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Schädliche Intransparenz

Wie viele Studierende verlassen die Hochschulen ohne Abschluss? Was in den USA akribisch dokumentiert wird, ist in Deutschland immer noch unzureichend erforscht. Warum es sich lohnen würde, das zu ändern: ein Gastbeitrag von Gerd Grözinger.

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Artikelbild: Schädliche Intransparenz

Foto: Unsplash.

EIN STETIG WACHSENDER HOCHSCHULSEKTOR verstärkt in Deutschland den Ruf vieler nach mehr Transparenz. Gerade hat etwa der Bundesrechnungshof moniert, dass vielfach nicht klar sei, ob die Mittel des Hochschulpakts ordnungsgemäß verwandt wurden . Ebenso wenig ist bekannt, wie erfolgreich einzelne Einrichtungen darin sind, ihre Studierenden zu einem Abschluss zu bringen.

Andere Länder sind da weiter. In den USA etwa herrscht seit langem für die Institutionen der Tertiärbildung eine umfassende Offenlegungspflicht. Wer sich als Studieninteressierter, Hochschulangehöriger oder Politikerin etwa dafür interessiert, wieviel Studierende eine bestimmte Hochschule mit einem Abschluss erfolgreich verlassen, der oder die geht einfach auf die Homepage des College Navigators und findet dort, neben einer Vielzahl anderer nützlicher Informationen, eine ganze Reihe vergleichender Angaben dazu. Der College Navigator wird vom National Center for Education Statistics getragen, dessen Arbeitsprogramm auf einem Beschluss des Kongresses beruht. Deshalb ist auch jede US-amerikanische Einrichtung der Tertiärbildung dort abrufbar, und das sind mehr als 7.000.

Über ein einfaches Menü kann man sich etwa ausgeben lassen, dass am Providence College in Rhode Island, um ein beliebig gegriffenes Beispiel einer nicht so bekannten Einrichtung zu nehmen, 91 Prozent der First-Time Students, die einen Bachelorabschluss im Vollzeitstudium anstreben, nach einem Jahr noch eingeschrieben sind. Ebenso ...

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Kommentare

#1 -

Grobianus | Di., 13.10.2020 - 00:36
Auch ein Projekt um Prof. Agathe Merceron von Beuth-Hochschule für Technik und HU Berlin forscht im hiesigen Sprachraum zum Thema (https://projekt.beuth-hochschule.de/students-advice/). Die Transfer der Erkenntnisse zu Studienberatung und -betreuung sowie Curriculumsaufbau sind dabei gleich mitgedacht. Letzteres sollte auch hinsichtlich zeitgemäßer Lehrinhalte und Alltagstauglichkeit des Studiums hohen Stellenwert besitzen.

#2 -

René Krempkow | Di., 13.10.2020 - 19:13
Solche vertieften Analysen zu Studienerfolgschancen - am besten unter Einbezug der BAFöG-Empfängerquoten als ein Indikator für die soziale Zusammensetzung der Studierenden und weiterer Indikatoren zur Studiensituation - wären in der Tat in größerem Umfang wünschenswert.

In einem Bundesland wurde dies vor über einer Dekade für alle 15 staatlichen und zusätzlich die privaten Hochschulen einige Jahre flächendeckend erhoben (siehe www.researchgate.net/publication/27458027). Auch dort zeigten sich für Maschinenbau deutliche Unterschiede nach einzelnen Hochschulstandorten (ebd., S. 52).



Über das gesamte Bundesland hinweg zeigte sich dort - unter statistischer Kontrolle nach Auslastung der Studienfächer, Einschätzung der Studiensituation usw. - in einer multivariaten Analyse allerdings kein ...

#3 -

martinf | Mi., 14.10.2020 - 13:34
Es entzieht sich meiner Kenntnis, warum der Autor die Ansicht vertritt, die deutsche Hochschulforschung habe sich mit dem Thema Studienabbruch kaum beschäftigt. Allein das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftforschung kann hierzu seit 2014 über 20 Publikationen vorweisen, weitere Veröffentlichungen zum Thema finden sich beim Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung. Auch das Projekt "Maschinenhaus - Campus für Ingenieure" des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau zur Steigerung des Studienerfolgs im Maschinenbau- und Elektrotechnikstudium sollte nicht übersehen werden.

#4 -

Gerd Grözinger | Mi., 14.10.2020 - 15:42
Meine Formulierung war "Überhaupt war die Hochschulforschung in Deutschland in der Frage von Studienerfolg und Studienabbruch lange Zeit vergleichsweise wenig engagiert." Das ist auch die BMBF-Auffassung. In der Begründung der Förderlinie zum Thema heißt es: "In der Hochschulforschung selbst hat das Thema Studienerfolg und -abbruch noch keinen sehr prominenten Stellenwert erlangt." https://www.wihoforschung.de/de/studienerfolg-und-studienabbruch-28.php

#5 -

martinf | Mi., 14.10.2020 - 18:08
Sehr geehrter Herr Grözinger,
ich bin mir nicht sicher, ob die Bezugnahme auf ein Zitat aus einer BMBF-Ausschreibung von vor 4 Jahren geeignet ist, die heutige Forschungslage zu beschreiben - unabhängig davon, dass solche Feststellungen eher zur Begründung der Geldausgabe getroffen werden als sie einen tatsächlichen Wissensstand beschreiben.

#6 -

Olaf Bartz | Fr., 16.10.2020 - 00:19
Ich möchte hier auf eine andere Perspektive aufmerksam machen. Seit der Akkreditierungsrat die Entscheidungen über die Programmakkreditierung trifft (Studiengänge an systemakkreditierten Hochschulen bleiben im Folgenden außen vor), erfragt er auch die Erfolgs- oder Abschlussquote und erwartet vor allem, dass die Hochschulen und die Gutachter/innen der Agenturen über die Zahlen diskutieren.

Die dabei gewonnenen Resultate sind höchst individuell und entziehen sich zunächst einer übergreifenden quantitativen Auswertung. Dies ist auch nicht unser Auftrag - es geht uns primär darum, festzustellen, ob strukturelle Probleme im Studiengang vorliegen, die einer Behebung zugänglich sind.

Gleichwohl lassen sich einige Beobachtungen festhalten. Beispielsweise können die internen Datenhaltungen ...

#7 -

Gerd Grözinger | Fr., 16.10.2020 - 19:09
Ja, das ist ein interessanter Gesichtspunkt, über den wir leider zur Zeit wenig Sicheres wissen. Wir haben deshalb - neben einer ganzen Reihe anderer Überlegungen zur Verbesserung der Hochschulstatistik - Folgendes vorgeschlagen: "Die Hochschulen sollten weiter nachträglich melden müssen, wenn Immatrikulierte im ersten Semester weder eine Studienleistung erbracht, noch sich für das zweite rückgemeldet haben. Dann könnte die individualbasierte Statistik des Startsemesters um diese Variable erweitert, eine Startkohorte um solche ‚No-shows‘ bereinigt werden."

https://econpapers.repec.org/paper/flnwpaper/032.htm

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