Die Dreifaltigkeit des Versagens
Die großen Wissenschaftsverlage sitzen weiter fest im Sattel. An der Qualität ihrer Arbeit kann es nicht liegen: Immer mehr Aufrufe fordern, das kaputte und destruktive Zeitschriftensystem durch zeitgemäße Lösungen zu ersetzen. Ein Gastbeitrag von Björn Brembs.

Titelseite des verschwundenen Australasian Journal of Bone & Joint Medicine .
Quelle: Scan von der Website the-scientist.com
MANCHMAL IST PAPIER doch nützlich: Dieser grisselige Scan auf der Webseite von The Scientist gehört zu den wenigen Spuren, die das Australasian Journal of Bone & Joint Medicine hinterlassen hat. Das Blatt war Teil eines Bündels von Fake-Zeitschriften , die der Elsevier-Verlag als peer-reviewed journals anbot, die tatsächlich aber Werbung machten – unter anderem für das Medikament Vioxx des Pharmakonzerns Merck, das nach Todesfällen hastig vom Markt genommen wurde.
Die neun Fake-Zeitschriften sind nur ein Beispiel aus Jahrzehnten der Ausbeutung der Wissenschaft durch die Zeitschriftenverlage: Der Versuch, Open Access entweder durch den amerikanischen Research Works Act kriminalisieren oder durch PR diskreditieren zu lassen, die Bekämpfung von green open access , das Hintergehen von universitären Verhandlungspartnern und gegenwärtig das Ausforschen von Wissenschaftler*innen durch die Installation von Trackingtechnologien auf den Verlagsplattformen – sowie das Basteln an einer neuen Seidenstraße der Wissenschaftskommunikation durch Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden. In einer Zeit, in der die politischen Kultur- und Stammeskämpfe auf das Gebiet der Wissenschaft übergegriffen haben und in der Vertrauen in die Redlichkeit der Forschung damit so elementar nötig ist, wird damit das ...
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Kommentare
#1 - Sehr überzeugend liest sich das für mich. Ich habe die…
#2 - Zum Glück habe ich dieses absurde System nach mehr als 40…
#3 - Nur der Genauigkeit wegen:Der zu Beginn genannte…
Der zu Beginn genannte Pharmakonzern Merck ist nicht die deutsche Firma Merck Darmstadt, sondern Merck Sharp & Dohme aus den USA. Der Artikel gibt das Verlagsunwesen meiner Meinung nach völlig korrekt wieder. Ich war Mitarbeiter beim Springer-Verlag und habe die Veränderungen miterlebt.
#4 - Teil des Problems ist das Schwarze-Peter-Spiel, welches…
- wenn "die" Wissenschaftler:innen anderswo publizieren würden, sähe die Welt anders aus
- wenn "die" Bibliotheken alles abbestellen würden, sähe die Welt anders aus
- wenn "die" Forschungsförderer, "die" Berufungskommissionen etc. keine Wert mehr auf Impactfaktoren und andere bibliometrische Größen legen würden, sähe die Welt anders aus
Das Problem ist: Niemand macht den ersten Schritt, denn "die" sind jeweils sehr viele, die nicht kollektiv handeln.
Die Plattform ORE wäre allerdings geeignet für eine Initialzündung: Wenn die EU (d.h. eine einzige Instanz!) dazu *verpflichten* würde, jegliche von ihr geförderte Forschung primär ...
#5 - Eigentlich ist ja die erste Regel des Internet "Lies nie…
#1: Aus China kommt sehr wenig hier an, kann da eigentlich kaum etwas dazu sagen, könnte aber lediglich ein Sprachproblem sein.
#3: Das nenne ich mal eine Insider-Bestätigung! Ausgezeichnet!
#4: In dem Text, den dieser Post bespricht geht es *gerade nicht* um noch mehr Zwang für Autor*innen - Sie beschreiben ja ganz richtig, dass wir Autor*innen ja schon gezwungen werden (in Verletzung unserer eigentlich grundgesetzlich geschützten Wissenschaftsfreiheit), in den veralteten Journalen zu publizieren. Was soll dann ein Gegenzwang? Laut einer soeben ...
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