Direkt zum Inhalt

Ist das eine Strategie?

Die Bundesregierung hat ihre "Nationale Weiterbildungsstrategie" vorgelegt. Doch verdient sie diesen Titel wirklich? Ein Gastbeitrag von Bernd Käpplinger.

Bild
Artikelbild: Ist das eine Strategie?

Bernd Käpplinger ist Professor für Weiterbildung an der Universität Gießen und Vorsitzender der Sektion Erwachsenenbildung in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Foto: A. Schaal.

NACH RUND ACHT MONATEN ist sie nun veröffentlicht: die "Nationale Weiterbildungsstrategie ". Ministerien loben sich damit, dass dies erstmals eine nationale Strategie für diesen Bereich sei. Man mag darüber diskutieren, ob dem anhand von „Konzertierter Aktion Weiterbildung“ und ähnlichen Initiativen in der Vergangenheit tatsächlich so ist. Das Hamsterrad der Beschleunigung dreht sich und das Gestern ist auch in Ministerien schnell vergessen.

Aber ist das wirklich eine Strategie, die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gestern vorgelegt haben? Der erste Eindruck ist eher, dass man in einem Konvolut liest. Es wirkt so, als habe man bestehende Aktivitäten mit länger geplanten Initiativen verbunden und auf die Schnelle mit der Überschrift "Strategie" etikettiert.

"It's not the economy, stupid!"

Allerdings würde Konvolut meinen, dass so ziemlich alles zusammengefasst wurde. Dem ist nicht so. Es fällt auf, dass die nicht-berufliche, allgemeine Erwachsenen- und Weiterbildung in der "Nationalen Weiterbildungsstrategie" komplett ausgeblendet wurde. In den 1990er Jahren ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Rainer Thiel | Do., 13.06.2019 - 17:10
Lieber Herr Käpplinger,

es ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer: In der BA wird mit viel Tamtam die Lebensbegleitende Berufsberatung eingeführt, die BerufsberaterInnen erhalten mehr Qualifizierung, und alles wird durcheinandergewirbelt. Gleichzeitig erfahren wir, dass künftig alle Berufsberater alles beraten können sollen, also derselbe Berater den Hauptschüler und den Gymnasiasten und den Studierenden, das heißt die Beratungsqualität soll gesteigert(!) werden, indem die Beratungskräfte flexibel alle Zielgruppen beraten. Sie müssen also alle Bildungswege im Kopf haben und zielgruppenangemessen berücksichtigen, und das in der von Ihnen völlig richtig als "hochdynamische Welt mit ihren Disruptionen und Transformationen".

Mit anderen Worten: Nicht einmal das von ...

#2 -

Udo Michallik | Do., 13.06.2019 - 17:26
„Die OECD soll laut Strategie ein Länderbericht zu beruflicher Weiterbildung erstellen.“ - Wo nimmt die OECD insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung/ Weiterbildung die Kompetenz für einen Länderbericht Deutschland her, nachdem es gerade die OECD war, die über Jahrzehnte mit der besonderen Form der beruflichen Bildung im deutschsprachigen Raum gefremdelt und Deutschland in die heute viel kritisierte Entwicklung der Akademisierung getrieben hat?

#3 -

Ekkehard Nuissl | Do., 13.06.2019 - 17:39
Lieber Herr Käpplinger,

von Strategien kann man im Bildungsbereich, insbesondere in der Weiterbildung, schon seit langem nicht mehr sprechen. Der Begriff wird hier einmal mehr korrumpiert. Und leider steht die Bundesregierung mit ihrer Einäugigkeit beim Blick auf eine nur berufliche Weiterbildung in Europa nicht allein, die Dokumente der EU wurden im letzten Jahrzehnt immer einseitiger und dürftiger. Was hier bedenklich stimmt ist nicht nur das Fehlen von Ziel und Konzept, sondern auch die Ignoranz gegenüber dem Kenntnisstand zur Weiterbildung. Offenbar wurde keine Zeit verschwendet, einmal einen Blick zu werfen in Expertisen, Analysen, Konzepte, "Strategien" (etwa KMK oder die von Ihnen ...

#4 -

Bernd Käpplinger | Fr., 14.06.2019 - 11:06
Hallo!
Ich bin separat mehrfach angemailt worden, was ich mit der "Konzertierten Aktion Weiterbildung" meine. Hier nur ein Hinweis wie das Thema Weiterbildung zum Beispiel 1987 einmal strategisch diskutiert und angegangen wurde:
https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/bulletin/konzertierte-aktion-weiterbildung-ansprache-von-bundesminister-moellemann-808810

Mit besten Grüßen

Bernd Käpplinger

#5 -

Andreas Ogrinz, BAVC | Fr., 14.06.2019 - 21:09
Lieber Herr Professor Käpplinger,

gut, dass Sie auf in der Tat kritische Punkte in der Nationalen Weiterbildungsstrategie hinweisen; insbesondere teile ich Ihr Unbehagen an einem enggeführten Bildungsbegriff. Gar nicht gut finde ich aber Ihren fast schon in Richtung eines Politik-Bashings gehenden Ton. Als Verteter der wissenschaftlichen Zunft hätte ich mir ein wenig mehr Verständnis für das Wesen politischer Aushandlungsprozesse gewünscht. Ich selbst war an dem Entstehungsprozess der Nationalen Weiterbildungsstrategie beteiligt: Hier wurde, das kann ich bezeugen, in einer hochheterogenen Gruppe um ein hochrelevantes Thema gerungen, und zwar sehr ernsthaft. Natürlich kann man darüber streiten, ob hier eine "Strategie" im strengen ...

#6 -

Bernd Käpplinger | Fr., 14.06.2019 - 22:08
Sehr geehrter Herr Ogrinz,



viele Dank für Ihren Kommentar. Ich kann Ihnen absolut darin zustimmen, dass - wie auf dem Deckblatt des Strategiepapiers im Übrigen transparent für alle ersichtlich - vor allem die Arbeitgeberverbände, Kammern, Gewerkschaften, BA und Ministerien hochheterogen und äußerst zahlreich vertreten waren.

Gerade weil ich wie auch Sie einer Politikverdrossenheit entgegenwirken möchte, würde ich mir jedoch für die nächste Phase der Arbeit und Umsetzung eine breitere, ernst gemeinte Beteiligung auch der Praxis (z.B. Verbände der Erwachsen-/Weiterbildung sowie Berufsverbände der Beratung) wünschen.

Mir geht es gerade am Ende meines Kurzbeitrags nachdrücklich um die nächsten Schritte, wo man sicherlich ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Warum wir uns nicht um eine Gefälligkeitsevaluation bewerben

Warum wir uns nicht um eine Gefälligkeitsevaluation bewerben

Das BMBF hatte die Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ausgeschrieben. Doch es bringt nichts, sich daran zu beteiligen. Ein Offener Brief des Netzwerks für Gute Arbeit in der Wissenschaft an Anja Karliczek. Foto: Mike Lawrence / flickr - CC BY 2.0 SEHR GEEHRTE FRAU MINISTERIN, sehr geehrte Damen und...


  • Lange Linien statt kleiner Münze

Lange Linien statt kleiner Münze

Debatten um einen angeblich schrumpfenden BMBF-Haushalt lenken vom eigentlichen Problem ab: Die Länder müssen sich zur Priorität Bildung bekennen. Das Geld dafür haben sie. Ein Gastbeitrag vor der Frühjahrssitzung der Kultusminister. Von Ernst Dieter Rossmann. Bild: Screenshot Duden-Wissensnetz.


  • Artikelbild: Beruf

Bitte keine Pseudoakademisierung!

Wir brauchen für die Berufsbildung Abschlussbezeichnungen auf der Höhe der Zeit, keine semantischen Kopien. Ein Gastbeitrag von Theresia Bauer. Grafik: MB / mohamed_hassan / pixabay - cco. DAS JAHR 2019 ist für die Bildungs- und Wissenschaftspolitik das überfällige Jahr der Entscheidungen: Die Hochschulpakte, die...