Alternativen zum Drittmittelwahn
Es ist Zeit, gemeinsam nach Wegen hin zu einer anderen Wissenschaftsfinanzierung zu suchen. Ein neues hochschulpolitisches Bündnis will damit jetzt starten. Ein Gastbeitrag von Sonja Bolenius und Tilman Reitz.

ZAHLREICHE DEUTSCHE UNIVERSITÄTEN stecken in Finanznöten. Die Humboldt-Universität Berlin steht aktuell vor einem Defizit von jährlich 8,7 Millionen Euro, an der Universität Jena sind es jährlich 12 bis 15 Millionen, die Universität Halle-Wittenberg hat sich zu drastischen Streichungen genötigt gesehen, und auch die Universität Bochum plant Einsparungen im mehrstelligen Millionenbereich.
Die Gründe liegen nicht allein in einzelnen kritikwürdigen Entscheidungen der Hochschulleitungen, etwa für die zahlreichen parallelen Bauprojekte an der Universität Jena, zu denen die Hochschule zunehmend mehr Geld beisteuern muss. Bekannte weitere Faktoren sind steigende Energiekosten, ein enormer Sanierungsstau bei den Gebäuden und außerdem Tarifabschlüsse, die nicht alle Landesregierungen zu kompensieren bereit sind. Auch sinkende Studierendenzahlen bremsen die politische Unterstützungsbereitschaft – obwohl sie ab 2026 wieder steigen sollen.
Die wohl zentrale strukturelle Ursache für die Geldnot liegt jedoch in einem Bereich, von dem sich die einzelnen Hochschulen allzu oft Abhilfe erhoffen: in der viel zu umfangreichen Projektfinanzierung von Forschung über wettbewerblich einzuwerbende Drittmittel. Die Gelder, die langfristig für eine auskömmliche Grundfinanzierung der Hochschulen ...
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Kommentare
#1 - Schafft endlich die "Exzellenz"-Initiative ab.
#2 - Wichtig wäre es m.E., die tieferliegenden Gründe sowohl…
#3 - Also ich kenne jetzt wenige (keine?) Leute, die bei dem…
#4 - @Gast: Ich meinte das gar nicht als absolutes Plädoyer…
#5 - Stimme zu. Ein wichtiger Aspekt noch: Diese Drittmittel,…
#6 - @Hubertus Kohle''Diese Drittmittel, ganz besonders die ERC…
''Diese Drittmittel, ganz besonders die ERC grants, zerstören Institute.''
Wie bitte? Ein Institut wird zerstört, weil ein Mitglied oder der Leiter einen ERC-Grant eingeworben hat? Das Gegenteil ist der Fall. Das bringt das Institut nach vorne. Dass der Einwerbende seine Lehrverpflichtung reduziert, spielt doch gar keine Rolle, Lehrverpflichtungsreduktion findet massenhaft aus allen möglichen Gründen statt.
#7 - @Hubertus Kohle:Sie haben Recht, vielleicht nicht unbedingt…
Sie haben Recht, vielleicht nicht unbedingt am Beispiel der ERC-Grants. Dieser Drittmittel-Wahnsinn zerstört die normale Kultur der Institute. Am schlimmsten sind die durch die X-Initiative erzeugten Deformationen an einer (eigentlich sonst gesunden) Universität.
#8 - Man sollte ja nicht an dem Ast sägen, auf dem man…
Aber: Vielleicht sollte man etwas Geld in die Hand nehmen und mal in einem Experiment messen, welche Form der Forschungsfinanzierung mehr qualitativen Output bringt. Drittmittelfinanzierte Forschung oder Grundfinanzierung?
Es wäre doch mal interessant, im Vergleich und ausreichend langfristig zu sehen, welche Form der Finanzierung die besseren Netto-Effekte hinsichtlich wissenschaftlichem Output hat.
Die Frage ist ja: ist dieser ruinöse Wettbewerb um Drittmittel, mit seinen zahlreichen Fehlanzreizen, komischen Metriken und eigenartigen Nebeneffekten im wissenschaftliche Sinne "wirklich" gewinnbringender?
Am Ende ist Drittmittelförderung ja die Vermarktlichung von Forschung mit allen möglichen positiven ...
#9 - Drittmittelfinanzierung ist nur dann ein…
Drittmittel sind auch deshalb bei den Geldgebern beliebt, weil man damit die Verteilung von Forschungsgeldern sehr bequem rechtfertigen kann: Wer keine Drittmittel hat, ist ja selber schuld, ...
#10 - @9: Ihre Einrichtung hatte ab 2007 sehr stark durch…
X-Initiative profitiert, insbesondere auch in Ihrer Disziplin.
Ihr Beitrag sollte doch daher viel stärker für eine Drittmittel-Förderung werben.
#11 - Moin,mir ist hier zu wenig Differenzierung. Es wird einfach…
mir ist hier zu wenig Differenzierung. Es wird einfach von "Drittmitteln" gesprochen, ohne zu sagen, um welche es sich handelt - außerdem die Finanzmisere von Hochschulen aufgrund von Bau- und Energiekosten damit vermengt. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Hochschulen sind zunächst Ländersache und diese müssen die Grundausstattung tragen - Baukosten, Energie, dauerfinanziertes Personal, Verwaltungskosten etc. Dass die Länder die Hochschulen in der Grundfinanzierung nicht ausreichend ausstatten, ist seit Jahrzehnten klar. Durch die Finanzautonomie seit etwa Mitte der 90er Jahre haben außerdem Unis eine Freiheit gewonnen, die nicht immer nur zum wohl der Forschung beigetragen hat. ...
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