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Die Dreifaltigkeit des Versagens

Die großen Wissenschaftsverlage sitzen weiter fest im Sattel. An der Qualität ihrer Arbeit kann es nicht liegen: Immer mehr Aufrufe fordern, das kaputte und destruktive Zeitschriftensystem durch zeitgemäße Lösungen zu ersetzen. Ein Gastbeitrag von Björn Brembs.

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Artikelbild: Die Dreifaltigkeit des Versagens

Titelseite des verschwundenen Australasian Journal of Bone & Joint Medicine .

Quelle: Scan von der Website the-scientist.com

MANCHMAL IST PAPIER doch nützlich: Dieser grisselige Scan auf der Webseite von The Scientist gehört zu den wenigen Spuren, die das Australasian Journal of Bone & Joint Medicine hinterlassen hat. Das Blatt war Teil eines Bündels von Fake-Zeitschriften , die der Elsevier-Verlag als peer-reviewed journals anbot, die tatsächlich aber Werbung machten – unter anderem für das Medikament Vioxx des Pharmakonzerns Merck, das nach Todesfällen hastig vom Markt genommen wurde.

Die neun Fake-Zeitschriften sind nur ein Beispiel aus Jahrzehnten der Ausbeutung der Wissenschaft durch die Zeitschriftenverlage: Der Versuch, Open Access entweder durch den amerikanischen Research Works Act kriminalisieren oder durch PR diskreditieren zu lassen, die Bekämpfung von green open access , das Hintergehen von universitären Verhandlungspartnern und gegenwärtig das Ausforschen von Wissenschaftler*innen durch die Installation von Trackingtechnologien auf den Verlagsplattformen – sowie das Basteln an einer neuen Seidenstraße der Wissenschaftskommunikation durch Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden. In einer Zeit, in der die politischen Kultur- und Stammeskämpfe auf das Gebiet der Wissenschaft übergegriffen haben und in der Vertrauen in die Redlichkeit der Forschung damit so elementar nötig ist, wird damit das ...

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Kommentare

#1 -

Laubeiter | Do., 07.10.2021 - 12:23
Sehr überzeugend liest sich das für mich. Ich habe die Frage, wie die Sicht in China, Japan und den USA ist. Wenn ich eine gedruckte Ausgabe von Nature in die Hand nehme, sind die ersten zehn bis fünfzehn Seiten fast immer belegt mit Selbstdarstellungen chinesischer und japanischer Universitäten, die diesen Platz als Werbung für sich kaufen. Ich deute dies so, das chinesische und japanische Universitäten das -auch in diesem Artikel behandelte- Renommée von Zeitschriften wie Nature für einen Schlüssel halten zu ihrem Erfolg in der globalen Konkurrenz, als den diese Universitäten die Wissenschaft vielleicht sehen. Werden diese Universitäten einbezogen in ...

#2 -

Gerold Hüthermann | So., 10.10.2021 - 02:00
Zum Glück habe ich dieses absurde System nach mehr als 40 Jahren aktiver Forschung verlassen, aber man verfolgt ja die Entwicklung der Dinge doch noch. Wie die Menschheit durch den Umgang mit fossiler Energie die Welt fast unbewohnbar gemacht hat, so hat das Verlagsunwesen die Wissenschafslandschaft in fast absurder Art und Weise deformiert. Der Artikel enthält meines Erachtens einige brauchbare Ideen und Ansätze.

#3 -

Klinger | Do., 14.10.2021 - 14:00
Nur der Genauigkeit wegen:
Der zu Beginn genannte Pharmakonzern Merck ist nicht die deutsche Firma Merck Darmstadt, sondern Merck Sharp & Dohme aus den USA. Der Artikel gibt das Verlagsunwesen meiner Meinung nach völlig korrekt wieder. Ich war Mitarbeiter beim Springer-Verlag und habe die Veränderungen miterlebt.

#4 -

Mittermaier | Fr., 15.10.2021 - 10:09
Teil des Problems ist das Schwarze-Peter-Spiel, welches einen Umstieg blockiert:

- wenn "die" Wissenschaftler:innen anderswo publizieren würden, sähe die Welt anders aus

- wenn "die" Bibliotheken alles abbestellen würden, sähe die Welt anders aus

- wenn "die" Forschungsförderer, "die" Berufungskommissionen etc. keine Wert mehr auf Impactfaktoren und andere bibliometrische Größen legen würden, sähe die Welt anders aus

Das Problem ist: Niemand macht den ersten Schritt, denn "die" sind jeweils sehr viele, die nicht kollektiv handeln.

Die Plattform ORE wäre allerdings geeignet für eine Initialzündung: Wenn die EU (d.h. eine einzige Instanz!) dazu *verpflichten* würde, jegliche von ihr geförderte Forschung primär ...

#5 -

Björn Brembs | Fr., 15.10.2021 - 11:13
Eigentlich ist ja die erste Regel des Internet "Lies nie die Kommentare", doch diese hier waren bisher ausserordentlich lesenswert.

#1: Aus China kommt sehr wenig hier an, kann da eigentlich kaum etwas dazu sagen, könnte aber lediglich ein Sprachproblem sein.

#3: Das nenne ich mal eine Insider-Bestätigung! Ausgezeichnet!

#4: In dem Text, den dieser Post bespricht geht es *gerade nicht* um noch mehr Zwang für Autor*innen - Sie beschreiben ja ganz richtig, dass wir Autor*innen ja schon gezwungen werden (in Verletzung unserer eigentlich grundgesetzlich geschützten Wissenschaftsfreiheit), in den veralteten Journalen zu publizieren. Was soll dann ein Gegenzwang? Laut einer soeben ...

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