Die falsche Antwort auf echte Überlastung
Weshalb Arbeitszeiterfassung bei Lehrkräften an Symptomen ansetzt, aber die Ursachen unangetastet lässt. Ein Gastbeitrag von Susanne Lin-Klitzing.

Susanne Lin-Klitzing ist beurlaubte Professorin für Schulpädagogik für die gymnasiale Lehrerbildung an der Universität Marburg und Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes. Foto: DPhV/Marlene Gawrisch.
WENN MAN DIE LEHRKRAFT zum Mann oder zur Frau für alle Fälle machen will, dann trennt man den Unterricht von der Unterrichtsvorbereitung, von der Unterrichtsnachbereitung, vom Korrigieren der Leistungsnachweise, vom Beraten der Schülerinnen und Schüler sowie von der Lehrkräftefortbildung. Dann führt man eine faktorisierte Arbeitszeitverrechnung für jeden dieser Bereiche ein, trennt diese selbstverständlich zusammengehörenden Aufgaben voneinander und schreibt den Lehrkräften vor, wieviel Zeit sie für dieses und jenes und noch jedes kleine Bisschen verbrauchen dürfen. Dann fordert man Arbeitszeiterfassung und anschließend Arbeitszeitmodelle, die genau so eingerichtet sind, dass man bloß keine zusätzlichen Ressourcen in ein System geben muss, das dies eigentlich dringend erfordert.
Zwei völlig unterschiedliche Lehrerbilder
Wenn man den Beruf der Lehrkraft als eine Profession sieht, zu der konstitutiv und zusammenhängend das Erziehen und Unterrichten, das Beurteilen und Beraten gehört, dann führt man kein (faktorisiertes) Arbeitszeitmodell ein, egal ob als Wochen- oder Jahresarbeitszeitmodell. Dann senkt man das seit 100 Jahren nicht abgesenkte Unterrichtsdeputat, ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Neuen Kommentar hinzufügen