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Was der deutsche 'Transfer' vom britischen 'Impact' lernen kann

An Hochschulen in Großbritannien zählt die gesellschaftliche Wirkung von Wissenschaft wie selbstverständlich zur Bewertung guter Forschung. Was bedeutet das? Ein Gastbeitrag von Albert Kümmel-Schnur.

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Artikelbild: Was der deutsche 'Transfer' vom britischen 'Impact' lernen kann

Albert Kümmel-Schnur ist Literatur- und Medienwissenschaftler und Mitarbeiter im Team "Transfer Lehre" der Universität Konstanz. Bild: Arek Socha / Pixabay.

DEUTSCHE HOCHSCHULEN TUN SICH SCHWER damit, ihre Beziehungen zum außerakademischen Umfeld zu definieren. Vor ungefähr einem Jahrzehnt hat man sich darauf geeinigt, den gut in den Natur- und Ingenieurswissenschaften etablierten Begriff des "Transfers" auszuweiten auf alle Bereiche der Kooperation und Interaktion zwischen außerakademischen und akademischen Akteuren.

Der Vorteil eines bereits eingeführten Begriffs wurde zum Nachteil eines erhöhten Erläuterungsbedarfs. Sollte damit ein allgemeines gesellschaftliches Engagement gemeint sein wie etwa im "service learning"? Suchte man eine größere Nähe zu realen Problemfeldern wie im "problem based learning"? Oder war jetzt jede Übertragung wissenschaftlichen Wissens in nicht-wissenschaftliche Kontexte – etwa ein Vortrag vor einem nichtwissenschaftlichem Publikum – bereits "Transfer"? Transfer als mitlaufende Querschnittsaufgabe oder als zusätzliche dritte Mission neben Forschung und Lehre?

Die Universität Konstanz lud im März den Botaniker und Forschungsdirektor beim DFG-Pendant Research England, Steven Hill, als Keynote Speaker auf eine Klausurtagung ein, die genau solche Fragen beantworten ...

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Kommentare

#1 -

Transfer-Hanna | Do., 16.05.2024 - 18:27
Starkes Fazit!

Vielleicht wäre auch der Begriff "Effect" passend, um die "Wirkkraft" / Wirkung der Hochschultätigkeiten zu unterstreichen. Als "cause and effect" ist das Konzept den Forschenden ja auch bekannt.

Die Berücksichtigung der Wirkung stellt mMn die Grundlagenforschung gar nicht infrage, aber gibt den Hochschulen die Möglichkeit, Transfer format-übergreifend als Mehrwert für sich selbst und die Gesellschaft zu verstehen. Und sie kommuniziert die Legitimation der Hochschulen in einer zukünftigen Gesellschaft.

#2 -

Leif Johannsen | Fr., 17.05.2024 - 10:42
Die Haelfte meiner wissenschaftlichen Karriere habe ich in UK verbracht und daher mitbekommen wie das Research Assessment Exercise durch das Research Excellence Framework abgeloest wurde und spaeter das Teaching Excellence Framework hinzugekommen ist. Auch habe ich bei Drittmittelantraegen immer einen impact plan skizzieren muessen, wie unrealistisch die auch gewesen sein moegen (von oeffentlichen workshops, Stichwort public participation, zu gesellschaftlichen Effizienzeinsparungen). Im Grossen und Ganzen ist mein Fazit jedoch positiv, da aus meiner Sicht (die des primaer wissenschaftlich engagierten) das REF zu einer anderen Denke hinsichtlich Kollaboration innerhab der departments gefuehrt hat. Jedes department hat zyklisch seine erfolgreichsten 'impact cases' darzustellen ...

#3 -

Mhairi Stewart | Fr., 17.05.2024 - 11:50
Thank you for this interesting article. In discussing terminology I think we also need to introduce 'public engagement with research' (PER or PE). This is important as it is a significant 'pathway to impact' with PE being included in up to 75% of REF impact case studies. (NCCPE REF analysis).



The accepted UK definition is:

'Public engagement describes the myriad of ways in which the activity and benefits of higher education and research can be shared with the public. Engagement is by definition a two-way process, involving interaction and listening, with the goal of generating mutual benefit.'

(NCCPE)



A German ...

#4 -

Leif Johannsen | Fr., 17.05.2024 - 13:14
In my humble opinion constitutes the 'academic freedom' argument a symptom of the classic 'turf wars' intrinsic to the German higher education system, where traditions and societal privileges are defended as more important than a responsibility to the needs of society. The argument is always used when some reform is debated, as if some incentive for societal commitment has to be taken as a top-down order. On the other hand, this is often the reality in the practical discourse between ministries and HE institutions.

#5 -

Innovator | Sa., 18.05.2024 - 11:59
@Johannsen



"Und wenn man nachweisen kann, dass die Publikation X zu einer Aenderung der Praxis Y im NHS gefuehrt hat, dann hat man einen REF-Volltrefer gelandet."



Ob die Kinder, die in der Gender-Abteilung der Londoner Tavistock Clinic (NHS) mit --damals wissenschaftlich gehypten-- Pubertätsblockern behandelt wurden, das genau so sehen? Inzwischen ist diese Abteilung geschlossen.



Insgesamt ist die Haltung, die man im Britischen Englisch als "box-ticking mentality" bezeichnet, im wissenschaftlichen Bereich sehr fragwürdig.

#7 -

Leif Johannsen | Di., 21.05.2024 - 15:20
Das britische System hat noch sehr viele Vorteile gegenueber dem deutschen, was u.a. an der Autonomie der Hochschulen liegt. Weder Brexit noch eine rigide Einwanderungs- oder Austeritaetspolitik wurden von der Hochschul-Community hier gefordert (ganz im Gegenteil; die Geschaeftsmodelle sehen eine liberale Zuwanderung von Studierwilligen vor). Es war die konservativ-liberale Regierung, die nach den Unterhauswahlen 2010 eine unvergleichliche Austeritaetspolitik durchgezogen hat, als deren Kollateralschaden der Brexit angesehen werden kann. Die staatlichen Mittel fuer die Hochschulen wurden damals radikal zurueckgefahren (haben wir ja auch schon irgendwo anders beobachtet, Zwinkersmiley) und als Ausgleich den Hochschulen erlaubt, die Studiengebuehren bis zum Dreifachen anzuheben. Irrerweise ...

#8 -

heilfroh | Sa., 25.05.2024 - 02:00
Ich persönlich bin heilfroh, nicht in UK zu lehren, sondern in D, wo es ein GG gibt, dass Freiheit von Forschung u Lehre garantiert und damit insbesondere verhindert, dass Anrufe aus der Verwaltung kommen, die sich freundlich aber bestimmt danach erkundigen, warum denn die Bestehensquote in der letzten Klausur so niedrig war und dass ich da vielleicht noch mal drüber gehen sollte. Ist nur ein Beispiel zur Unfreiheit, von dem Kollegen in UK mir berichten; Möchte ich nicht.

#9 -

Leif Johannsen | Mo., 27.05.2024 - 19:26
@heilfroh: ich weiss ja nicht an welcher Hochschule Sie lehren, ich kenne aber aus erster und zweiter Hand, dass auch im deutschen System Druck aufgebaut wird, wenn die Absolventenquoten zu gering ausfallen. Das ganze System der Vergabe der ZSL-Mittel beruht auf der Massgabe einer grossen Anzahl bei der Aufnahme von Erstsemestern, kurzen Studierzeiten und hohe Absolvent_innenquoten. Wenn Sie da eine hohe Durchfallerquote erzeugen, die die Studierzeiten verlaengert, dann wird man in D genauso bei Ihnen vorsprechen wie in UK. Ich kenne einen Fall an einer deutschen Hochschule, bei dem die angeblich zu niedrigen Absolventenquoten als Rechtfertigung fuer Umstrukturierungen der Fachbereiche ...

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