Es ist nicht fair, alle Schulen gleich zu behandeln
Wenn die Politik mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen möchte, muss sie sich an ein Tabu trauen: die Finanzierung unseres Bildungssystems per Gießkanne.

Foto: Pixabay/ Beeki
ES WÄRE DIE womöglich wichtigste Veränderung für unser Bildungssystem. Ganz sicher aber wäre es auch eine der umstrittensten. Es geht um den Mut zur Ungleichbehandlung.
Die Idee ist nicht neu. Der Bildungsökonom Ludger Wößmann beschreibt sie wie folgt: "Wieviel Geld eine Schule erhält, könnte doch auch davon abhängen, welchen sozialen Hintergrund ihre Schüler haben." Übersetzt bedeutet das: Ein Gymnasium im gutbürgerlichen Stadtteil bekäme weniger Euro für Lehrerstellen und Ausstattung als die Oberschule im Hochhausviertel. "Im derzeitigen System, in dem die öffentliche Schulfinanzierung per Gießkanne erfolgt, profitieren vor allem die Schüler, die ohnehin schon bessergestellt sind", sagt Wößmann, der am Münchner ifo-Institut forscht.
Der im Hintergrund arbeitende Mechanismus ist schnell erklärt: Sind die Lehrergehälter identisch, ziehen Bewerber im Zweifel die Schule im sozial stabileren Stadtteil vor. Bei der Ausstattung läuft es ähnlich: Bekommen beide Schulen das gleiche Budget für Technik, Möbel oder Sportgeräte, haben die Schüler im vermeintlichen Brennpunkt-Viertel wahrscheinlich weniger. Denn bundesweit sind es vor allem die gutbürgerlichen Gymnasien, an denen Eltern finanzstarke Fördervereine etabliert haben.
Hier ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Neuen Kommentar hinzufügen