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"Wir können nicht vorhersagen, ob die Demokratie hält"

Deutschland steckt im Strudel globaler Krisen und Konflikte. Rechtspopulisten freuen sich über wachsenden Zuspruch. Und von der neuen Bundesregierung werden schnelle Lösungen erwartet. Ein Gespräch zwischen dem Soziologen Steffen Mau und Georg Schütte von der Volkswagenstiftung über das Ende der "Schönwetterdemokratie" und den Aufbruch ins Ungewisse.
Innenaufnahme in der Kuppel des Berliner Reichstagsgebäudes.

Foto: Donatello Trisolino - pexels.

Herr Mau, können die etablierten Parteien die Erwartungen der Öffentlichkeit überhaupt noch erfüllen?

Steffen Mau: Die Öffentlichkeit ist stärker als früher geprägt durch Emotionen und Gefühlsschwankungen, und die Parteien reagieren darauf mit Affektpolitik. Die Bindung an Parteien und die Orientierung an deren Programmatik schwindet zugunsten einer Stimmungs- und Erwartungsdemokratie. Die Politik soll bestimmte Leistungen erbringen, bestimmte Dinge tun. Wenn sie nicht liefert, wendet man sich anderen Parteilagern zu. Am deutlichsten ließ sich das zuletzt am Wahlverhalten der Unter-25-Jährigen erkennen: 2021 wählten sie mehrheitlich Grüne und FDP, diesmal Linke und AfD. Das lässt sich nicht erklären durch einen tiefgreifenden Wandel grundlegender politischer Orientierungen.


Porträtfoto von Steffen Mau.

Steffen Mau ist Soziologe und hält die Professur für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. 

Foto: Elena Ternovaja, CC BY-SA 3.0 , Wikimedia Commons.

 



 


Georg Schütte : All das muss man vor dem Hintergrund verlorengegangener internationaler Gewissheiten sehen. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, Trumps Wiederwahl, der Aufstieg rechter und rechtspopulistischer Parteien und Positionen von Ungarn über Italien und Frankreich bis eben in die USA: Das verändert die politischen Trends auch in Deutschland.

Mau : Dahinter steckt eine generelle Destabilisierung der alten politischen Ordnung, mit veränderten Regeln und mit wachsenden Möglichkeiten für neue Akteure, politische Geländegewinne zu erzielen. Im Moment können wir nicht richtig vorhersagen, wohin der Druck auf die demokratischen Institutionen führt, ob sie standhalten werden. Die Bundesrepublik war, das muss man so sagen, die meiste Zeit über eine Schönwetterdemokratie, mit der Koexistenz einer positiven wirtschaftlichen und einer demokratischen Entwicklung. Wenn die wirtschaftlichen Verteilungsspielräume weiter schwinden und sich ökonomische Unsicherheiten ausbreiten, bleibt abzuwarten, ob die Menschen bei der Stange bleiben oder in noch größeren Scharen zu den Populisten überlaufen.

"Die Bundesrepublik war die meiste Zeit über eine Schönwetterdemokratie, 

mit der Koexistenz einer positiven wirtschaftlichen und 

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Kommentare

#1 -

Joachim Datko | Mo., 28.04.2025 - 10:34
Die AfD ist eine verantwortungsvolle, libertäre Partei der Bildungs- und Leistungsgesellschaft. Das "Abwehrkartell" der Altparteien kann die AfD nicht unterdrücken. Die AfD ist innerhalb weniger Jahre zur zweitstärksten Partei an der Wahlurne geworden. Zurzeit belegt sie 24 % der Sitze im Bundestag. Man erkennt an den Vorsitzenden, wes Geistes Kind eine Partei ist. Die AfD hatte innerhalb weniger Jahre mit Dr. Lucke und Dr. Meuthen zwei Professoren an der Spitze. Zurzeit hat sie mit dem Handwerksmeister Chrupalla und der Asienkennerin Dr. Weidel (Japan, Singapur, China) auch Vertreter der Bildungs- und Leistungsgesellschaft an der Spitze. Die AfD ist bei den Großmächten ...

#2 -

Franka Listersen | Mo., 28.04.2025 - 14:31
Das ist schon eine sehr (west)deutsche Diskussion. Populisten (übrigens auch linke) sind erstmal auch Demokraten, bis das Gegenteil bewiesen ist. Und dass Ostdeutschland bitteschön auch so zu sein hat wie Göttingen oder Hannover, finde ich ziemlich anmaßend. Wie überhaupt hier das übliche Schema durchscheint: Links ist gut und Rechts ist schlecht. Das Ganze mit etwas Betroffenheitslyrik und in wissenschaftlichem Duktus der unbestrittenen Analyse. Es ist so ermüdend.

#3 -

tutnichtszursache | Mo., 28.04.2025 - 19:28
Dieser Satz von Herrn Mau hat mir sehr gut gefallen: "Ich bin kein Verfechter der These, der Aufstieg der Rechten sei nur eine Reaktion auf die Wokeness des linksliberalen Milieus." Darin sind zwei wichtige Elemente enthalten: 1) Es gibt die Wokeness des linksliberalen Milieus, 2) Der Aufstieg der Rechten ist nicht "nur" eine Reaktion darauf, lies: "aber auch". Beispiel Migration, das dankenswerterweise im Interview zur Sprache kam: Bis wahrscheinlich weit in die AfD-Wählerschaft hinein hat man nichts oder nicht viel gegen Ausländer, die hier in den Arbeitsmarkt hinein migriert sind. Sehr wohl haben aber viele, weit über die AfD-Wählerschaft hinaus, ...

#4 -

Dave | Di., 29.04.2025 - 01:12
Ich habe jetzt einige Artikel hier gelesen. Den hier nur sporadisch. Und es gibt hier so viel Wohlwollen, wohlwissend, möchte ich meinen, dass es für den üblichen Lobbyismus, der Vetternwirtschaft, der Korruption, dem ganzen regionalem Geklüngel kein einfacheres Spiel, als unter Friedrich Merz gibt. Sehr schön, ein Soziologe Mau mit den richtigen Vorschlägen, aber gleich auch wieder distanziert, es ist nicht die Regierunh, sondern es sind die Regierten mit ihren Vorstellungen von Demokratie. Tut mir Leid, bei aller kommunalpolitischer Erfahrung, es gibt allerhöchstens noch Klientelpolitik, der Rest ist nach unten Hinabtreten eben dieses Klientels, der Partei-Kollegen und -Genossen, wohlgemerkt. Da ...

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