen die Möglichkeit haben sollen, aufbauend auf ihren bisherigen Studienleistungen zu promovieren? Dafür ist es vor allem notwendig, dass die Universitäten beim Zugang zur Promotion keine unverhältnismäßigen Hürden aufbauen. Hilfreich kann es auch sein, wenn die Betreuer der BA- oder Masterarbeit auch an der Betreuung der Promotion mitwirken können.
Oder geht es darum, dass einzelne forschungsstarke FH-/HAW-Professorinnen und Professoren das Promotionsrecht erhalten? Dies könnte auch über Assoziierungen in universitäre Fakultäten erreicht werden.
Oder geht ...
#8 - Mir fehlt in dieser Diskussion eine für mich grundlegende…
Mir geht es dabei vor allem um systemische Wirkungen. Werden HAWen ihre Berufungsstrategien ändern und versuchen, mehr Menschen aus reinen Forschungs-karrieren zu gewinnen? Werden sie auch mit Blick auf die Lehre und die Betreuungsrelationen demnächst mit den Universitäten gleichgestellt?
Die Fachhochschule entstammt, wie auch der WR einmal treffend festgestellt hat, ursprünglich dem Berufsbildungssystem. Sie ist somit noch nie die kleine Schwester ...
#9 - Wenn doch schon bei Bachelor- und Masterabschlüssen keine…
Weiterhin bitte ich zu bedenken wie vielfach in der Medizin promoviert wird. Gehört Medizin als praktisches Fach nicht ...
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