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Lasst die Klausuren endlich sterben

Es ist zynisch, aber wahr: Die Corona-Krise wurde von den

Hochschulen für überfällige Reformen in Studium und Lehre genutzt.

Zeit, endlich auch an die Prüfungsformate zu gehen. Ein Gastbeitrag

von Franziska Chuleck.

EINIGE HOCHSCHULEN haben kurzfristige Lösungen entwickelt. Doch die Lösung der TU Darmstadt kam so kurzfristig, dass sie nicht mehr viel nützen wird. So kritisierte es zumindest der Darmstädter AStA per Pressemitteilung: Anstatt dass die Universität grundsätzlich auf alternative Prüfungsformen und Online-Klausuren umgestellt habe, müssten viele Studierende demnächst doch in Präsenz antreten. Weil das Präsidium zu spät gehandelt habe.

Bild
Artikelbild: Lasst die Klausuren endlich sterben

Franziska Chuleck studiert Informatik im Bachelor an der TU Darmstadt und ist Mitglied im Studentischen Akkreditierungspool.

Foto: privat.


Dass viele deutsche Hochschulen ihre Studierenden dadurch einem Risiko aussetzen und noch dazu all jene wissenschaftlich Mitarbeitende, die die Präsenz-Prüfungen beaufsichtigen müssen, dass sie kaum Rücksicht nehmen auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Hochschulangehörigen, ist ein Missstand, der schon vor vielen Jahren hätte verhindert werden können. Denn die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Klausuren als Prüfungsformat stellt sich nicht erst seit der Corona-Krise.

Klausuren sind tief im Selbstver-ständnis der Academia verankert. Dabei legen die Landesstudien-

akkreditierungsverordnungen

lediglich fest, dass die Module mit höchstens einer, das Modul



umfassenden ...

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Kommentare

#1 -

Sara Köser | Do., 11.02.2021 - 14:36
Der Kompetenzorientierung als Ziel stimme ich absolut zu. Den Weg dorthin sehe ich allerdings vielfältiger. Realitätsnahe, kompetenzorientierte Aufgaben sind auch im Multiple-Choice-Format gut möglich. Der Charme der mündlichen Prüfungen wird durch Biases und Ermüdung getrübt.



Das Kernproblem ist aus meiner Sicht: Viele Lehrende haben nicht genug Wissen, Zeit oder Muße, Prüfungen gut zu gestalten. Wenn man das kann und will, ist es in jeder Prüfungsform möglich.



Die Debatte um gute Prüfungen müssen wir genauso führen wie die um gute Veranstaltungen - absolut! Jedoch vernachlässigen die meisten aktuellen Beiträge, was mich als Prüferin aktuell am meisten belastet: Onlineprüfungen erschweren das Abprüfen ...

#2 -

Philipp Geweg | Do., 11.02.2021 - 16:00
Dem vorhergehenden Beitrag kann man zustimmen. Prüfungen müssen auch machbar sein, gerade in großen Veranstaltungen. Da geht nach meiner fast 50-jährigen
Erfahrung als Lehrperson kein Weg dran vorbei. Man kann doch auch mit einer guten Klausur Kompetenz abfragen. Das "Narrativ" einer "kompetenz-orientierten Prüfung" ist doch einfach nur eine Chimäre. Gerade bei
StudentInnen der Informatik kenne ich mich ziemlich gut aus.

#3 -

Lorenz | Do., 11.02.2021 - 18:13
Ich denke ja, dass wir das besser gleich ganz lassen sollten mit den Prüfungen. In einer Sitzung hat ein Professor da letztens zu mir gesagt "Jedes mal, wenn ich eine Note gebe, fühle ich mich falsch dabei" - da Sprach er mir aus der Seele. Der Sinn eines Studium ist zu lernen, nicht Lernfortschritt nachzuweisen. Sehr oft verlieren wir aber aktuell das Lernen aus den Augen. Und ich denke, dass das daran liegt, dass dieses System dazu so belohnt und so motiviert. Studierende, die einfach nur lernen wollen, passen nicht ins System und bekommen das auch immer wieder zu spüren.

#4 -

Matthias Willems | Do., 11.02.2021 - 22:34
In dem Artikel sind durchaus gute Gedanken zum Thema Kompetenzorientierung in Klausuren.
Allerdings halte ich es gerade in Informatik-Klausuren für sehr gut möglich, Klausuren kompetenzorientiert zu konzipieren und zu bewerten.
In diesem Punkt ist es mir trotz meiner ernsthaften Auseinandersetzung mit der Thematik nicht gelungen zu verstehen, warum es unzumutbar oder zu schwierig ist, einen Algorithmus auf Papier zu bringen.

#5 -

Lea | Do., 11.02.2021 - 23:34
Teamarbeit und Internetrecherche, die schnell zu qualitativ hochwertigen Antworten führt, sind wichtige Kompetenzen, also dürfen die auch gerne Bestandteil einer Prüfung sein. Gerade Informatik verstehe ich weder als Forschungsfeld noch als Arbeitsfeld, in dem einmal auswendig gelerntes Wissen viel nützt. Man arbeitet in Teams. Das nötige Wissen erweitert und ändert sich ständig, also muss ich lernen mir selbstständig Neues anzueignen und das geht am besten über Internetrecherche. Das ist zumindest mein Eindruck nach einem halben Bachelorstudium Informatik.



Welche Fähigkeiten sollen wir lernen? Ist diese Frage überhaupt geklärt?

Ich will lernen, mich auch kritisch mit Theorien und Forschung auseinanderzusetzen. Dafür wäre ...

#7 -

snaums | Fr., 12.02.2021 - 10:14
Im Grunde stimme ich dem Text voll zu. Klausuren sind antiquiert, auf Papier zu programmieren ist abwegig und dass ich nicht im Internet nachkucken darf ist völlig realitätsfern. Es müsste darum gehen, dass die Studis Aufgaben lösen, die der Realität entsprechen - Definitionen hinschreiben ist nicht mehr realistisch - die steht auf der Wikipedia.



Leider geht der Text da nicht drauf ein, was denn alternativen sein könnten. Hausarbeiten wurden in den Kommentaren genannt, das ist eine Möglichkeit Sachverhalte in Perspektive zu setzen, in der Informatik aber durchaus schwierig (kommt aber definitiv zu selten vor!) Programmierprojekte abzugeben und vorzustellen halte ich ...

#8 -

Lukas | Fr., 12.02.2021 - 12:22
Danke für den Artikel. Der enthält alle meine Kritikpunkte und ist dabei wesentlich besser recherchiert als meine regelmäßigen Rants. Über das Klausurformat und den Klausurenfetisch einiger Institute rege ich mich schon seit Jahren auf.



In der Informatik an der TU fand ich's ganz besonders schlimm. Habe deshalb letztes Semester meinen MSc dort abgebrochen.



Zumal ich erst kürzlich rausgefunden habe, dass ich ADHS habe. Im Bachelor bin ich deshalb durch ca 50 % der Klausuren gefallen, während ich in Projekten und mündlichen Prüfungen immer 1,x habe.

#10 -

Johannes | Fr., 12.02.2021 - 19:43
Meine Erfahrung aus 2 Universitäten(1x privat, 1x staatlich) hat mir gezeigt, daß Klausuren oft nur als notwendiges übel von einigen Dozenten gesehen werden. Besser so bewerten, als 35 Hausarbeiten durchzuackern. Irgendwo verständlich. Und oft kommt man sich vor als hätten sie die Themen einfach aus allen möglichen Fachbüchern zusammen gesucht und überschütten die Studenten damit, ob es fachlich sinnvoll ist oder oft eben nicht. Der Realitatsbezug fehlt gerade in Grundlagenfächern bis zum 3. Semester ganz. Gerade praxisbezogene Fächer wie Informatik oder Maschinenbauwerden so mit unnützem Wissen zugemüllt. Deshalb bin ich nach dem 2. Bachelor lieber in eine Ausbildung gewechselt. Da ...

#11 -

Georg | Fr., 12.02.2021 - 20:22
Das erste "Corona" Argument ist nur in Pandemiezeiten valide. Äquivalent könnte man fordern, dass man Öffentlichen Nahverkehr "sterben" lassen soll, weil man sich dort viel leichter anstecken kann als im Auto. Generell scheint sich jeder durch die Pandemie in seinem Weltbild bestätigt zu fühlen, hier ist ein schöner Artikel dazu:

https://www.zeit.de/2021/07/ideologie-corona-krise-kapitalismus-oekologie-digitalisierung



Das zweite Argument liegt in der mangelnden Kompetenzorientierung, auf der die zweite Hälfte des Artikel aufbaut. Einzig die Begründung weshalb eine klassische Klausur nicht kompetenzorientiert sein kann fehlt. Auch eine gute Alternative zu klassichen Klausuren fehlt im Text. Wenn man eine solche Institution abschaffen will, braucht man einen guten ...

#12 -

Michael Vogel | Fr., 12.02.2021 - 23:51
An der Mondragón Universität in Spanien gibt es (mindestens) einen Studiengang, den die Studierenden in festen Teams von ca. 15 Personen über sieben Semester durchlaufen und den sie nur im Teams bestehen können. Niemand kriegt einen Abschluss, solange nicht jedes Teammitglied alles bestanden hat. Zwar muss jede Person jedes Modul absolvieren, aber innerhalb des Teams ist jede gegenseitige Hilfe zulässig. Damit können sich alle auf ihre Stärken konzentrieren und lernen den Wert von Team und Unterschiedlichkeit zu schätzen.



Dem Einwand, dann würde ja nicht jeder alles lernen, entgegnen die Lehrenden mit dem Argument, Teamkompetenz und Arbeit an den eigenen Stärken ...

#13 -

Edith Riedel | Sa., 13.02.2021 - 20:13
Ja, Klausuren können durchaus lästig sein. Sowohl für Studierende als auch für Lehrende. Aber wer so vehement ihre Abschaffung fordert, der sollte auch konkrete, praktizierbare Alternativen vorschlagen. Nur mosern ist nicht, das gilt für Prüfungsformate genauso wie für die Wissenschaft :-)

#14 -

Jörn Loviscach | So., 14.02.2021 - 20:59
https://j3l7h.de/blog/2020-05-26_15_36_Take-Home-Pr%C3%BCfungen%20als%20ultimative%20Kompetenzorientierung

#15 -

Klausuren vert… | So., 14.02.2021 - 22:04
Grade in Programmierung müssen Klausuren geschrieben werden. Ob an einem pc oder auf Papier ist egal. Der Prüfling muss zeigen, dass er grundlegende Konzepte auch ohne zu googeln kann. Da geht es nicht um die MRO in Python sondern die Idee einer Closure oder lambda function.

Dazu ist der Hauptzweck einer Klausur, dass man den ganzen Stoff nochmal einordnen und durcharbeiten muss. Durch eine gut gestellte klausur kommt man auch an grottenschlechten Tagen durch.

Ansonsten geht mir eine praxisrelevante Alternative 200 studis auf Grundlagen zu prüfen. Aber hier ist noch ein Kommentar, der das tut. Rum meckern und selber nicht ...

#16 -

H | Mo., 15.02.2021 - 20:22
Zum in den Kommentaren viel diskutierten Thema Algorithmen auf Papier bringen zu müssen. Meiner Meinung nach wird die oft geforderte Kompetenzorientierung mit dem runterrechnen eines Algorithmus auf Papier nicht erfüllt. Warum? Ich kann einen Algorithmus auswendig lernen oder stupide von meiner Formelsammlung abschreiben ohne dabei zu verstehen was er eigentlich tut, und dabei trotzdem das richtige Ergebnis berechnen. Meines Erachtens nach wäre es sinnvoller zu Fragen welchen Vorteil/Nachteil ein Algorithmus gegenüber einem anderen hat. Fragen, die sich auch wunderbar in mündlichen Prüfungen stellen lassen. Ich habe diese Woche eine entsprechende Klausur vor mir und habe beim lernen diesesmal größere Konzentrationsprobleme ...

#18 -

Anonym | Di., 16.02.2021 - 21:31
In meinem Studiengang (Pharmazie) in Bonn wird fast jede Klausur in Präsenz geschrieben obwohl es auch online Möglichkeiten gibt. Der Witz ist daran noch, dass die Assistenten teilweise selber für Corona forschen und eigentlich am besten wissen müssten wie man es richtig angehen sollte..

#19 -

Anna-Lena Hebel | Do., 18.02.2021 - 13:15
Einige Kommentare zum Artikel, die recht vehement alternative Vorschläge oder noch besser gleich die Lösung auf dem Silbertablett fordern finde ich problematisch. Problematisch deshalb, weil zum einen suggeriert wird, dass nur Personen, die eine einsatzfähige Lösung mitbringen sich am Diskurs zur Weiterentwicklung von Studium und Lehre beteiligen sollten (ich denke nicht nur ich verstehe die gesetzlich verankerten Rechte und Pflichten aller Hochschulangehörigen anders). Zum anderen wird mit der Verschmähung von Kritik (in solchen Fällen dann auch gerne mosern oder meckern genannt) an der aktuellen Gestaltung von Prüfungsformaten und auch generell im Wissenschaftsbereich ein Bild von Hochschulen gezeichnet, dass ich nicht ...

#20 -

Perry William | Do., 18.02.2021 - 16:31
Ich finde die Prüfungen sollten ganz abgeschafft werden zumindest bei den meisten Studiengängen. Ich studiere beispielsweise online marketing, und in unsere whatsapp Gruppe geht es nur noch darum die Prüfungen zu bestehen doch wir haben alle gemerkt (nicht nur in unseren Studiengang sondern generell studierende an sich) dass wir nach dem Studium alles vergessen haben was wir gelernt haben, wo ist also der Sinn? Als ob ich für ein marketing job viel besser vorbereitet bin als jmd der kein Studium hat, ja das eine oder andere wort wie marketing Mix kennt man ausm Studium aber das arbeiten an sich im ...

#21 -

Thorben | Fr., 25.06.2021 - 03:39
Das Lesen einiger Kommentare hier macht mich wütend.

Dem Text kann ich aber sehr gut zustimmen.

Zu den konkreten Formen: Mündliche Prüfung, Open-Book-Take Home Klausur, Programmieraufgaben(wenn man prüfen möchte, ob jemand Algorithmen richtig anwenden kann) aber bitte am PC und nicht auf Papier, Hausarbeiten(habe keine einzige in meinem Studium, weder Hauptteil noch Wahlpflichtteil), Praktika, Gruppenarbeiten, Semesterabgaben um ein paar zu nennen, die mir grade dazu einfallen, aber eigentlich ist es vermessen das von uns zu verlangen, wir sind Studierende, keine Lehrende, deren Aufgabe ist es diese Vorgaben zu erfüllen, das ist ihr Job, dafür bekommen sie Geld.

In der Corona-Krise ...

#22 -

Georg | Sa., 14.08.2021 - 11:55
@Thorben



"Es gibt Menschen, die können sich schlecht ausrücken, oder ihre Gedanken schwerer zu Papier(oder Blog) bringen"



Hier sprichst du es genau an. Der eine kann vielleicht besser reden, der andere ist schriftlich besser. Es gibt auch viele Menschen, die eine mündliche Klausur extrem stresst, wegen der sozialen Komponente und der Angst sich vor dem Dozenten zu blamieren. Natürlich hat man da Präferenzen. Der Unterschied ist aber, dass die Bedingungen bei schriftlichen Klausuren gleich sind, bei mündlichen aber nicht.



Die Dozenten können die Studenten deutlich besser zuordnen, wenn sie neben dem Namen auch noch ein Gesicht und eine Stimme zur ...

#23 -

Lernenmachteig… | So., 01.05.2022 - 16:41
Klausuren diskrimineren die biologischen Eigenschaften von Menschen. Die einen können in so einer künstlich geschaffenen Stressumwelt gut funktionieren, die anderen nicht. Ich bin bei Studienarbeiten immer top und kriege meinen Stress bei Klausuren trotz psychologischer Unterstützung nicht weg. Nach einer Klausur weiss ich wieder alles und erkläre es meinen Mitstreitern wenn sie fragen haben. Kurzum, Klausuren haben das Potential gute Leistungen zu zerstören und berauben Menschen mit gleichwertigem Potential ihrer Lebenszeit und Chancen.

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