Über manche Aussagen wundere ich mich schon
Bis 2021 sollen die Abiturnoten bundesweit "annähernd" vergleichbar sein, haben die Kultusminister überraschend versprochen. Aber wie soll das gehen? Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) erklärt die Pläne und warnt gleichzeitig vor überzogenen Ansprüchen an die Bildungspolitik.

Herr Rabe, Ende 2017 hat das Bundesverfassungsgericht die mangelnde bundesweite Vergleichbarkeit der Abiturnoten kritisiert und unter anderem deshalb das bisherige Zulassungsverfahren im Studienfach Medizin kassiert. Und nur ein paar Monate später verkünden die Schulminister zur Überraschung ihrer Kollegen im Wissenschaftsressort, bis 2021 hätten sie dieses Jahrzehnte alte Problem gelöst . Meinen Sie das ernst?
Natürlich. Wir haben in den letzten drei Jahren erstaunliche Erfolge erzielt. Noch nie waren die Abiturnoten so vergleichbar wie jetzt. Das darf uns schon mutig machen. Allerdings wundere ich mich auch über die zunehmend überzogenen Ansprüche an die Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen. Der Numerus Clausus existiert seit 50 Jahren, und zu keinem Zeitpunkt in diesem halben Jahrhundert waren die Abiturnoten auch nur annähernd so vergleichbar, wie sie es heute bereits sind. Es hat jahrzehntelang nicht einmal gestört, dass sich das Abitur selbst innerhalb eines Bundeslandes von Schule zu Schule massiv unterschied. Ich habe in Schleswig-Holstein ein Gymnasium besucht, und da war es ein offenes Geheimnis, dass die Nachbarschule beim Abitur ganz andere Bewertungsmaßstäbe anlegte. Trotzdem hat der Numerus Clausus all die Jahre funktioniert, und weder die Politik noch die Justiz hatten damit offenbar allzu große Probleme.
Ganz so stimmt das nicht. Es gab in den 70er Jahren ein Ausgleichsverfahren beim NC über Bonus- und Maluspunkte je nach Bundesland.
Aber nur kurz - und nur in der Medizin. Insgesamt hat man die Unterschiedlichkeit beim Abitur lange mit großem Gleichmut toleriert.
Zweifelsohne sind die gesellschaftlichen Erwartungen an die Vergleichbarkeit der Noten gestiegen. Selbst wenn es das Urteil der Verfassungsrichter nicht gäbe, müssten Sie sich dem doch stellen.
Das ist richtig, und das will ich auch tun. Ich habe allerdings zunehmend den Eindruck, dass an die Schule Gleichheits-Maßstäbe angelegt werden, die man von keinem anderen Lebensbereich ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Neuen Kommentar hinzufügen