Die Misere, die keine Überraschung ist
Deutschlands Neuntklässer stürzen nun auch in Mathematik und Naturwissenschaften ab. Was hinter dem Leistungsrückgang steckt, wie die Politik reagiert – und was daraus folgen sollte.

Symbolbild: freepik.
DASS DIE ERGEBNISSE dramatisch ausfallen würden, hatte sich schon vergangene Woche abgezeichnet. Insider berichteten plötzlich , die Bildungsministerkonferenz (BMK) wolle die Veröffentlichung des IQB-Bildungstrends verschieben. Ja, bestätigte die Direktorin des zuständigen Forschungsinstituts, diese Absicht sei ihr von der BMK mitgeteilt worden, ohne Nennung von Gründen und ohne neuen Termin. Die Überlegung habe sie "überrascht", sagte Petra Stanat, da dies "vom eingespielten Prozedere abweichen würde".
Doch anstatt zu erklären, was da los war, machte der Club der Bildungsministerinnen und Bildungsminister dicht. Keine Beantwortung von Presseanfragen, dafür hektische Sitzungen und schließlich ohne weitere Erklärung doch die Einladung zu einer Pressekonferenz an diesem Donnerstag. Im Hintergrund wird versichert, man habe die Zahlen nie dauerhaft zurückhalten wollen. Es sei lediglich darum gegangen, vorher noch Fragen an die Wissenschaftler loszuwerden.
Wenn Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke), zurzeit Präsidentin der BMK, am Nachmittag vor die Presse tritt, an ihrer Seite die führenden Vertreterinnen der Bildungsminister und Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), werden sie und ihre Kolleginnen Antworten geben müssen. Wie erklärt er sich, der beispiellose Absturz der deutschen Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Mathematik und in den Naturwissenschaften, den das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gemessen hat?
24 Kompetenzpunkte weniger in Mathematik, in Biologie, Chemie und Physik jeweils 23 bis 24 Punkte misst der IQB-Bildungstrend 2024 . Das bedeutet, dass heutige Neuntklässler im Vergleich zur letzten Erhebung 2018 im Schnitt einen Lernrückstand von etwa einem Jahr aufweisen – also massiv schlechter darin sind, mathematische Probleme zu lösen und naturwissenschaftliche Fragestellungen verstehen, anwenden und beurteilen zu können.
Der Absturz in Zahlen
Noch dramatischer: Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler (24 Prozent) erreicht in Mathematik nicht einmal die Mindeststandards für den Mittleren Schulabschluss (MSA), wie er vom IQB im Auftrag der Bildungsminister definiert wurde. In Chemie scheitert daran ebenfalls jede bzw. jeder Vierte (25 Prozent), in Physik jede bzw. jeder Sechste (16 Prozent). Besser sieht es mit zehn Prozent nur in der Biologie aus. Umgekehrt ...
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Kommentare
#2 - Keine Überraschung?
Warum dann noch länger warten mit Handel?
Natürlich wär's toll, man könnte an den externen Stellschrauben drehen, wir hätten also mehr Personal, bessere Integration, dosiertere Inklusion - aber das kommt ja höchstens mittelfristig.
Anderes ginge aber schon morgen - wenn man sich die bisherigen Schwachstellen nur eingestünde:
> #Smartphones rigiros raus aus dem Unterricht - und zuhause abends einsammeln lassen!
> #Strukturierter unterrichten - ist gerade für schwächere Schüler enorm förderlich!
> Schulleistungen endlich angemessen #bewerten - mangelhafte Kenntnisse dürfen nicht länger als '3' durchgehen ... warum sonst sich anstrengen?
Keine weiteren Arbeitsgruppen, sondern Taten, entlang der zentralen Bruchlinien!
Tatsächlich ...
#3 - Anmerkung zu den Zahlen im Bundestrend
Sehr geehrter Herr Wiard,
Vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel. Ich hätte eine Anmerkung zu dem Artikelabschnitt, wo die Leistungen der Länder dargestellt werden.
Konkret geht es um den Absatz:
"Erneut zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Ländern: Bayern, Sachsen und Schleswig-Holstein stehen bei den Matheleistungen vergleichsweise gut da, "durchgängig besonders schwache Ergebnisse" berichtet das IQB aus Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Auch in den Naturwissenschaften liegen Bayern, Sachsen sowie in Teilen Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Thüringen vorn. Am anderen Ende der Skala: Berlin – und wieder Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen."
Ich glaube hierbei wurden Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein vertauscht. Dem IGB-Bildungstrend auf ...
#3.1 - Mindeststandards
Vielen Dank für Ihren Hinweis! Ich hätte deutlich machen müssen, dass ich mich an der Stelle auf das Erreichen der Mindeststandards bezogen habe und nicht auf die Globalskala. Sie finden die Ergebnisse, die ich zitiere, in der Pressemappe auf Seite 11.
Beste Grüße und gute Wünsche
Ihr Jan-Martin Wiarda
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