Heidelberger Windungen
Bluttest-Skandal: Wird das Universitätsklinikum jetzt auch noch zum Vorbild für eine misslungene Aufklärung?

Foto: Ewa Urban / pixabay - cco.
ANGEFANGEN HATTE ALLES mit der Affäre um einen umstrittenen Test zur Brustkrebs-Früherkennung. Es war der 21. Februar 2019, und die BILD -Zeitung brachte die ganz große Story: Eine " Weltsensation aus Deutschland " sei das, die da aus Heidelberg komme. Am gleichen Tag hielt Christof Sohn, geschäftsführender Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik, eine in der Gynäkologen-Szene mittlerweile fast schon legendäre Pressekonferenz ab. Die parallel veröffentlichte Pressemitteilung, herausgegeben vom Uniklinikum, sprach von einem "Meilenstein" und einer "neue(n), revolutionäre(n) Möglichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen".
Fast schon legendär finden viele Gynäkologen, die die Aufzeichnung der Pressekonferenz gesehen haben, den Enthusiasmus, mit dem Sohn darin einen nicht marktreifen Test als atemberaubenden Durchbruch verkauft habe. Legendär – und erschütternd. "Welch ein Blödsinn der da von sich gibt, der hat keine Ahnung, wovon er redet", zählt noch zu den netteren Kommentaren, die führende Gesundheitsforscher und Kliniker seitdem zu Protokoll geben. Bislang allerdings noch, ohne namentlich zitiert werden zu wollen. Aber da baut sich in der Szene gerade etwas auf. Der Frust ist enorm über einen Mediziner, der, so sehen viele seiner Kollegen das, das Image einer ganzen Fachdisziplin beschädigt habe.
Sohns Versprechungen wurden Stück für Stück zerpflückt
Die Angaben, die Sohn in der Pressekonferenz gemacht hat, sind in den vergangenen drei Monaten Stück für Stück zerpflückt worden: Die von den Heidelbergern gepriesene Trefferrate von 75 Prozent, mit der kranke Patienten durch den Test erkannt werden sollen, sage gar nichts, weil Sohn gleichzeitig die "Falsch-Alarm-Rate" unerwähnt gelassen habe – also wie oft Patientinnen, die nicht krebskrank sind, mit einem positiven Testergebnis konfrontiert werden. Das kritisierten schon nach wenigen Tagen der Max-Planck-Forscher Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und Thomas K. Bauer, Vizepräsident des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung – und erklärten die Bluttest-Pressemitteilung zur "Unstatistik des Monats".
Zuletzt führten Recherchen von Medwatch sogar zu dem Schluss, "dass der Test anders als bislang kommuniziert nicht nur nicht marktreif ist – sondern eigentlich wertlos." Die Medizinjournalisten hatten ...
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